Archiv

Letztes Update am TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe

21. Life Ball

Rauschende Life-Ball-Nacht: „1001 Nacht“ beflügelte Gäste

Mit zahlreichen Promis und ebenso vielen Paradiesvögeln wurde Samstagnacht der 21. Wiener Life Ball im Rathaus gefeiert

drucken

Wien - Der 21. Wiener Life Ball hat einen orientalischen Zauber über Wien gelegt. Mit dem Thema „1001 Nacht“ ist Samstagabend das Event am Rathausplatz feierlich über die Bühne gegangen. Die Gästeliste konnte sich sehen lassen: Neben Ex-US-Präsident Bill Clinton und Sänger Elton John waren die Schauspielerinnen Melanie Griffith, Hilary Swank sowie Barbara Eden nach Wien gereist, um beim Fest des Lebens dabei zu sein. Der Life Ball lukriert seit 1993 Gelder für die Aidshilfe.

Bereits der Einzug der 200 Debütanten in überdimensionalen Pumphosen zum „Marsch Pompös“ aus der „Aladdin Suite“ von Carl Nielsen ließ eine wundervolle Eröffnung vermuten. Die Violinistin Lidia Baich als Scheherazade, die in der Geschichte ihr Leben ja Nacht für Nacht rettet, indem sie dem Sultan jedes Mal eine fantasievolle Geschichte erzählt, aber auch Schauspieler Paulus Manker als riesiger Dschinn („Ihr seid verloren“) machten 1001 Nacht für einen Abend zur Realität.

„Jeannie“ und Fergie

Besonders „bezaubernd“ zeigte sich „Jeannie“ Barbara Eden, die wieder in ihr altes Kostüm als Flaschengeist schlüpfte und Gery Keszler drei Wünsche gewährte. „Bevor mich mein letzter Meister aus der Flasche ließ, war ich 2000 Jahre darin“, scherzte sie. Keszler ließ sich nicht lange bitten und wünschte sich zum ersten den Ausbau des medizinischen Fortschritts im Kampf gegen HIV/Aids. Plötzlich erschien die „Black Eyed Peas“-Sängerin Fergie, die als Vertreterin des Life Ball-Partners amfAR, der US-amerikanischen Aids-Hilfe, nach Wien gekommen war.

Wunsch zwei - Kampf gegen Homophobie und Behandlung HIV-infizierter Männer - und Wunsch drei - Behandlungen leistbar zu machen und die Mutter-Kind-Übertragung zu verhindern - wurden durch Elton John und Bill Clinton vertreten. „Wenn wir HIV-positive Menschen alleine lassen, dann können wir Aids nie hinter uns lassen“, sagte der britische Sänger als Vertreter seiner Elton John Aids Foundation (EJAF). „Keiner muss mehr an der Krankheit sterben“, sagte Bill Clinton, der mit der Clinton Health Access Initiative (CHAI) den Kampf gegen die Krankheit aufgenommen hat. Bevor es das UNO-Programm UNAIDS, EJAF oder CHAI gegeben habe, habe es Aids Life gegeben, die Organisation hinter dem Life Ball. „Österreich steht für den Rest der Welt“, sagte Clinton.

Swank sprang für Longoria ein

Hollywoodstar Hilary Swank , die sich in einem Nude-Minikleid mit schwarzem Chiffon umhüllt zeigte, war für die wegen einer Mandelentzündung ausgefallende Eva Longoria („Desperate Housewives“) eingesprungen und hat den von der Firma Swarovski mit 100.000 Euro dotierten Preis „Crystal of Hope Award“ überreicht. Ausgezeichnet wurde das Projekt „The Girl Effect“, das versucht, vor allem in Entwicklungsländern zu verhindern, dass heranwachsende Frauen Armut und Krankheit zum Opfer fallen. „Mädchen, die in Armut leben, sind mit 14 Jahren verheiratet und mit 15 schwanger“, so Swank.

Den krönenden Abschluss bildete die Show von Topdesigner Roberto Cavalli, die er bereits zum zweiten Mal ausrichtete. Cavalli, der in Begleitung seiner österreichischen Ehefrau Eva kam, richtete bereits 2001 die Show aus. „Wer weiß, vielleicht komme ich in zehn Jahren ja wieder“, sagte er am Nachmittag bei einer Pressekonferenz. Die Models konnten sich sehen lassen: Karolina Kurkova und Carmen Electra waren etwa am Laufsteg zu sehen.

Am Roten Teppich gaben sich die Promis ein bisschen unentspannt. Für die US-Schauspielerin Carmen Electra war der Life Ball etwa überraschend stressig. „Roberto Cavalli hat mich kurzfristig dazu eingeladen, bei der Modeschau mitzumachen. Wir mussten jetzt in letzter Minute noch die Kleider probieren“, sagte das ehemalige Playboy-Modell. Auch die Schauspielerin Melanie Griffith war unter Druck. „Ich bin extra für das Fest angereist. Ich habe gar keine Zeit, mir Wien anzusehen und muss morgen wieder weiter“, meinte sie. Der Grund für ihre Teilnahme ist aber nicht zuletzt in ihrem Privatleben zu finden: „Ich habe in den 1980er-Jahren einige Freunde durch Aids verloren“.

Elton John im Privatstress

Elton John war ebenfalls unter Terminnot, auch wenn sein Stress hausgemacht war: „Wir werden heute noch zurück nach Hause fliegen, damit wir morgen mit unseren Kindern gemeinsam frühstücken können“, sagte sein Lebensgefährte David Furnish. Er war aber hoch erfreut, dass der Life Ball weiterhin eine so starke Präsenz zeigt.

Andere waren allerdings glücklich, es überhaupt zum Life Ball geschafft zu haben. „Ich bin so froh hier zu sein“, sagte Kelly Osbourne der APA. Wobei diese Aussage wohl einen doppelten Sinn hatte, denn ihre Anreise war sehr beschwerlich. Sie saß am Londoner Flughafen wegen einer Bombenwarnung fest. „Oh mein Gott! Ich bin acht Stunden festgesteckt“, erinnerte sie sich mit Schaudern.

Für Gottfried Helnwein war am Samstag Life Ball-Premiere. „Es ist eine sehr tolle Stimmung mit vielen lustigen Leuten“, sagte der Künstler. Er selbst fühlte sich - ganz in Schwarz gewandet - allerdings ein bisschen underdressed.

Keine Zeit für Sightseeing

Bei der Aids Gala in der Wiener Hofburg am Samstagnachmittag zeigte sich auch Supermodel Karolina Kurkova unentspannt. „Ich bin definitiv sehr beschäftigt, ich widme mich ganz dem Life Ball.“ Zeit für Sightseeing hatte sie deswegen bisher nicht. Zu der Gala kam sie in einem schicken Roberto Cavalli-Hosenanzug und einem teuren Collier. Angst, dass dieses gestohlen werden könnte, hat sie nicht denn: „Ich bin ziemlich groß und ich werde kämpfen“.

Ein großer Erfolg war die Versteigerung diverser hochkarätiger Exponate bei der Gala. Der von Roberto Cavalli gestaltete „Life Ball Mini“ wurde für die Rekordsumme von 150.000 Euro verkauft. Eine für den Ball als Unikat angefertigte Uhr von Chopard wurde um 100.000 Euro an den Mann gebracht, doch zeigte sich der ehemalige US-Präsident Bill Clinton so begeistert von dem Zeitmesser, dass für ihn ausnahmsweise eine zweites Exemplar angefertigt wird - zum gleichen Preis. Insgesamt wurde eine halbe Million Euro eingenommen. „Ein absoluter Rekord“, freute sich Pressesprecherin Doris Pommerening.

drucken