Archiv

Letztes Update am TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe

Innsbruck

Weltflüchtlingstag: Schirm als Zeichen der Solidarität

Auch in Innsbruck wurde am Weltflüchtlingstag ein sogenannter Umbrella March veranstaltet. Mehr als 200 Menschen zogen mit Schirmen durch die Innenstadt.

Innsbruck/Wien - Anlässlich des Weltflüchtlingstags hat am Donnerstag bereits zum dritten Mal in Österreich der „European Umbrella March“ stattgefunden. Erstmals zogen heute auch in Innsbruck mehr als 200 Menschen mit Schirmen durch die Innenstadt. „Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass die Situation von Flüchtlingen extrem schwierig ist“, sagt Tine Gutweniger von der Plattform Bleiberecht. Mehr als 20.000 Menschen seien in den vergangenen 20 Jahren auf der Flucht ums Leben gekommen.

Wenig positive Entwicklung in Österreich

Auch in Wien wurde demonstriert. Bei der Abschlusskundgebung am Wiener Heldenplatz sprach Anny Knapp, Obfrau des Vereins Asylkoordination, von „wenig positiven Entwicklungen bei der EU-Asylpolitik“. Sie forderte von Österreich eine „humanitäre Flüchtlingsaktion“ etwa im Sinne einer Aufnahme für syrische Flüchtlinge. Geld alleine reiche nicht vor dem Hintergrund von mittlerweile rund 1,5 Millionen syrischen Flüchtlingen. Trotz großer Hitze haben am Marsch Polizeiangaben zufolge rund 300 Personen, bei der Kundgebung selbst rund 100 Personen teilgenommen.

Aktuell brennt der Asylkoordination laut Knapp eine geplante Abschiebung von afghanischen Flüchtlingen „besonders unter dem Nagel“. Niemand solle in ein Krisenland abgeschoben werden, und Afghanistan sei eines. Herbert Langthaler, ebenfalls von der Asylkoordination, kritisierte die Abschiebepraxis der EU und zeigte sich erschrocken über die Geldmittel für die Außengrenzen der EU. Dafür gebe es 4.000 Millionen Euro Budget. „Das ist eine unfassbare, unglaubliche Summe“, sagte Langthaler. Offensichtlich wolle die EU Europa damit „unter eine Käseglocke“ stellen und vor Flüchtlingen abschirmen - dies wird laut Langthaler jedoch niemals gänzlich gelingen.

Es sei ein Fehler gewesen die Wiener Votivkirche zu verlassen, kehrten drei Mitglieder der Gruppe des sogenannten Refugee Camps, das zum Jahreswechsel für Wirbel und hitzige Debatten über die österreichische Flüchtlingspolitik gesorgt hatte, hervor. „Wir haben keine mediale Präsenz mehr“, sagte einer der Sprecher.

Das Schicksal der Flüchtlinge sei mittlerweile in Vergessenheit geraten, die Hälfte der Gruppe habe mittlerweile negative Asylbescheide bekommen. „Aber wir geben nicht auf“, sagten sie und unterstrichen, dass sie die Unterstützung der österreichischen Zivilgesellschaft brauchten. Sie forderten eine Lösung für die gesamte Gruppe der insgesamt 65 Flüchtlinge, die derzeit im Wiener Servitenkloster untergebracht seien. „Wir wollen nicht voneinander getrennt werden“, so der Tenor.

Laut Rubina Möhring von Reporter ohne Grenzen Österreich (RoG/RSF) darf man nicht vergessen, dass kein Mensch aus freien Stücken sein Land verlässt. Es sei sehr schmerzlich seine Familie und seine Kultur hinter sich zu lassen. „Flüchtlinge sind keine Menschen zweiter Klasse“, betonte sie. Ihrer Ansicht nach solle Europa seine Türen in demselben Maße öffnen, wie sie den Europäern während und nach dem Zweiten Weltkrieg gewährt wurden. Sie sprach sich mit Nachdruck für eine „einheitliche, menschliche Flüchtlingspolitik“ der EU aus.

Anlässlich des Weltflüchtlingstages wird heute in insgesamt acht österreichischen Städten marschiert. Neben Innsbruck und Wien zählen dazu Linz, St. Pölten, Salzburg, Villach, Bregenz. Auch in Großbritannien, Frankreich, Spanien, Belgien, den Niederlanden findet heute der alljährliche der European Umbrella March statt. In Österreich wurde er heuer zum dritten Mal durch die Asylkoordination veranstaltet und von Organisationen wie dem Integrationshaus und dem Verein Ute Bock unterstützt. (APA/TT.com)