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Afrikareise beendet

Obama lobt und mahnt Afrika: Selbstständigkeit gefordert

US-Präsident Barack Obama hat zum Abschluss seiner Afrikareise das wirtschaftliche Potenzial des Kontinents betont. Die Phase der reinen Entwicklungshilfe nähere sich dem Ende. Es gehe um eine neue Partnerschaft.

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Kapstadt – Es ist noch gar nicht so lange her, da waren westliche Staatsmänner auf Besuch in Schwarzafrika höchst vorsichtig. Bestenfalls durch die Blume wurden Probleme wie Korruption angesprochen. Über die echten Probleme des Kontinents wurde geschwiegen. US-Präsident Barack Obama macht das anders.

In einer „Rede an den Kontinent“ an der Universität in Kapstadt legt er ohne Wenn und Aber die Finger in die Wunde. Ja, Schwarzafrika erlebt derzeit einen beispiellosen Wirtschaftsboom. Ja, es gehe in vielen Ländern auch in Sachen Demokratie in die richtige Richtung. Doch im selben Atemzug mahnt er auch: „Wir wissen, dass der Fortschritt auf einer fragilen Basis steht.“

Den größten Applaus der jungen Studenten erntet Obama stets dann, wenn er die politischen und wirtschaftlichen Eliten direkt ins Visier nimmt. Wenn er Korruption anspricht oder die schlechte Behandlung von Frauen auf dem Kontinent. „Man kann ein Land daran messen, wie gut es seine Frauen behandelt.“ Die jungen Leute waren geradezu aus dem Häuschen. Welcher afrikanische Führer hatte so etwas schon einmal gesagt?

Richtiger Jubel, Begeisterung der Bevölkerung für den schwarzen US-Präsidenten kommt erst ganz zum Schluss der Reise auf. Zehntausende Menschen säumen am Montag die Straßen in Daressalam, der Hauptstadt Tansanias. „Das Volk Tansanias liebt Sie“, meint Präsident Jakaya Kiwete. Brav antwortet Obama: „Ich fühle eine spezielle Beziehung zu diesem Land.“

Obamas Vater stammt aus dem benachbarten Kenia. Im Grunde genommen ist es eine Ohrfeige für das Land, dass Obama einen Bogen um Kenia macht. Doch die dortige Regierung hat einen schweren Schönheitsfehler: Der neue Präsident Uhuru Kenyatta ist vom Internationalen Gerichtshof angeklagt.

Die Botschaft Obamas an den Kontinent ist eindeutig: Afrika muss eigenständiger werden, kann sich nicht auf Hilfe von außen verlassen. „Letztlich ist aber das Ziel, dass Afrikaner Afrika aufbauen“, sagte Obama am Montag nach einem Gespräch mit dem tansanischen Präsidenten Jakaya Kiwete in Daressalam. Immer wieder wies Obamas auf das leuchtende Vorbild Nelson Mandela hin - der habe das eigene Schicksal und das seines Volkes in Südafrika entschlossen die Hand genommen.

Möglicherweise hat der US-Präsident auch einen Hintergedanken dabei. In Obamas Lobliedern scheint zuweilen unterschwellige Kritik an den Plagen des Kontinents verpackt, an der wuchernden Korruption und Vetternwirtschaft. Nicht zufällig betont Obama immer wieder, dass die „Botschaft“ Mandelas auch heute noch eine wichtige „Inspiration für Afrika und die Welt“ sei.

Der US-Präsident verweist etwa auf die Bedeutung von Rechtsstaatlichkeit und Freiheit, dem Respekt vor Minderheiten und insbesondere vor Frauen - wohlwissend, dass in Südafrika Misshandlungen und Vergewaltigungen von Frauen fast verheerende Ausmaße haben.

Vor seinem Abflug am Dienstag wird Obama die Opfer der Terroranschläge Ende der 1990er-Jahre ehren. Bei zeitgleichen Bombenanschlägen auf die US-Botschaften in Daressalam und Nairobi (Kenia) waren am 7. August 1998 mehr als 220 Menschen ums Leben gekommen. An der Kranzniederlegung nimmt auch Obamas Amtsvorgänger George W. Bush teil. (dpa/APA)

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