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Komet im Anflug

Blick auf Ison: Der Komet, der zum zweiten Vollmond wird

Irgendwo zwischen Jupiter und Mars rast Ison mit rund 77.000 km/h der Sonne entgegen. Der Komet wird im November mit bloßem Auge sichtbar sein.

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Innsbruck – Pünktlich zum amerikanischen Unabhängigkeitstag am heutigen 4. Juli liefert die NASA erste Bilder von einem kosmischen Feuerwerk, das im Laufe der kommenden Monate immer stärker werden wird und irgendwann im November ohne Teleskop, mit freiem Auge sichtbar sein wird.

Der Komet Ison nähert sich mit rasender Geschwindigkeit der Sonne. Eine Strecke von 77.000 Kilometern legt er derzeit pro Stunde zurück. Und als die Fotos, die von der NASA zu einem kleinen Video zusammengefügt wurden, im Mai dieses Jahres entstanden sind, befand sich das Objekt rund 650 Millionen Kilometer von der Erde entfernt, irgendwo zwischen den Orbits der Planeten Jupiter und Mars.

Das Hubble-Video deckt in nur 5 Sekunden eine Zeitspanne von 43 Minuten Reise ab. In dieser Zeit legte der Komet unfassbare 54.000 Kilometer zurück, was in etwa sieben Prozent der Distanz zwischen Erde und Mond entspricht.

Direkter Kurs auf die Sonne

Warum Ison von großem Interesse ist bzw. von noch größerem Interesse sein wird, ist schnell erklärt. Der Komet, der erst im September 2012 von Amateurastronomen mit Hilfe eines 40-Zentimeter-Teleskops des International Scientific Optical Network (daher Ison) entdeckt wurde, befindet sich auf direktem Kurs zur Sonne.

Spektakulär wird dabei die Annäherung sein, die Ison in einem minimalen Abstand von nur 1,8 Millionen Kilometern – also nur in etwa einem Sonnendurchmesser – um unseren Fixstern führen wird. Dabei ist es sogar möglich, dass der Komet in Sonnennähe zerbricht.

Spannend ist aber nicht nur diese extreme Annäherung, sondern die Sichtbarkeit des Komets von der Erde aus. Derzeit wird erwartet, dass Ison von Anfang November bis Mitte Januar mit bloßem Auge zu sehen sein wird. Kurzzeitig – glauben Forscher – wird Ison sogar Vollmondhelligkeit erreichen können.

Schutz für die Augen erforderlich

Einziges Problem: Ison wird in einem geringen Winkelabstand zur Sonne seine gesamte Pracht entfalten, was die Beobachtung erschweren und einen besonderen Schutz der Augen erfordern wird.

Freien Blick auf den Kometen, der wohl nicht nur für professionelle Astronomen zum Star werden wird, hat man vermutlich in den Dämmerungsstunden.

Spektakulär ist auch die Erforschung des Kometen. Er wird unter anderem vom Mars Reconnaissance Orbiter untersucht. (tt.com)

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