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Horror-Unfall auf A13

Geisterfahrer vom Schönberg war betrunken und hatte keinen Schein

Ein Deutscher wendete unmittelbar vor der Mautstelle Schönberg und rammte dann ein entgegenkommendes Fahrzeug. Beide Lenker kamen ums Leben.

Von Christoph Mair

Schönberg – Fassungslosigkeit und Betroffenheit herrschten gestern Freitag, einen Tag nach dem verheerenden Geisterfahrerunfall auf der Brennerautobahn, der zwei Todesopfer gefordert hatte.

Wenngleich die Frage nach dem Warum nicht vollständig beantwortet werden konnte und vielleicht nie ganz geklärt werden kann, brachten die Ermittlungen zumindest erste Erklärungsversuche. Eine Obduktion ergab gestern, dass der 44-jährige deutsche Unfallverursacher alkoholisiert war. Auch besaß der Mann keinen Führerschein mehr. Der war ihm nach einem Unfall unter Alkoholeinfluss in seiner Heimat im März dieses Jahres abgenommen worden.

Für die Polizei kommt deshalb eine Kurzschlussreaktion in Betracht. Schließlich war der Lenker eines Kleintransporters unmittelbar vor dem fatalen Zusammenstoß in einen Auffahrunfall direkt an der Mautstelle verwickelt. Der Lenker aus Bayern war auf einen italienischen Pkw aufgefahren. „Ein Unfall mit größerem Sachschaden. Das Auto des Italieners war nicht mehr fahrbereit“, berichtet Markus Widmann, Chef der Landesverkehrsabteilung der Tiroler Polizei. Der Deutsche habe sich entschuldigt und dem Unfallgegner seine Visitenkarte gegeben. Dann ging offenbar alles sehr schnell: Während der Italiener zum Mautgebäude ging, um einen Abschleppwagen zu organisieren, hatte der 44-Jährige schon gewendet. Entgegen der Fahrtrichtung fuhr er auf der äußerst linken Richtungsfahrbahn wenige hundert Meter Richtung Innsbruck. In der Schönbergkehre prallte er halbfrontal in einen entgegenkommenden Ford Transit, gelenkt von einem 43-jährigen Deutschen mit Wohnsitz in Tirol. Dessen Wagen kippte durch die Wucht des Anpralls auf die Seite und blieb quer auf der Fahrbahn liegen. Beide Lenker wurden in den Wracks eingeklemmt. Für sie kam trotz eines Großaufgebots an Rettern jede Hilfe zu spät. Sie starben noch an der Unfallstelle. „Nach einem derartigen Unfall können wir nicht zur Tagesordnung übergehen“, betont Markus Widmann. Doch wie Tirols Asfinag-Chef Klaus Fink hat auch Widmann kein Patentrezept, um derartige Szenarien zu verhindern. Letztlich müsse bei Autofahrern auch eine gewisse Reife vorausgesetzt werden. Für Fink ist der aktuelle Unfall auch nicht mit den gefährlichen Wendemanövern an der Hauptmautstelle zu vergleichen. Immer wieder kommt es nämlich vor, dass meist ausländische Autofahrer auf der Autobahn umdrehen, um der Mautpflicht zu entgehen.

Für Fink hat die Asfinag alle technischen Möglichkeiten ausgeschöpft, um Geisterfahrten zu verhindern. Schon bei Innsbruck Süd würde auf Umkehrmöglichkeiten Richtung Deutschland hingewiesen. „Immer wieder behaupten Autofahrer, sie seien irrtümlich Richtung Brenner gefahren“, weiß Fink.

Die Überkopfbalken der Verkehrsbeeinflussungsanlage könnten Geisterfahrer erfassen, sofern diese zwei Portale passieren. Dann würden sofort die Räumung einer Spur und ein Tempolimit signalisiert. Im aktuellen Fall sei die Fahrtstrecke allerdings zu kurz gewesen. Bis zum aktuellen Drama habe es zweieinhalb Jahre lang österreichweit keinen tödlichen Geisterfahrerunfall im ganzen Asfinag-Netz gegeben. Der Ö3-Verkehrsfunk warnte in Tirol im Vorjahr 55-mal vor Geisterfahrern, wodurch das Land erstmals seit 2001 auf dem dritten Rang lag. In ganz Österreich waren es 392 Meldungen. Die A 12 zwischen Innsbruck und Kufstein war mit 19 Meldungen der am stärksten betroffene Streckenabschnitt in ganz Österreich. Heuer gingen in Tirol bisher 25 Warnungen über den Äther, österreichweit waren es 178.