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Kanada

Tankzug in kanadischer Kleinstadt explodiert: Fünf Tote

Das kanadische Lac-Mégantic galt als ruhig und beschaulich. Als die mit Rohöl beladenen Waggons entgleisten und explodierten, verwüstete ein Flammeninferno die kleine Stadt.

Quebec, New York – Nach der Explosion eines führerlosen Tankzuges mit Hunderten Tonnen Öl an Bord werden in der kanadischen Kleinstadt Lac-Megantic zahlreiche Tote befürchtet. Bis Sonntagvormittag sind bereits fünf Leichen geborgen worden, teilte die Polizei der Provinz Quebec mit. 40 Personen würden vermisst. Der Tankzug hatte in der Nacht auf Samstag (Ortszeit) das Stadtzentrum mit einer gewaltigen Explosion zerstört, nachdem er dort entgleist war.

Fast einen Tag nach dem Unglück war die Lage im Katastrophengebiet weiterhin völlig unübersichtlich. Allein in einer Bar hätten sich zum Unglückszeitpunkt 50 Personen befunden, sagte ein Feuerwehrmann. Von der Gaststätte sei nun „nichts mehr übrig“.

Bergungsarbeiten gehen langsam voran

Wegen des Flammeninfernos und der Explosionsgefahr gingen die Bergungsarbeiten auch nach vielen Stunden nur langsam voran, ein Drittel der 6000 Ortseinwohner wurde in Sicherheit gebracht.

Den kanadischen Behörden zufolge bestand der Tankzug aus fünf Lokomotiven und 72 mit je 100 Tonnen Rohöl beladenen Waggons, von denen später mindestens vier explodierten.

Laut dem Bahnunternehmen Montreal Maine & Atlantic hatte der Zug zunächst wegen eines Personalwechsels im 13 Kilometer entfernten Nachbarort Nantes gehalten. Trotz gezogener Bremsen sei er dann kurz nach Mitternacht plötzlich ohne Lokführer die abschüssigen Gleise hinunter nach Lac-Megantic gerollt, das rund 250 Kilometer östlich der Metropole Montreal liegt.

Die Bahnbetreiber können sich die Unfallursache nicht erklären. Es gebe zahlreiche Sicherungssysteme für Bremsen und Kupplungen, hieß es von ihrer Seite.

Zeugen berichteten von mindestens sechs Explosionen und einem riesigen Feuerball über der Ortschaft, wo der führerlose Zug schließlich entgleiste. Etwa 40 Gebäude wurden massiv beschädigt, von manchen blieben nicht einmal die Grundmauern übrig.

Das Stadtzentrum ist zerstört

„Das Stadtzentrum ist zerstört“, konstatierte die Premierministerin der betroffenen Provinz Quebec, Pauline Marois. Rund 150 Feuerwehrleute waren im Einsatz, darunter einige aus dem nahe gelegenen US-Bundesstaat Maine. Das Feuer wurde erst am Sonntagmorgen gelöscht.

„Als wir aus einer Bar kamen, sahen wir Waggons in vollem Tempo in das Dorfzentrum rasen“, berichtete Yvon Rosa im Sender Radio-Canada. „Dann sahen wir Funken springen, hörten Lärm und mehrere Explosionen. Überall war Feuer, wir sind bis ans Wasser gerannt.“

Etwa zehn Waggons konnten laut dem Katastrophenschutz gesichert und vom restlichen Unglückskonvoi abgetrennt werden. Ein Team der Behörde für Verkehrssicherheit begann vor Ort mit den Ermittlungen.

Kanadas Premierminister Stephen Harper äußerte sich schockiert: „Es ist leider klar, dass es den Verlust von Menschenleben gegeben hat, auch wenn wir das genaue Ausmass noch nicht kennen.“ Harper sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus und versicherte Québec jede notwendige Hilfe der Zentralregierung. (APA/Reuters/AFP)

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