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USA

Kleiner ganz groß: Vierjähriger ist Bürgermeister von US-Kleinstadt

„Bobby“ Tafts hat als Vierjähriger bereits eine ganze US-Kleinstadt unter sich. Der Bub ist seit einem Jahr „symbolischer Bürgermeister“.

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Washington - Klettern, Angeln, Amtsgeschäfte: Ein vier Jahre alter Bub ist seit einem Jahr Bürgermeister von Dorset. Das Amt der US-Kleinstadt ist symbolisch. Doch „Bobby“ Tufts kämpft für eine zweite Amtszeit.

Der Wahlkampf läuft auf Hochtouren. Poster aufhängen, Visitenkärtchen verteilen, Autogramme geben. Seit seiner Wahl zum Bürgermeister der amerikanischen Kleinstadt Dorset ist Robert Tufts ein gefragter Mann - genauer genommen ein gefragtes Kind. Im zarten Alter von nur drei Jahren wurde das kleine Kerlchen vergangenen August ins höchste Amt Dorsets im US-Bundesstaat Minnesota gewählt.

Inzwischen ist Robert Tufts, den alle nur „Bobby“ nennen, vier Jahre alt und hofft auf eine zweite Amtszeit. Warum er wiedergewählt werden möchte? „Weil ich einen guten Job mache“, sagte der Bub dem Fernsehsender ABC. Bobbys Hobbys? Hunde streicheln, Angeln gehen, Eiscreme essen - am liebsten Erdbeere und Schokolade. Interviews steht er meist geduldig durch. Nur als Gast im Frühstücksfernsehen vom Sender NBC rutschte er vor einigen Wochen etwas nervös auf dem Studio-Sofa herum.

Bobbys Karriere als Jung-Politiker begann mit einer Art Werbe-Gag für ein Restaurant, in dem seine Mutter arbeitete. Um Kundschaft anzulocken, entwickelte sie ein Wahlplakat mit der Aufschrift: „Wählt Robert Tufts zum Bürgermeister“. Abgebildet ist der kleine Bobby mit einer großen Portion Eiscreme, der verspricht, als Bürgermeister für nahrhaftes Essen zu sorgen. Das Plakat wurde zum Selbstläufer, Anstecker machten die Runde, und plötzlich hatte der Sprössling die Gemeinde auf seiner Seite.

Doch nicht nur sein fröhliches Grinsegesicht, sondern auch die politischen Gegebenheiten der Stadt verhalfen Bobby ins Amt. Weil die Stadt eingemeindet wurde und keine formelle Regierung besitzt, wird jedes Jahr auf einem Dorffest per Losverfahren ein symbolischer Bürgermeister gewählt. Jedermann kann den Kandidaten seiner Wahl für einen US-Dollar auf einen Zettel schreiben und in einen Hut werfen. „Stimmzettel, die ohne den Dollar abgegeben werden, sind ungültig“, schreibt die Stadt auf ihrer Internetseite. Wer aus dem Hut gezogen wird, ist Bürgermeister - zumindest symbolisch.

„Es gab schon ein Mädchen, die eine Kampagne für ihren Hund gestartet hat“, sagt die Inhaberin des örtlichen Gemischtwarenladens, Kathleen Schmidt. „Ich hatte mal einen Hahn, den ich zum Bürgermeister wählen lassen wollte, aber er wurde von einem Hund angefallen.“ So sind die jährlich stattfinden Wahlen eher ein Spektakel für die Bewohner - in Dorsets leben zwischen 22 und 28 Menschen - und die mehreren hundert Besucher.

Über die Dringlichkeit seiner Amtsgeschäfte scheint sich der kleine Mann dennoch im Klaren zu sein. Nach seiner Wahl im August 2012 eröffnete Bobby etwa die Fischerei-Saison, erzählt Schmidt. Auch sonst gibt sich Bobby staatsmännisch. „Er liebt es, Menschen in Restaurants zu treffen und zu begrüßen. Er grüßt jeden“, sagte seine Mutter Emma der Online-Zeitung. Die Stadt kann zwar nur eine Handvoll Restaurants vorweisen, bezeichnet sich im Internet aber stolz als „Restaurant-Metropole“.

„Er fährt eine erbitterte Kampagne für seine Wiederwahl“, sagt Schmidt. „Die meisten von uns stärken ihm den Rücken, weil er so süß ist.“ Dass es seinen Gönnern nicht nur um sein Äußeres geht, sondern auch um seinen vermeintlich wichtigen Posten, hat der kleine Bobby längst durchschaut. Als er im Interview mit dem TV-Sender NBC von seiner Freundin Sophia erzählte, stellte er klar: „Sophia mag mich, weil ich Bürgermeister bin.“ (APA/dpa)

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