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Forschen, fotografieren, feiern: Ein Jahr „Curiosity“ auf dem Mars

Die Nasa hat wieder einen Star: „Curiosity“ landete erfolgreich auf dem Mars, schickt massenhaft wissenschaftliches Datenmaterial und polierte auch noch das Image der Behörde auf. Genau ein Jahr rollt der Rover nun - und ein Ende ist noch lange nicht abzusehen.

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Washington – Mit einer umjubelten Landung auf dem Mars und wissenschaftlichen Erfolgsmeldungen am Fließband hat ein Kleinwagen-großer Roboter sich zum Liebling der Forschungswelt entwickelt: „Curiosity“. Das erklärte Ziel der Mission, nämlich Voraussetzungen für einst mögliches Leben auf dem Roten Planeten zu entdecken, hat der Rover längst erreicht. Und nebenbei hat seine Erfolgsgeschichte gepaart mit einer gewaltigen Marketingmaschinerie auch noch das Image der zuvor als dick verstaubt geltenden US-Raumfahrtbehörde Nasa gehörig aufpoliert.

An diesem Dienstag (6. August) rollt der Rover seit genau einem Jahr über den Mars - nach ursprünglicher Planung Halbzeit, doch die 2,5 Milliarden Dollar (rund 1,9 Milliarden Euro) teure Mission ist längst auf „solange wie möglich“ ausgedehnt worden. Der Rover könne durchaus auch ein Jahrzehnt bleiben, sagte Sarah Marcotte aus dem Rover-Team erst kürzlich in einem Interview. „Er ist sehr robust gebaut. Wir erwarten deshalb, dass er länger aushält als die ursprünglich geplanten zwei Jahre.“

„Radspuren jetzt führen zu Fußspuren in der Zukunft.“

All das ist Balsam für die durch Budgetkürzungen geschundene Seele der Nasa - nach dem Ende der Raumfähren-Ära hat sie endlich wieder einen Star, der den Weg zur weiteren Forschung weist. Das erklärte langfristige Ziel: Menschen zum Mars bringen. „Die Erfolge von „Curiosity“ bringen uns weiter“, sagt Nasa-Chef Charles Bolden. „Radspuren jetzt führen zu Fußspuren in der Zukunft.“

Partys zum Jahrestag

Zum Jahrestag veranstaltet die Behörde zu Ehren ihres Lieblingsroboters sogar mehrere öffentliche Partys, eine zum Beispiel im Washingtoner Hauptquartier, bei der unter anderem Nasa-Chef Charles Bolden und die Astronauten der Internationalen Raumstation ISS die Highlights aus einem Jahr „Curiosity“ (Neugier) auf Video ansehen können. Angefangen von der atemberaubenden Landung im vergangenen August. Unvorstellbare 570 Millionen Kilometer hatte der bislang teuerste und technisch ausgefeilteste Nasa-Rover da schon hinter sich gebracht und setzte dann mit Hilfe unter anderem eines Fallschirms, Seilen und Korrekturdüsen auf der Mars-Oberfläche auf.

Tränen nach dem Landemanöver

Die „sieben Minuten des quälenden Bangens“ hatten Nasa-Experten das komplizierte Landemanöver im Vorfeld getauft - und jubelten und klatschten voller Begeisterung im Kontrollraum, als diese erfolgreich überstanden waren. Viele Wissenschaftler hatten Tränen in den Augen. „Die Landung war der intensivste Moment“, sagt Nasa-Forscherin Megan Richardson. „Das Gefühl, als wir das erste Foto von einem Rad auf dem Marsboden auf der Erde hatten, war eines der großartigsten der Welt.“

Dann testete „Curiosity“ seine Instrumente - unter anderem mehrere Kameras, einen Bohrer, eine Drahtbürste, einen Laser und ein chemisches Messinstrument - und rollte los. Der rund 900 Kilogramm schwere Rover schickte Fotos und Videos, durchlebte Stürme, überstand Computerpannen und fand schließlich Voraussetzungen für einst mögliches mikrobielles Leben auf dem Mars. „Es war sehr befriedigend, dass wir Erfolg hatten, aber es hat auch unseren Appetit geweckt, noch mehr zu lernen“, sagt Nasa-Wissenschaftler John Grotzinger.

Alle Abenteuer des Rovers wurden stets verfolgt von mehr als 1,3 Millionen Fans beim Kurznachrichtendienst Twitter, wo mehrere Nasa-Mitarbeiter den Rover tagtäglich in anekdotischer und spaßiger Ich-Form erzählen lassen. Er freue sich schon auf seinen „Land-iversary“ (das Wortspiel bedeutet auf Deutsch etwa: Landungstag), verkündete der Rover etwa jüngst.

Gale-Krater wird intensiv erkundet

Wie es nun weitergehen soll mit „Curiosity“ haben die vom Erfolg überwältigten Nasa-Wissenschaftler noch gar nicht so richtig durchgeplant. Momentan befindet sich der Rover auf dem Weg zum Berg Sharp am Rande des Gale-Kraters, in dem er auch gelandet ist. Aller Wahrscheinlichkeit nach werde der Forschungsroboter den Krater nie verlassen, sagt Sarah Marcotte aus dem „Curiosity“-Team. „Er ist sehr groß und es gibt dort so viel zu sehen - viele Gesteinsschichten, die Milliarden Jahre geologischer Geschichte repräsentieren. „Curiosity“ wird also wahrscheinlich diese eine Gegend intensiv erkunden.“

Hauptsache der technisch komplizierten Rover bleibe heil, sagt ihre Kollegin Joy Crisp. „Da haben wir bisher wirklich Glück. Ich muss mich immer wieder kneifen, um mich daran zu erinnern, dass ich nicht träume.“ (dpa)

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