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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 05.08.2013

Natur

Neues Unheil am Horizont

Schnell, aber mit großer Wucht zog am Sonntag eine heftige Gewitterzelle eine Spur der Verwüstung durchs Unterland. Bis zum Donnerstag drohen weitere Unwetter. Die Gefahr von Waldbränden bleibt groß.

Die Gewitterfront von Sonntagabend kam schnell und heftig. In den kommenden Tagen könnten weitere Unwetter folgen.Foto: Zoom-Tirol

© ZOOM-TIROL Die Gewitterfront von Sonntagabend kam schnell und heftig. In den kommenden Tagen könnten weitere Unwetter folgen.Foto: Zoom-Tirol

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Von Marco Witting

Innsbruck – Die Zutaten stehen schon in der Wetterküche bereit – und verheißen nichts Gutes. Viel feuchte Luft. Eine ordentliche Portion kalte Luft, die einer Front vorausgeht. Dazu ein drückender Sommertag mit viel Sonneneinstrahlung. Fertig ist die Unwettergefahr. Und genau das könnte am Donnerstag im Unterland auf der Wetterkarte stehen.

Doch der Reihe nach: Schon ab heute steigt im ganzen Land die Gefahr von zum Teil heftigen Gewittern an. Wo und wie stark sich die Zellen allerdings entladen können, das ist laut Meteorologin Susi Lentner von der Zentralanstalt für Meteorologie (ZAMG) äußerst schwer zu prognostizieren. „Gestern hatten wir sicher den stabilsten Tag der Woche. Heute wird es in jedem Fall wesentlich labiler.“ Am Mittwoch mischt sich dann noch einmal eine ordentliche Portion Föhn in die Wettersuppe. Das macht weitere Gewitter am Alpennordrand möglich. Am Donnerstag droht dann erneut dem Unterland Unheil. Denn: „Dort dürfte die Sonneneinstrahlung am längsten andauern und damit am ehesten das Potenzial für Gewitterzellen vorhanden sein.“

Auch die Österreichische Unwetterzentrale sieht am Donnerstag hier die Möglichkeit für schwere Gewitter mit Hagel, Starkregen und Sturm.

Dabei sind die Schäden, die jener vom Sonntagnachmittag hinterlassen hat, noch längst nicht beseitigt.

So schnell die Unwetterfront im Unterland aufgetaucht war, so schnell war sie auch wieder weg. Die Spur der Verwüstung war dennoch groß. Alleine 230.000 Euro Schaden auf einer Fläche von mehr als 700 Hektar gibt es laut der Österreichischen Hagelversicherung in der Landwirtschaft der Bezirke Schwaz und Kufstein. Hinzu kommen Schäden in den Wäldern.

Umgestürzte Bäume fielen gleich mehrfach auf Strom- und Telefonteilungen, weshalb teilweise bis zu 4500 Haushalte ohne Strom waren. Am schlimmsten getroffen wurde der Großraum Wörgl. In Bruckhäusl wurden laut Feuerwehrkommandant Andreas Acherer insgesamt 20 Häuser beschädigt. „Die Bewohner sind alle in den Gebäuden geblieben. Wir haben die Dächer mit Planen abgedeckt und gestern haben die Dachdeckerfirmen schon mit der Arbeit begonnen.“

Welche Wucht der Sturm am Sonntagabend gehabt hat, zeigt ein Beispiel aus dem Ortsteil Weilerhaus. Hier wurde ein Dach von der Böe erfasst und landete im Garten eines Nachbarn. 100 Meter weit entfernt.

Wie andere Ausflügler wurden auch vier deutsche Jugendliche am Sonntagabend von der rasant auftauchenden Gewitterzelle überrascht. Ihr Badeausflug ans Loferufer bei Kössen endete mit einem Feuerwehreinsatz. Das Quartett wurde von den schnell ansteigenden Wassermassen eingeschlossen. Schließlich barg die Feuerwehr die Jugendlichen aus ihrer misslichen Lage.

In größere Turbulenzen gerieten auch zwei Flieger der Hagelabwehr Rosenheim. Im Großraum Kufstein trafen die Piloten der beiden Maschinen nach Auskunft des Landratsamtes Rosenheim auf „eine Gewitterlinie der stärksten meteorologischen Einstufung“. 45 Minuten waren die Flieger über Kufstein und dem Walchsee im Einsatz. Eine extrem schwierige und gefährliche Aufgabe bot sich den Piloten nach eigenen Angaben mit der gelblich grün schimmernden Gewitterwand, die südlich an Kufstein und dem Kaisergebirge vorbeizog. Gegen 17 Uhr kehrten die Piloten wieder sicher zum Heimatflughafen in Bayern zurück. Nach eigenen Angaben war der Einsatz durchaus erfolgreich. Nur in Kirchbichl gab es demnach kleinkörnigen Hagel.

Eine Entspannung der Wetterlage und ein Ende der Hitzewelle ist laut Susi Lentner von der ZAMG ab Freitag in Sicht. „Hinter der Kaltfront ist mit ’normalen’ Temperaturen um 22, 23 Grad zu rechnen.“

Bis dahin bleibt es aber drückend heiß. Während in Ostösterreich erneut bis zu 40 Grad möglich sind, gehen die Prognosen für Tirol von 35 bis 37 Grad aus.

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