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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 06.08.2013

Film und TV

Doppelagenten jagen einen Oligarchen

Èric Rochants romantischer Agententhriller „Die Möbius-Affäre“ mit Cécile de France und Jean Dujardin startet kommende Woche.

Als „The Artist“ gewann Jean Dujardin den Oscar. In „Die Möbius-Affäre“ ist er ein russischer Agent mit Identitätsproblemen.Foto: Filmladen

© Filmladen Als „The Artist“ gewann Jean Dujardin den Oscar. In „Die Möbius-Affäre“ ist er ein russischer Agent mit Identitätsproblemen.Foto: Filmladen

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Von Peter Angerer

Innsbruck – Es gab einmal eine Zeit, in der das französische Kino der Begeisterung für alles Amerikanische freien Lauf ließ und mit einer Agentenfilmserie krönte. Der Amerikaner Eddie Constantine wurde als Lemmy Caution in den 50er Jahren zum französischsten aller Stars. Seine Lemmy-Caution-Filme wurden so schnell gedreht, dass am Ende nur noch Parodien ins Kino kamen. 1965 gewann Jean-Luc Godard mit „Alphaville“, seinem futuristischen Abgesang auf die Figur, den Goldenen Bären in Berlin, doch das Publikum hatte sich in der Ära des Kalten Krieges mit James Bond einem neuen Verführer zugewandt.

Erst 2006 wagte sich der Regisseur Michel Hazanavicius mit einer kleinen Kinoserie um den von Jean Dujardin gespielten Agenten „OSS 117“ an eine Persiflage über die Bemühungen französischer Kino-Staatsschützer. 2011 wurden Hazanavicius und Dujardin mit ihrem gemeinsamen Stummfilmprojekt „The Artist“ weltberühmt. Nach der Rolle des Stummfilmstars ist ein russischer Spion in Èric Rochants „Die Möbius-Affäre“ für Dujardin geradezu eine leichte Übung.

Ein Panoramaschwenk über Monaco ist immer ein Gewinn und eine Verführung, da hinter der traumhaften Kulisse der ausgestellte Reichtum mit allen moralischen Fragezeichen eine Bedeutung erhält. Dieser Verführung scheint Gregory Lioubov (Dujardin) nach dem Genuss einer Flasche feinsten Cognacs zu erliegen. Sandra (Émilie Dequenne) hat den Überläufer fast sicher an der Angel, als der derangierte Russe das Unternehmen abbricht, denn die Probe eines Anwerbungsgespräches gilt einem anderen Zielobjekt. Die Brokerin Alice (Cécile de France), die wegen der Lehman-Brothers-Pleite ihre Freiheit nur auf Bewährung genießen darf, verwaltet in Monaco die Milliarden des Oligarchen Ivan Rostovski (Tim Roth), der mit einem Helikopter zwischen Villa und Yacht pendelt. Für den russischen Geheimdienst FSB soll sie ein kriminelles Geldwäschekonzept entwickeln, das den in Ungnade gefallenen Oligarchen als Gangster entlarvt. Lioubov nähert sich der Finanzexpertin im Club Apocalypse als Moïse und bringt sie anschließend auf erotischen Höhenflügen zum Stammeln. Diese Liebesgeschichte wird von allen Geheimdiensten mit Interesse verfolgt, da sich mit dem ominösen Moïse ein weiterer Mitspieler in die Intrige drängt. Lioubov muss sich selbst verfolgen und Alice beschützen, ohne zu ahnen, dass Alice längst auf der CIA-Gehaltsliste steht.

Das Drehbuch folgt der geometrischen Figur der Möbius-Schleife, bei dem ein Band um 180 Grad verdreht kein Unten und Oben mehr erkennen lässt. Èric Rochant inszeniert „Die Möbius-Affäre“ dann auch als romantische Denksportaufgabe, die sich mehr auf die Verstellungskunst und die Rätsel des Sicherkennens der Figuren denn auf die aktuelle Finanzkriminalität konzentriert. Wie John le Carré („Dame, König, As, Spion“), der Erfinder des modernen Spionagethrillers, erzählt Rochant von den emotionalen Verletzungen, die vor allem Cécile de France als Alice sichtbar macht.

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