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Neuseeland

Verkehrschaos nach starkem Erdbeben in Neuseeland

Ein starkes Erdbeben und viele Nachbeben versetzen die Neuseeländer in Schrecken. Aus Wellington wollen alle nur weg, Verkehrschaos ist die Folge. Opfer werden nicht gemeldet, aber Schäden.

Nach dem Erdbeben taten auf Straßen Risse auf.

© X01468 Nach dem Erdbeben taten auf Straßen Risse auf.

Wellington - Ein starkes Erdbeben hat am Freitag in Neuseelands Hauptstadt Wellington Angst und Schrecken verbreitet. Nach ersten Angaben kam aber niemand zu Schaden. „Wir haben Berichte über kleinere Schäden, aber keine großen Gebäudeschäden“, berichtete der Katastrophenschutz in der Hauptstadt. Das Beben hatte eine Stärke von 6,6, und das Epizentrum lag unweit von Seddon auf der Südinsel, 75 Kilometer südwestlich von Wellington. Vor zweieinhalb Jahren hatte ein Beben der Stärke 6,3 weite Teile der Innenstadt von Christchurch auf der Südinsel zerstört. Dort kamen 185 Menschen ums Leben.

Aus Seddon wurden Schäden gemeldet, doch konnte die Polizei zunächst keine näheren Angaben machen. In dem Örtchen leben nur ein paar hundert Menschen. Das Beben passierte um 14.31 Uhr Ortszeit. Es war bis nach Auckland 780 Kilometer weiter nördlich zu spüren, wie Anwohner berichteten. Bürohäuser in Wellington wurden geräumt, Tausende Büroangestellte strömten auf die Straßen. Viele versuchten, so schnell wie möglich aus der Stadt zu kommen. Ein Verkehrschaos war die Folge. Der Bahnverkehr wurde zudem aus Sorge vor Schäden an den Schienen eingestellt.

In Teilen Wellingtons fiel zeitweise der Strom und das Telefonnetz aus. Am Flughafen wurde eine Landebahn vorübergehend geschlossen, um nach Schäden zu sehen. An einer Schnellstraße im Norden der Südinsel krachten Gesteinsbrocken herab, berichtete Radio Neuseeland. Die Straße wurde streckenweise gesperrt. Eine Mitarbeiterin von Radio Neuseeland, die in Wellington im Auto unterwegs war, dachte zunächst, ihr Reifen sei geplatzt, als die Erde zu beben begann. „Dann sah ich, dass die Menschen auf die Straßen rannten, und einige hielten sich an Ampeln fest“, berichtete Vicky McKay. Viele der fast 400 000 Einwohner Wellingtons spürten teils heftige Nachbeben.

Der Bebenherd lag nach Schätzungen nur acht Kilometer unter der Erdoberfläche. Das kann potenziell schwere Schäden verursachen. Allerdings ist die Region um das Epizentrum nur dünn besiedelt. „Es gibt keinen Grund für besondere Sorge vor einem größeren Beben“, sagte Seismologe Kelvin Berryman im Rundfunk.

Im Februar 2011 lag der Herd des schweren Bebens in Christchurch auch nur wenige Kilometer unter der Erdoberfläche. Damals wurden in der Innenstadt die Kathedrale sowie Hunderte Gebäude teils schwer beschädigt. Der Wiederaufbau ist im Gange. Erst diese Woche war in der Stadt eine aus Pappe gebaute Übergangskathedrale eingeweiht worden. Christchurch war damals die zweitgrößte Stadt Neuseelands nach Auckland. Nach dem Beben zogen viele Menschen fort. Jetzt ist Wellington die zweitgrößte Stadt. (dpa)