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Ägypten: Live-Ticker

„Freitag der Wut“: Ägypten versinkt in Gewalt, dutzende Tote

Wieder erschüttert eine Gewaltwelle mit vielen Toten Ägypten. Das Land schlittert immer tiefer in die Krise. Die Muslimbrüder wollen die Proteste fortsetzen.

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Kairo – Der von Islamisten ausgerufene „Freitag der Wut“ hat in Ägypten eine neue Eskalation der Gewalt heraufbeschworen. Mindestens 80 Menschen starben nach Angaben aus Sicherheitskreisen bei landesweiten Straßenkämpfen zwischen Demonstranten und der Polizei. Etwa 300 weitere wurden verletzt. Ungeachtet der neuen Zusammenstöße wollen die Muslimbrüder ihre Protestaktionen in den nächsten Tagen fortsetzen. Erklärtes Ziel der Bruderschaft ist die Wiedereinsetzung des Anfang Juli vom Militär entmachteten islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi.

Der Westen zeigt sich schockiert vom blutig ausgetragenen Konflikt zwischen den entmachteten Islamisten und den neuen Machthabern. Zu den Protesten nach den Freitagsgebeten hatten die islamistische Muslimbruderschaft und verschiedene radikale Islamisten-Parteien aufgerufen. Zehntausende Anhänger des gestürzten Präsidenten Mursi, der aus der Muslimbruderschaft stammt, gingen auf die Straße und schrien ihre Wut über das Blutvergießen in ihren Protestlagern heraus.

Bislang etwa 600 Todesopfer

Der seit Wochen schwelende Machtkampf zwischen Islamisten und Mursi-Gegnern war am Mittwoch eskaliert, als Sicherheitskräfte zwei zentrale Camps der Muslimbrüder in Kairo gewaltsam geräumt hatten. Das Vorgehen der Polizei und anschließende Angriffe von Islamisten forderten bislang etwa 600 Todesopfer. Die Islamisten pochen auf die Wiedereinsetzung Mursis, der seit seiner Absetzung durch die Armee am 3. Juli an einem geheimen Ort festgehalten wird.

Die meisten Opfer gab es am Freitag am Rande der zentralen Kundgebung am Ramses-Platz in der Innenstadt von Kairo. Dort hatten sich etwa 20.000 Islamisten und deren Anhänger versammelt. Der Muslimbruderschaft zufolge erschoss die Polizei hier 45 Demonstranten. Beamte des Innenministeriums erklärten hingegen, Dutzende Demonstranten hätten die nahe gelegene Ezbekija-Polizeistation attackiert. Daraufhin sei ein Feuergefecht entbrannt, bei dem mehrere unbeteiligte Zivilisten getötet worden seien.

Am Abend nahm die Polizei nach eigenen Angaben Extremisten fest, die in ihren Autos Waffen zum Ramses-Platz bringen wollten. Experten befürchten, dass die Lage weiter eskalieren könnte. Denn die Polizei hat Order, mit scharfer Munition auf Plünderer und Saboteure zu schießen. In mehreren Landesteilen gilt der Notstand. Auch die Verhaftungswelle von hochrangigen Mitgliedern der Muslimbruderschaft geht weiter. Dem Nachrichtenportal youm7 zufolge wurden vor Beginn der Proteste am Freitag vier führende Muslimbrüder festgesetzt.

Angriffe auf Kirchen

Bei den Ausschreitungen sind nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz auch mehr als 40 Kirchen und christliche Einrichtungen zerstört worden. „Ich bin entsetzt über die zunehmenden Angriffe gegen Christen (...)“, sagte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, laut einer in Bonn verbreiteten Mitteilung. Er verurteilte die blutigen Zusammenstöße scharf: „Hass und Gewalt weisen keinen Weg aus der politischen Krise und töten jede Hoffnung auf eine friedliche Lösung der Auseinandersetzungen zwischen der Staatsmacht und den Muslimbrüdern.“ Schuldzuweisungen - auch gegen Christen - trügen „weder zur Versöhnung noch zu dem dringend notwendigen Vertrauen in Ägypten bei“. (dpa)

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