Archiv

Letztes Update am APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe

Gesellschaft

„I have a dream“: USA erinnern an „Marsch auf Washington“

Vor 50 Jahren marschierten Hunderttausende in Washington für die Gleichberechtigung der Schwarzen. Martin Luther King hielt eine historische Rede. Zum Jahrestag gehen wieder Tausende auf die Straße. Es geht um mehr als die Geschichte.

50 Jahre nach dem „Marsch auf Washington“ für die Gleichberechtigung der Schwarzen versammelten sich in der US-Hauptstadt Tausende Amerikaner, um an das historische Ereignis zu erinnern.

© X00157 50 Jahre nach dem „Marsch auf Washington“ für die Gleichberechtigung der Schwarzen versammelten sich in der US-Hauptstadt Tausende Amerikaner, um an das historische Ereignis zu erinnern.

drucken

Washington – Zehntausende Menschen haben am Samstag in Washington der berühmten Rede „I Have a Dream“ des Bürgerrechtlers Martin Luther King vor 50 Jahren gedacht. Dessen Sohn Martin Luther King III. forderte in einer Ansprache am Fuße des Lincoln Memorial weitere Anstrengungen zur Überwindung von Rassismus und Ungleichheit in den USA. Die eigentliche Zeremonie findet kommenden Mittwoch statt, dem Jahrestag der Rede vom 28. August 1963.

Für „nostalgisches Gedenken“ sei heute nicht der richtige Zeitpunkt, sagte Martin Luther King III. „Die Arbeit ist nicht erledigt. Die Reise ist nicht beendet. Wir können und müssen mehr tun.“ Kings Sohn hielt seine Ansprache auf derselben Stufe am Lincoln Memorial, auf der auch sein Vater vor 50 Jahren stand. Am Mittwoch will US-Präsident Barack Obama eine Rede am selben Ort halten.

„Ihr Marsch ist jetzt unser Marsch“

„Vor 50 Jahren stand mein Vater an diesem geheiligten Ort und Gottes Geist sprach durch ihn“, sagte Martin Luther King III. In Anspielung auf den von King angeführten „Marsch auf Washington für Jobs und Freiheit“ sagte Justizminister Eric Holder: „Ihr Marsch ist jetzt unser Marsch, und er muss weitergehen.“

Bei der Kundgebung vom Samstag erinnerten viele der zumeist schwarzen Teilnehmer an den schwarzen Jugendlichen Trayvon Martin. Der Nachbarschaftswächter George Zimmerman hatte den 17-jährigen Martin im Februar 2012 im US-Bundesstaat Florida erschossen, obwohl der Jugendliche unbewaffnet war. Zimmermans Freispruch Mitte Juli löste landesweit Proteste gegen die Diskriminierung von Afroamerikanern aus.

Für Besorgnis unter Bürgerrechtlern sorgte jüngst auch, dass der Oberste Gerichtshof der USA Ende Juni ein historisches Bürgerrechtsgesetz zum Schutz der Wahlbeteiligung von Minderheiten teilweise kippte. Der Supreme Court erklärte eine Passage des sogenannten Voting Rights Act von 1965 für verfassungswidrig, die Wahlgesetze in einer Reihe von südlichen US-Bundesstaaten unter Aufsicht der Regierung in Washington stellte. Damit sollte einst sichergestellt werden, dass Afroamerikaner ungehindert ihre Stimmen abgeben können.

250.000 Menschen versammelten sich damals zur Kundgebung

Die Rede des Pastors und Bürgerrechtlers King war 1963 der Abschluss des „Marschs auf Washington für Jobs und Freiheit“. Zu der Kundgebung am Denkmal für Präsident Abraham Lincoln, der einst die Sklaverei abschaffte, versammelten sich damals 250.000 Menschen. Mit den Worten „I Have a Dream“ (Ich habe einen Traum) äußerte King seine Hoffnung auf ein Ende der Rassentrennung und auf ein friedliches Zusammenleben von Menschen aller Hautfarben. Die Ansprache wurde damals live im Fernsehen übertragen.

Präsident Lyndon B. Johnson, der Nachfolger des ermordeten John F. Kennedy, unterzeichnete 1964 und 1965 Bürgerrechtsgesetze, in denen das Recht der Schwarzen auf Gleichbehandlung festgeschrieben wurde. King wurde 1964 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, vier Jahre später aber von einem rechten Attentäter erschossen. In Washington wird der Jahrestag von Kings Rede vom 21. bis zum 28. August mit Gottesdiensten, einem „Festival der Freiheit“ und Konferenzen gefeiert. Außerdem gibt es einen Marsch, der der Route von damals folgt. (APA/AFP)

drucken