Der 17. Karmapa - Drittheiligster Mann im tibetischen Buddhismus

Dharamsala (APA) - Er ist die große Hoffnung der Tibeter und wird als einer der Nachfolger des 14. Dalai Lama gehandelt. Dabei ist Ogyen Trinley Dorjee, besser bekannt als Seine Heiligkeit der 17. Gyalwang Karmapa Lama, erst 27 Jahre jung. Bereits jetzt ist er das spirituelle Oberhaupt der Karma Kagyu-Richtung und nach dem Dalai Lama und dem Pantschen Lama der drittheiligste Würdenträger des tibetischen Buddhismus.

Seine dramatische Flucht von Tibet im Jahr 1999 machte den 17. Karmapa zu einem Helden für die im Exil lebenden Tibeter. Nachdem der damals 14-Jährige auch die chinesische Regierung überlisten konnte, wurde ihm auch internationale Aufmerksamkeit zuteil. Offiziell gab er nämlich an, sich in die Abgeschiedenheit zurückziehen zu wollen, eigentlich entfloh er aber mit einer Handvoll Helfern in die indische Stadt Dharamsala. Die Tibeter sahen in dem jungen Mann sofort einen jungen und charismatischen Führer, der imstande ist, Spiritualität mit Modernität zu verbinden.

Der energetische Karmapa ist die junge Stimme Tibets und für viele ist er auch das künftige Gesicht des globalen Buddhismus, vor allem im Falle eines Ablebens des 14. Dalai Lamas, Tenzin Gyatso. Die Tibeter setzen angesichts des seit Jahrzehnten ungelösten Konflikts um Tibet große Hoffnungen in den Karmapa und hoffen auf einen Durchbruch bei den Gesprächen mit China, die seit Jänner 2010 auf Eis liegen.

Weil er die erste Reinkarnation eines hohen Lamas ist, der offiziell von Peking anerkannt wird, ist das Misstrauen der indischen Regierung gegenüber dem Karmapa groß. Konstant wird er von indischen Sicherheitsbeamten bewacht und muss um Erlaubnis ansuchen, wenn er seinen Sitz, das Tantrische Kloster in Dharamsala, verlassen will. Weder der Besuch anderer Klöster in Indien noch eine Reise in westliche Staaten, wo Ogyen Trinley Dorjee viele Anhänger hat, wird seitens Neu Delhi gestattet.

Ogyen Trinley Dorjee war 1992 im Alter von sieben Jahren mit Billigung der kommunistischen Führung Chinas als Wiedergeburt des 16. Karmapa eingesetzt und auch vom Dalai Lama anerkannt worden. Er wird jedoch nicht von allen Kagyu-Führern anerkannt, deshalb gibt es mit Thaye Dorjee einen zweiten Karmapa. Der 16. Karmapa war 1959 mit dem Dalai Lama nach Indien geflohen und 1981 gestorben.

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom So, 23.09.2012  05:01
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Erstellt am:
So, 23.09.2012  05:01
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