„Schon unfassbar, irgendwie irreal“
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Mädchenschwarm und Ausnahmeathlet – Marcel Hirscher steht dieser Tage hoch im Kurs.
Foto: gepa/walgram
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Sie haben am Dienstag mit Ihrem Komplettausrüster Atomic einen Vierjahresvertrag unterschrieben. Heißt dies auch, dass Servicemann-Ikone Edi Unterberger (betreute u.a. Hermann Maier) bis 2016 an Bord bleibt?
Marcel Hirscher: Das ist zumindest meine große Hoffnung. Natürlich haben wir darüber gesprochen, aber der Edi ist schon so lange im Weltcup dabei, dass man diesbezüglich einfach abwarten muss. Vier Jahre sind doch eine verdammt lange Zeit.
Es ist kein Geheimnis, dass Sie und Ihr Vater extrem detailverliebt sind. Wie schwer hat es der Edi mit Ihnen?
Hirscher: Es gibt wohl nicht viele, die sich diese Strapazen aufhalsen würden. Es gibt eigentlich keinen Tag, an dem wir nicht auf der Suche nach der perfekten Abstimmung herumtüfteln. Dass ein Servicemann mit einem Athleten so viel Arbeit hat, das gibt es sicher nicht oft.
Welche Rolle hat Geld bei dieser langfristigen Vertragsverlängerung gespielt?
Hirscher: Sagen wir so: Ich habe erst gar keine Gegenangebote eingeholt. Atomic wollte, ich wollte - und wie es bei funktionierenden Partnerschaften zumeist der Fall ist, haben wir uns auch beim Finanziellen relativ rasch geeinigt.
Was machen Sie heute um elf Uhr?
Hirscher: Wahrscheinlich werde ich noch auf der Reiteralm trainieren.
Und sich demnach den Ausgang des zeitgleich stattfindend en Super-G in Kvitfjell erzählen lassen?
Hirscher: Wenn es sich irgendwie ausgeht, hoffe ich schon, dass ich die Entscheidung im TV mitverfolgen kann.
Mit welchem Gefühl werden Sie dann vor dem Fernseher Platz nehmen?
Hirscher: Mit einem gespannten.
Und wohl in der Hoffnung, dass Ihr Mitstreiter um den Gesamtweltcup, der Schweizer Beat Feuz, nicht die ganz großen Punkte macht.
Hirscher: Auch wenn es abgedroschen klingt: Der Beste soll gewinnen. Und wenn es der Beat ist, dann hat er es sich auch verdient. Denn zum Siegen gehört verdammt viel dazu. Ich kann nur auf mich schauen und versuchen, im Finish noch möglichst viel zu punkten. Mir ist wichtig, dass ich am Ende der Saison sagen kann, dass ich alles gegeben, alles probiert habe.
Nebenbei feiern Sie heute Ihren 23. Geburtstag. Bleibt überhaupt Zeit zum Feiern?
Hirscher: Na ja, erst heißt es früh aufstehen, gut trainieren, und dann werde ich sicher mit Laura (Freundin, Anm.), meiner Familie und Freunden gemütlich essen gehen. Das war‘s dann aber auch schon.
Inwieweit spüren Sie, dass sich die Saison dem Ende zuneigt?
Hirscher: Wenn ich so beim Fenster rausschaue, sehe ich in unserem Garten das erste Fleckerl Rasen durchschimmern. Schon schön.
Und sonst? Sie haben zuletzt bei Interviews immer wieder von einer gewissen Müdigkeit gesprochen.
Hirscher: Da bin ich auch falsch interpretiert worden. Wenn ich nach einem Rennwochenende von einer Müdigkeit gesprochen habe, hat es in so manchen Medien gleich geheißen, der Hirscher hat keine Kraft mehr, er ist fertig. In Wahrheit ist das Gegenteil der Fall. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich einmal zu diesem Zeitpunkt so viel Energie und Saft gehabt habe.
Auch im mentalen Bereich? Schließlich sind Sie allerorts gefragt und werden dementsprechend herumgereicht.
Hirscher: Kein Problem, vom Kopf her könnte es nicht besser gehen. Und der Rummel, den das gesteigerte Interesse an meiner Person mitbringt, gehört einfach dazu. Auch diesbezüglich habe ich viel dazugelernt.
Wenn Sie nicht ausgefallen sind bzw. gerade eingefädelt haben, führte in Slalom und Riesentorlauf im Jänner und Februar kein Weg an Ihnen vorbei. Wissen Sie eigentlich, wie oft Sie in Serie gewonnen haben?
Hirscher (denkt nach): Nein, ich weiß nur, dass ich acht Saisonsiege habe und der fünfte Platz in Moskau das schlechteste Ergebnis war.
Von Alta Badia bis Bansko haben Sie - wenn Sie durchgekommen sind - sieben Mal in Serie triumphiert.
Hirscher: Mmmh. Das war mir jetzt so gar nicht bewusst, auch weil für mich noch nicht die Zeit ist, zurückzublicken. Aber wenn ich das so höre, ist das schon unfassbar, irgendwie irreal. Das ist auch der Grund, warum ich mir im Nachhinein gerne Rennen ansehe, um zu sehen, was mir da wirklich gelungen ist.
Wie nach dem Slalom-Triumph in Schladming, als Sie sich Ihre Läufe selbst nach einem nächtlichen Diskothek-Besuch noch vor dem Schlafengehen mehrmals angesehen haben?
Hirscher (lacht): In diesem Fall wollte ich auch tausendprozentig sicher gehen, dass ich nicht eingefädelt habe, nicht dass es erneut ein böses Erwachen gibt.
Die so genannte Einfädel-Affäre hat sich inzwischen in Luft aufgelöst?
Hirscher: Ich denke schon, es hätte für mich auch keinen Sinn gemacht, da weiter nachzubohren. Es war jedenfalls eine sehr lehrreiche Zeit und ich bin froh, wenn ich darüber nicht mehr nachdenken muss.
Als bei Benjamin Raich in diesem Winter mit wenigen Ausnahmen die ganz großen Erfolge ausgeblieben sind und so mancher von einem Auslaufmodell gesprochen hat, haben Sie sich vor Ihren Teamkollegen gestellt. Ein Herzensanliegen?
Hirscher: Ja, schon. Ich finde es eine Frechheit, wenn sich irgendwelche Leute bemüßigt fühlen, ihren Senf abzugeben. Ganz allgemein: Es gibt wohl keinen Läufer, der nicht sein Bestmögliches gibt und Erfolg haben will. Und wenn es dann um einen wie den Benni geht, der unglaublich viel erreicht und für den Skisport getan hat, sind solche Wortmeldungen absolut überflüssig. Wie auch beim Schöni (Rainer Schönfelder, Anm.): Ein Platzsprecher hat in diesem Winter sinnbildlich gemeint, dass er hoffe, dass der Schönfelder hier zum letzten Mal gefahren ist. Eine bodenlose Gemeinheit, da fehlen mir die Worte.
Unabhängig vom Ausgang des Weltcupfinales in zwei Wochen in Schladming - auf was freuen Sie sich am meisten?
Hirscher: Natürlich auf die Zeit mit der Laura und mit meinen Freunden. Sportlich gesehen, auf das Schmelzwasser, dass ich möglichst schnell zum Kajakfahren kann und natürlich auf meine Motocrossmaschine.
Auch schon ein Urlaubsziel ins Auge gefasst?
Hirscher: Nein, auch weil im März und April aufgrund der beschlossenen Materialänderungen noch reichlich Ski-Tests anstehen. Da heißt es für alle gewissermaßen zurück an den Start.
Das Gespräch führte Max Ischia.
aktualisiert: Do, 01.03.2012 21:57



