Wenn der Mann auf dem Mond zum Wunsch-Opa wird
Sparkling Science
Beinahe 100 Projekte haben an dem von Ex-Minister Johannes Hahn ins Leben gerufenen Nachwuchsförderungsprogramm „Sparkling Science“ vor eineinhalb Jahren teilgenommen. Die Innsbrucker Schüler haben mit ihrem Projekt „Computer Simulations und Simulation Experiments“ dabei von Beginn an herausgestochen.
Philipp Lichtenberger, einer der Projektteilnehmer, schrieb 2008 Schlagzeilen, weil er mit 15 den EMS-Test für das Medizinstudium bestand.
Edwin Aldrin, der bei der Apollo-11-Mission 1969 als zweiter Mensch nach Neil Armstrong den Mond betrat, besuchte Wien auf Einladung des Wiener Kongresses com.sult 2010. Dort wurde er gestern am Abend mit dem Lifetime Achievement Award „Golden Arrow“ ausgezeichnet.
Von Gabriele Starck
Wien – Wer glaubt, Jugendliche sind von Leistungen nicht beeindruckt, die über 40 Jahre zurückliegen, irrt. Als Astronautenlegende Buzz Aldrin gestern Nachmittag den Raum im Haus der Industrie in Wien betritt, herrscht ehrfürchtiges Schweigen. Den sechs Innsbrucker Schülern – sonst keineswegs auf den Mund gefallen – verschlägt es kurzerhand die Sprache. „Wenn man weiß, was dieser Mensch gemacht hat, hat man doch Respekt“, räumt Daniel Stengg dann auch ein. Doch es ist nicht allein die Tatsache, dass Aldrin 1969 als zweiter Mensch den Mond betrat. „Er ist einfach ein cooler Typ, total sympathisch, charismatisch und humorvoll“, schwärmt Gabriel Bene nach dem 20-minütigen Treffen mit dem Astronauten.
Dabei haben die sechs Tiroler eigentlich allen Grund, auf ihre eigenen Leistungen stolz zu sein. Nicht umsonst hat das Wissenschaftsministerium für sie das exklusive Treffen mit Aldrin initiiert. Im Rahmen von Sparkling Science (siehe rechts) haben die – damals noch 15-jährigen – Schüler von sich reden gemacht: in einem Computersimulations-Projekt des Innsbrucker Chemikers Bernd-Michael Rode, das zunächst als zu anspruchsvoll und schwierig für diese Altersstufe abgelehnt worden war. Weit gefehlt: Die Schüler des Akademischen Gymnasiums und der HTL Anichstraße scheinen inzwischen als Mitautoren in wissenschaftlichen Publikationen auf, vier von ihnen sind – obwohl sie kurz vor der Matura stehen – bereits geringfügig als wissenschaftliche Mitarbeiter an der Uni beschäftigt. „Sie sind so wertvoll wie ein guter Diplomand“, schwärmt Univ.-Prof. Rode von seinen Schützlingen.
Und doch: Als der 80-jährige Aldrin ihnen von seiner jüngsten Expedition in die Antarktis oder von seinem U-Boot-Ausflug zur Titanic erzählt, hören die Schüler einfach nur fasziniert zu. Die Fragen, die ihnen zuvor noch auf der Zunge gebrannt haben, wollen nicht über die Lippen kommen. „Der hört auch mit 80 noch nicht auf und macht weiter, was er will“, staunt Daniel.
Aldrin hat aber auch einen guten Ratschlag für die Nachwuchswissenschafter parat: Sie mögen sich in Acht nehmen und auch in der Forschung alles gut hinterfragen, meint er und erinnert an Wissenschafter, die vor 1969 davor warnten, dass die Astronauten metertief im Mondstaub versinken würden, sobald sie ihren Fuß auf den Erdtrabanten setzen.
Der Ausflug nach Wien hat sich rentiert. Da ist sich das Tiroler Sextett einig, auch wenn die Zeit, die ihnen mit Buzz Aldrin gewährt wurde, im Nachhinein viel zu kurz erscheint. „Wir hätten gerne länger mit ihm gesprochen – doch eigentlich wäre es immer zu wenig lang gewesen“, sagt Stengg und Gabriel Bene meint: „Ich hätte Aldrin gern als dritten Opa.“





