„Raubzug auf Geld der Arbeitnehmer“
Innsbruck – Vorzeitig begüngstigt zurückzuzahlende Wohnbauförderung – mit dieser Forderung löste AK-Chef Erwin Zangerl eine Welle von rund 900 Unterstützern auf seiner Homepage, unzählige Anrufe und 75 Mails aus. „Wir haben es satt; wir sind nicht dumm; die verknöcherten Strukturen der Wohnbauförderung gehören aufgebrochen“, in den Zuschriften wird oft kein gutes Wort über das Land verloren.
Dass LH Günther Platter selbst zum Thema Wohnbauförderung kein Wort gesagt und LHStv. Hannes Gschwentner sich klar gegen die Forderung positioniert hat, lässt Zangerl sein Projekt aber nicht zu Grabe tragen. Im Gegenteil: „Die Rückmeldungen aus der Bevölkerung haben uns klar und deutlich die Richtung vorgegeben. Der Wohnbaubereich ist ein Problem. Bei uns kostet ein Quadratmeter Teppichboden mehr als in anderen Bundesländern ein Quadratmeter Baugrund.“ Er sieht es als bedauerlich an, dass der Landeshauptmann wohl dazu keine Meinung habe.
Für Zangerl braucht es eine „komplette Reform der Wohnbauförderung“. Und dazu gehören einerseits die begünstigte Rückzahlung, andererseits die Offenlegung der derzeitigen Wohnbaugelder und eine Reform der gemeinnützigen Wohnbauträger. Derzeit gebe es nämlich für ihn keinen richtigen sozialen Wohnbau. Das Grundproblem ortet er klar in der fehlenden Zweckwidmung der Wohnbaugelder. „Das ist der gleiche Standard wie bei den Agrargemeinschaften. Das ist ein Raubzug auf die Gelder der Arbeitnehmer, der hier passiert“, ortet Zangerl langfristig ein Problem bei einer Zweckentfremdung der Gelder.
Für ihn ist es „ungeheuerlich“, dass Gschwentner zudem von einem Geschenk über Steuergelder spricht, wenn er gegen die vorzeitig begünstigte Rückzahlung argumentiert. „Das ist nicht sein Geld, das ist das Geld der Arbeitnehmer. Es ist unglaublich, dass er davon spricht, dass die Reichen profitieren. Die Betroffenen sind stinksauer. Das sind nämlich stinknormale Leute“, schimpft der AK-Chef weiter. Wenn jemand nämlich Reiche bevorzuge, so sei es Gschwentner selbst, verweist er etwa auf die Sanierungsförderung, die ohne Einkommensgrenze vergeben wurde.
Am Ende nimmt Zangerl sogar den Landeshauptmann in die Pflicht: „Es erscheint so, als würde der Solist dem Dirigenten sagen, was er zu tun hat. Die Landesregierung muss endlich in die Gänge kommen, sonst verstärkt sich die Meinung, dass die Tiroler die Blöden in Österreich sind.“ Man könne nicht so weitermachen wie bisher. (mir)





