14.04.2011
Osttirol

„Ich bin so sanft gelandet, wie auf Samt gepolstert“

Robert Hoppaus kann am 12. April seinen zweiten Geburtstag feiern, er stürzte 30 Meter in eine Gletscherspalte und überlebte beinahe unverletzt.

Von Sabine Kuess

Lienz, Prägraten – Robert Hoppaus (42) lächelt freundlich, sobald jemand sein Zimmer im BKH Lienz betritt. Der Wiener ist überglücklich, denn er hatte Dienstagvormittag ein „Schweineglück“, wie er es formuliert. Hoppaus machte Urlaub auf der Essener-Rostocker-Hütte mit einem Bekannten. Am Dienstag verunglückte er bei einer Tour und stürzte 30 Meter tief in eine Gletscherspalte. Er brach sich dabei lediglich zwei Rippen und das Schulterblatt (die TT berichtete).

„Wir waren Richtung Reggentörl unterwegs, entschieden uns aber umzudrehen, weil das Wetter nicht so gut war“, erzählt Hoppaus. Doch dann kam den Männern die Idee, noch in Richtung Simonykees zu gehen. „Mein Freund wollte zum Gletscher hingehen, nach einiger Zeit war mir kalt und ich wollte schauen, wo er ist“, berichtet Hoppaus im Gespräch mit der TT. Normalerweise ist er auf einem Gletscher nicht ohne Seil unterwegs, Hoppaus beschreibt sich selbst als erfahrenen Bergsteiger.

Doch diesmal war Hoppaus ohne Seil unterwegs und dies wurde ihm beinahe zum Verhängnis. „Mein Kollege ist mir gerade entgegengekommen, plötzlich war ich weg. Es hat ein bisschen gestaubt“, erinnert er sich zurück. Dann weiß er kurzzeitig nicht mehr, was passiert ist. Als er die Situation wieder bewusst wahrnahm, stand er plötzlich in der Gletscherspalte mit dem rechten Fuß auf einem stiegenähnlichen Eisvorsprung.

„Ich bin so sanft gelandet, als ob nichts gewesen wäre. Beide Ski sind unter mir gebaumelt auf den Fangriemen, darunter war nur Leere“, schildert der Persönlichkeitstrainer. Er zweifelte aber keine Sekunde daran, dass er gerettet werde. „Ich hab dann ‚Michi‘ gerufen. Und mein Freund war richtig glücklich, etwas von mir zu hören.“ Noch mit letzter Kraft zog sich der Vater eines fünfjährigen Sohnes selbst weiter nach oben, wo er besseren Halt fand. Der Kollege alarmierte die Bergretter. „Der Friedl (Anm.: Steiner, Bergretter) ist dann zu mir hinunter gekommen und hat gemeint, dass wir das schon schaffen. Die Retter waren unglaublich. Ich bin dankbar und begeistert, was das für tolle Leute sind“, schwärmt Hoppaus, der verspricht, wieder nach Osttirol zu kommen um sich persönlich zu bedanken. Die Arbeit der fünf Bergretter und zwei Hubschrauberteams beschreibt Hoppaus mit drei Worten: Geschwindigkeit, Kompetenz und Herzlichkeit. Am Freitag darf der Wiener das BKH Lienz verlassen, die nächste Tour dürfte er aber bereits planen, denn: „Meine Ski hab ich ins Nirvana geschickt, bevor sie mich hochzogen. Aber die waren schon alt, ich möchte sowieso neue kaufen.“ Alpinpolizist Franz Franzeskon appellierte nach dem Unfall am Dienstag noch einmal: „Die Verhältnisse werden oft unterschätzt. Eine Gletscherbegehung ohne Seil ist einfach nicht drin.“

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Do, 14.04.2011
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