Schulsozialarbeit wurde in Imst zur messbaren Größe
Von Alexander Paschinger
Imst – Schon im ersten Jahr der Schulsozialarbeit in Imst konnte bei zwei Schülern eine Fremdunterbringung durch das Jugendamt verhindert werden. „Allein dadurch waren die Kosten für beide Sozialarbeiter gedeckt“, berichtet der Leiter des Imster Jugendreferates der BH, Erwin Krismer. Seit Herbst 2008 läuft das Pilotprojekt in Imst – „es ist nicht nur in Tirol, sondern europaweit einzigartig“, ist Bezirksschulsinspektor Thomas Eiterer „stolz, dass es in meinem Schulbezirk so hervorragend funktioniert“. Rund 1000 Schüler der drei Neuen Mittelschulen (NMS), der PTS und dem Sonderpädagogischen Zentrums können von diesem Angebot Gebrauch machen: Unter dem Motto „Offen, freiwillig, vertraulich“ können sich Schüler wie Lehrer, Eltern und Erziehungsberechtigte an die mittlerweile drei Mitarbeiter der Schulsozialarbeit wenden.
Neben Beratungen gibt es soziale Gruppenarbeiten und Klasseninterventionen sowie Projekte. Vor allem liegt der neuen Mitarbeiterin Melanie Pirschner dabei die „AG Schulmüdigkeit“ am Herzen: Hier geht es um die Schüler der 4. Klassen, die Gefahr laufen, ihren Abschluss nicht positiv zu absolvieren. Ein großes Problem, wie Karin Hüttemann von der Tiroler Kinderschutz GmbH bestätigt: „Zehn Prozent der Schüler in Österreich schaffen den Abschluss nicht.“
Streit, familiäre Probleme, Schulmüdigkeit, Lern- und Verständnisschwierigkeiten, selbstverletzendes Verhalten, Mobbing aller Art und Aggressionen stehen ganz oben bei den Themen, mit denen sich die Schulsozialarbeit beschäftigt. Allein in diesem Schuljahr wurden an der NMS Oberstadt 141 Beratungen durchgeführt.
„Unsere Lehrer sind für einen guten Unterricht da, sie können keine Wunderwuzzis sein“, bricht Eiterer eine Lanze für „Professionalisten an allen größeren Schulstandorten“. Der Einsatz der Sozialarbeiter sei in Wahrheit „ein Sparpaket – hier kommt jeder Euro drei- bis vierfach zurück, wenn die Kinder ihre Schule bestehen“. Für Krismer kommt neben dem finanziellen Aspekt auch der familiäre Ansatz dazu. „Wir merken die Schulsozialarbeit in der Weiterarbeit bei uns im Amt.“
Apropos Finanzen: Das Pilotprojekt wird von Land, Bund und Schulverband getragen. Nun zeigt auch die EU über den Sozialfonds Interesse an der Schulsozialarbeit.





