„Viele sind kleine Mutter Teresas“
Von Miriam Sulaiman
Innsbruck – Es ist ein wahrer Landesempfang: Politiker aus nah und fern, Sozialpartner, die hohe Geistlichkeit sowie Schützen und Musik fanden sich ein. Fehlen darf am jährlichen Hohen Frauentag niemand, werden doch an diesem Verdienstkreuze, Verdienstmedaillen, Lebensrettermedaillen, aber auch Erbhofurkunden verliehen. Und das an Tiroler und Südtiroler zugleich.
Den Wert der Ehrenamtlichkeit strich LH Günther Platter in seiner Rede hervor. Erst recht, nachdem die EU das Jahr 2011 zum Europäischen Jahr der Freiwilligkeit ausgerufen hat. Jeder zweite Tiroler ist nämlich ehrenamtlich tätig. Die Arbeit habe einen Wert von 1,6 Mrd. €. Zum Vergleich: Tirols Budget macht rund 3 Mrd. € aus. Umso mehr ärgert es Platter, wenn Volksvertreter auf ihren eigenen Vorteil bedacht seien. Kärntens LHStv. Uwe Scheuch sollte deshalb aus dem Urteil Konsequenzen ziehen und nicht die Täter-Opfer-Rolle umkehren: „Es gibt einen bedauerlichen Moralverlust in der Politik.“
Als Vorbilder für alle lobte Platter dafür die Geehrten in den höchsten Tönen. Südtirols LH Luis Durnwalder bezeichnete sie als Knotenpunkte, die das soziale Netzwerk aufrechterhalten und das gesamte Land lebendig erhalten – unabhängig, ob es in der Musikkapelle, im Sportverein oder im sozialen Bereich sei. So legte er auch Wert darauf, dass es den Menschen noch nie so gut gegangen sei wie jetzt. Großen Anteil daran hätten die Ehrenamtlichen. „Diese Menschen lehnen sich nicht zurück, sondern fragen, was sie tun können, um unsere Welt noch schöner zu machen. Sie haben meist am wenigsten, strahlen aber die größte Zufriedenheit aus“, sagte Durnwalder ihnen Danke und sprach von „vielen kleinen Mutter Teresas. Sie scheinen nicht im TV auf, um Werbung für sich zu betreiben.“
Die Leistungen des Chefs der Europäischen Volkspartei strich dafür Platter hervor. Joseph Daul habe sich speziell um die Landwirtschaft verdient gemacht. „Er ist der richtige Partner für uns in Tirol“, sagte Platter.
Bekannte Namen fanden sich unter den Geehrten viele. So etwa jener der langjährigen Landesgerichtspräsidentin Barbara Sparer-Fuchs, die ihrem Amt auch vom Rollstuhl aus nachging. Willi Krüger, bekannt unter dem Namen „Gletscher-Willi“, freute sich über die Anerkennung als „Beutetiroler“, nachdem er geborener Deutscher ist: „Es ist eine Bestätigung für 40 Jahre Arbeit.“ Herlinde Menardi wurde für ihre Verdienste um das Museumswesen und die Tiroler Volkskunst geehrt, der ehemalige Ischgler Bürgermeister Erwin Cimarolli für Verdienste um den Tourismus. Anerkennung wurde auch Lehrlingsausbildnern oder Gewerkschaftern zuteil. Klaus Strassern wurde für seine Unterstützung der Wasserrettung mit einer Verdienstmedaille bedacht. Neben Nord- und Südtirol durfte auch Osttirol nicht zu kurz kommen. So erhielt etwa Karl Kröll für seine Verdienste als Bezirkschronist und um die Kultur in der Gemeinde Anras das Verdienstkreuz.
Gleich sieben Personen dürfen seit gestern eine Lebensrettungsmedaille ihr Eigen nennen, während zwölf Familien ihren Hof nun als Erbhof titulieren dürfen. Dies bedeutet, dass der Hof seit mindestens 200 Jahren in den Händen derselben Familie ist.
Am Ende seiner Festrede bezeichnete LH Günther Platter das Land Tirol übrigens als „schönstes Land der Welt“.





