22.08.2011
Innsbruck

Nachwehen des Hohen Frauentages

Die Ehrenzeichen sind bereits verliehen. Nun wird Kritik an der Vergabe und der geringen Frauenquote laut.

Innsbruck – Am vergangenen Montag wurden nahezu 200 Tiroler für ihre Verdienste um das Land geehrt – dies blieb nicht unkommentiert. Besonders die Vergabe des Großen Tiroler Adler-Ordens sorgte für Verwunderung. Joseph Daul, der Chef der Europäischen Volkspartei im EU-Parlament, erhielt ihn. Laut Vorgabe muss er damit eine Persönlichkeit sein, „deren Besuch und Aufenthalt in Tirol oder deren hervorragende freundschaftliche Beziehung zum Land Tirol von besonderer politischer, wirtschaftlicher oder kultureller Bedeutung“ ist. In der Laudatio wurde ihm für seinen „auch für das Land Tirol immer wieder bemerkenswerten Einsatz für die Landwirtschaft“ gedankt.

LA Gabi Schiessling (SP) sind seine Verdienste ebenso unbekannt wie LA Christine Baur (Grüne) oder der EU-Abgeordneten Eva Lichtenberger (Grüne). „Es gab bereits ein paar absurde Vergaben von Ehrenzeichen. Aber vermutlich gibt es irgendeine geheime Sache der Volkspartei, die ich nicht weiß“, meint Lichtenberger. Für Baur ist die Vergabe empörend: „Eva Lichtenberger hat beispielsweise viel mehr für Tirol getan als er.“ VP-Klubchef Josef Geisler erklärt dazu, dass Daul sich beim Österreich-Programm für umweltgerechte Landwirtschaft eingesetzt habe. Zudem setze man im Speziellen bei den Verhandlungen für die Agrarförderungen nach 2014 auf ihn.

Neben Daul stößt den Frauen die Frauenquote sauer auf. Bei den Verdienstkreuzen stieg sie vom Jahr 2008 auf heuer von 11 auf 19 Prozent, bei den Verdienstmedaillen gerade mal von 30 auf 31 Prozent. Für Schiessling wäre es dringend notwendig, die Frauenquote endlich zu erfüllen: „Eigentlich wäre es Zeit, dass einmal mehr Frauen als Männer geehrt werden. Die Ausrede, es gibt zu wenig, gilt nicht.“ Und Baur findet, dass der Blick geändert gehöre, was als wertvolle Arbeit für die Gemeinschaft anerkannt wird: „Wenn soziale Aufgaben und Kinder- wie Altenbetreuung aufgenommen würden, dann würden sich genügend Frauen finden. Sogar mehr als Männer“, ist sie überzeugt.

LR Patrizia Zoller-Frischauf erklärt dazu: „Ich bin natürlich immer auf der Suche nach Frauen, die für eine Ehrung in Frage kommen. Die Vorschläge für Ehrungen müssen jedoch in erster Linie aus der Bevölkerung kommen. Es werden aber viel mehr Männer als Frauen vorgeschlagen, wobei der Frauenanteil zuletzt angestiegen ist.“ Weiters seien auch Grüne und SPÖ aufgerufen, mehr Frauen vorzuschlagen, meint sie. (mir)

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Mo, 22.08.2011
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