Rücktritt des gesamten Vorstands beim Haflingerzuchtverband
![]()
Hans Strobl (r.) ist als Obamann des Haflingerzuchtverbandes zurückgetreten. Die Mehrfahchfunkrionen von Hannes Schweisgut standen im Mittelpunkt des Tauziehens zwischen Landwirtschaftskammer und Verband.
Foto: FOTOFREIE
|
||
Innsbruck – Knalleffekt im Tiroler Haflingerzuchtverband (HPT): Überraschend ist heute der gesamte Vorstandand der Haflingerzüchter zurückgetreten. Obmann der Tiroler Halfingerzüchter, Hans Strobl, sowie seine beiden Stellvertreter Romed Posch und Oswald Hochfilzer haben ihren Rücktritt erklärt. Schon seit Tagen ringen der Haflingerverband und die Landwirtschaftskammer um eine Sanierung des schwer verschuldeten Verbandes und ein Zukunftskonzept.
Im Mittelpunkt des Tauziehens stehen die Mehrfachfunktionen von Hannes Schweisgut, der Angestellter der Bauernkammer, Zuchtleiter, Geschäftsführer des Haflingerverbandes und Eigentümer der Vermarktungsgesellschaft Imex ist.
Die Imex weist ihrerseits ein negatives Eigenkapital von 638.000 Euro auf. Auch sie muss entschuldet werden. Eine Übernahme durch den Haflingerverband ist im Gespräch. Bei Förderungen von 350.000 Euro durch das Land Tirol schreibt der Haflingerverband ein Minus von jährlich 70.000 Euro.
Am Mittag zeichnete sich folgendes Ergebnis ab: Die schwer verschuldete Imex soll nichts mehr mit dem Fohlenhof und dem Haflingerverband zu tun haben. Ein massives Kostensenkungsprogramm wie Einstellung des Reitbetriebs und der Showprogramme wird durchgezogen. Für die bauliche Sanierung des Fohlenhofs müssen rund 1,2 Millionen Euro aufgewendet werden. Eine Absage gibt es an das ursprünglich angedachte Projekt einer „Erlebniswelt Pferd“: Allein mit Förderungen durch den Tourismus sei dies weder zu finanzieren noch gewinnbringend zu vermarkten, heißt es aus Kammerkreisen.
Der Verband informiert - Hintergründe
Der Haflinger Pferdezuchtverband Tirol ist ein eigenständiger Verein, dem die Landwirtschaftskammer Tirol einen Geschäftsführer sowie eine Halbtagssekretärin als Mitarbeiter überlässt. Der Geschäftsführer Hannes Schweisgut ist somit formell Mitarbeiter der LK Tirol, jedoch dem Vorstand des HPT weisungsgebunden.
Mit Entschließung des Tiroler Landtages vom November 2010, wurde der Haflinger Pferdezuchtverband Tirol (HPT) mit der Erstellung eines Zukunftskonzeptes beauftragt. In einer Arbeitsgruppe, unter der Leitung von Kammerdirektor Richard Norz, wurden die maßgeblichen Eckpfeiler für die wirtschaftliche und inhaltliche Ausrichtung – unter Berücksichtigung der Empfehlungen des Rechnungshofes – ausgearbeitet und mit dem Vorstand des Haflinger Pferdezuchtverbandes abgestimmt.
Zusätzliche Informationen für die inhaltliche Ausgestaltung des Konzeptes lieferte eine am Management Center Innsbruck in Auftrag gegebenen Studie über die „Die touristische und freizeit-wirtschaftliche Bedeutung des Haflinger Pferdes in Tirol“.
Präsident Josef Hechenberger verweist auf die Wichtigkeit der Haflingerpferde für Tirol: „Die Marke Haflinger ist weit über die Tiroler Grenzen hinaus bekannt. Die Zukunft und Errungenschaften aller rund 1100 Haflingerzüchter müssen erhalten werden, die Zukunft unserer Betriebe steht im Mittelpunkt.“
Leistungserbringung im öffentlichen Interesse.
„Unser Zukunftskonzept sind Empfehlungen, die der Vorstand des Haflinger Pferdezuchtverbandes mehrheitlich mitträgt. Das Konzept empfiehlt grundsätzlich, sich auf die wesentlichen Kernaufgaben zu konzentrieren. Der Verband muss weiterhin seinen gesetzlichen Aufgaben, wie der Erstellung eines Zuchtprogrammes, der Führung eines Zuchtbuches, der Festlegungen für Zuchtwertschätzung und Leistungsprüfung sowie der Ausstellung von Herkunfts- und Zuchtbescheinigungen nachkommen. Die Gruppenaufzucht von selektierten Junghengsten mit Alpung im Sommer, die Haltung von Deckhengsten, die Ausbildung der Deckhengste, Köranwärter und Wallaches sowie die Leistungsprüfung vor Ort sind beizubehalten“, erklärt Kammerdirektor Richard Norz.
Reitunterricht einstellen, Besichtigungen reduzieren
Die Schauprogramme in der jetzigen Form sollten nicht beibehalten, dennoch soll auf eine attraktive Form der Präsentation der Pferde nicht verzichtet werden. Es sollte überlegt werden, den Züchtern eine Plattform zu bieten, bei der sie ihre Betriebe und Zuchtprodukte einem interessierten Publikum präsentieren.
Die Anzahl der zur Versteigerung zugelassenen Fohlen sollte entsprechend den Marktgegebenheiten angepasst werden sowie eine Kooperation mit anderen Pferdezuchtverbänden angestrebt werden.
Durch Konzentration auf diese Kernaufgaben kann der Pferdebestand am Fohlenhof Ebbs von 110 auf rund 70 Stück reduziert werden. Der Personalstand kann von derzeit 11,5 auf 7,5 Personen gesenkt werden. Mit den angeführten Maßnahmen wird eine Stabilisierung kostenseitig erreicht und die Voraussetzungen für eine ausgeglichene Gebarung in der Zukunft geschafften.
Transparenter Finanzfluss, effiziente Betriebsführung
„Zur Abdeckung der Verbindlichkeiten des HPT in Verbindung mit den notwendigen Sanierungsmaßnahmen am Fohlenhof Ebbs ist die Zuführung von Eigenkapital notwendig. Mit Blick in die Zukunft kann dies durch einen einmaligen Solidarbeitrag der Mitglieder, Sonderzuschüsse, Sponsorengelder, Beteiligungen oder Verkauf von Vermögensteilen erfolgen“, so der Kammerdirektor.
Eine Planungsrechnung für 2012 (Übergangsjahr) und für 2013 ist bis Ende November 2011 zu erstellen, um den Finanzbedarf für die beiden Jahre im Vorhinein zu ermitteln. Ein begleitendes Kostencontrolling ist einzuführen und quartalsmäßig dem Vorstand über die finanzielle Situation zu berichten.
Klare Organisationsstrukturen
„Die klare Trennung zwischen Imex und HPT, die Einstellung der Geschäftsbeziehungen und Absicherung der Forderungen haben oberste Priorität. Zwischen Imex, der Einzelhandelsfirma im Besitz von Hannes Schweisgut, und HPT bestehen sehr enge Verflechtungen. Daraus resultieren auch gegenseitige Forderungen für erbrachte Leistungen, wobei die Forderungen des HPT höher sind als umgekehrt“, erklärt der Kammerdirektor weiter.
Daher wird empfohlen, eine Saldierung der bestehenden gegenseitigen Forderungen vorzunehmen und die bestehenden Geschäftsbeziehungen einzustellen, indem der derzeitige Pachtvertrag aufgelöst wird, so wie es in der Geschäftswelt üblich ist. (pn, tt.com)
aktualisiert: Fr, 21.10.2011 16:31





