02.12.2011
Tirol

In Tirols Wäldern brennt der Hut

Von Katharina Zierl

Innsbruck – Der Brand ist gelöscht, die Köpfe rauchen weiter. Nicht zuletzt der Waldbrand in Galtür, bei dem erst am Mittwoch Entwarnung gegeben wurde – die TT berichtete –, hat gezeigt, wie gefährlich die anhaltende Trockenheit für Tirols Wälder ist. „In den vergangenen Jahren gab es im November überhaupt keine Waldbrände. Heuer waren es fünf. Ich kann mich nicht an eine vergleichbare Trockenperiode erinnern“, sagt Landesfeuerwehrkommandant Klaus Erler.

In Zeiten des Klimawandels sei davon auszugehen, „dass das immer noch gefährlicher wird“, befürchtet Erler. Auch wenn die Ursachen von Waldbränden meist nicht vollends geklärt werden können, „ist sicher in den meisten Fällen eine Zigarette, die nicht richtig ausgelöscht wurde, schuld“, erklärt Tirols Feuerwehrchef. „Eine Herbstwanderung auf den Sonnenhängen, eine Pause, eine Zigarette – schon wird‘s gefährlich“, sagt Erler.

Die Universität für Bodenkultur (Boku) und die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG), die ebenfalls festgestellt haben, dass Waldbrände sich vor allem in Teilen von Tirol, Kärnten und Niederösterreich häufen, arbeiten derzeit an einem öffentlich zugänglichen Frühwarnsystem. Darin sollen das aktuelle Wettergeschehen, die Vegetation und andere Faktoren berücksichtigt werden, um Feuerwehren das Risiko von Waldbränden in gewissen Regionen aufzuzeigen. Für Erler ein positiver Impuls: „Ein derartiges Warnsystem wäre zusätzlich zu unseren eigenen Beobachtungen sicher hilfreich.“

Auf Flüssiges wartet die Feuerwehr indes nicht nur, was den erhofften Regen betrifft. Auch sonst sitzen viele Gemeinden in finanzieller Sicht derzeit auf dem Trockenen, wie Erler betont: „Das Innenministerium sollte die Kosten, die durch den Löscheinsatz privater Hubschrauber entstehen, eigentlich zurückzahlen. Aber das geht alles viel zu langsam.“ Derzeit würden Tiroler Gemeinden, die von Waldbränden betroffen waren, insgesamt auf eine Million Euro warten, sagt der Landesfeuerwehrkommandant. „Es ist natürlich bitter, dass die Gemeinden um ihr Geld raufen müssen. Das Ministerium ist da zu träge. Wir setzen uns jedenfalls dafür ein, dass endlich was weitergeht“, sagt Erler. In erster Linie solle geregelt werden, dass Hubschrauber, die von der öffentlichen Hand finanziert werden, „ohne großen bürokratischen Aufwand bei Waldbränden einsetzbar sind“.

Anton Mattle, Bürgermeister von Galtür, hofft, „dass wir das Geld zurückbekommen“. Er sei zuversichtlich, „weil Schutzwald durch den Brand gefährdet und der umfassende Hubschraubereinsatz in diesem Fall einfach notwendig war“. Wie viel der Löscheinsatz der Helikopter schlussendlich kostet, weiß Mattle noch nicht: „Viel Geld, so viel ist sicher.“

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Fr, 02.12.2011
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