Leichter Anstieg bei Anzeigen
Von Cornelia Ritzer
und Thomas Hörmann
Innsbruck, Wien – „Im langfristigen Vergleich sind wir auf einem guten Weg“, lobte Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) die österreichischen Polizisten. Im Jahr 2011 wurden 540.007 Fälle zur Anzeige gebracht – das sind im Vergleich zum Vorjahr 4262 Anzeigen mehr. 2011 wurden aber auch mehr Fälle geklärt, die Zahl stieg um 5,64 Prozent auf 234.122. Gleichzeitig sank die Zahl der ungeklärten Fälle von 314.118 im Jahr 2010 auf 305.885 Fälle im Jahr 2011.
Trends, die auch in Tirol zu verzeichnen sind: Die Anzahl der Anzeigen stieg im Vorjahr ebenso wie die Aufklärungsquote. „Für das Bundesland Tirol ist – ausgehend vom historischen Tiefststand 2010 – bei der Summe der angezeigten Delikte eine leichte Steigerung zu verzeichnen“, bestätigt auch die Tiroler Sicherheitsdirektion.
Die Tiroler Zahlen im Detail: Die Polizei verzeichnete im vergangenen Jahr 45.944 Anzeigen. 2010 waren‘s noch 44.185 Anzeigen gewesen.
Mit der Steigerung von knapp vier Prozent liegt Tirol nach dem Burgenland (11,66 Prozent), Niederösterreich (7,5 Prozent) und Salzburg (5,33 Prozent) im Bundesländervergleich an vierter Stelle. Verbessert wurde aber gleichzeitig die Aufklärungsquote: Und zwar von 50,15 Prozent im Jahr 2010 auf 51,02 Prozent im Vorjahr.
Die Sicherheitsdirektion erklärt den leichten Anstieg auch mit Erfolgen bei der Bekämpfung der Suchtgiftkriminalität. In diesem Bereich gab‘s gegenüber 2010 ein Plus von 361 Anzeigen, was eine Folge der intensiven Polizei-Ermittlungen sei. Einen Anstieg verzeichnete die Tiroler Exekutive aber auch bei den Eigentumsdelikten.
Was nicht unbedingt dem Bundestrend entspricht – österreichweit gab es 2011 weniger Anzeigen bei Einbrüchen in Wohnungen und Einfamilienhäuser (15.616 Anzeigen 2011, 2010 waren es noch 15.747 Anzeigen). Ebenfalls niedrig blieb die Zahl der Auto-Diebstähle mit 5158 (im Jahr 2010: 5150) gestohlenen Fahrzeugen.
Der Grund für die Rückgänge dieser Verbrechen, die laut Statistik zum Großteil von „Fremden“ begangen wurden (fast 73 % der Einbrüche und fast 57 % der Autodiebstähle), ist für den Leiter des Bundeskriminalamtes, Franz Lang, ein Ergebnis der internationalen Zusammenarbeit: „Wenn Strukturen am Balkan, am Kaukasus oder in Rumänien zerschlagen werden, führt das zu einem Rückgang der Einbrüche und Kfz-Diebstähle in Österreich.“
174 Fälle von vorsätzlicher Tötung wurden 2011 in Österreich angezeigt. Die Deliktgruppe der vorsätzlichen Körperverletzungen liegt bei fast 40.400 angezeigten Fällen. Das ist der dritthöchste Wert der letzten zehn Jahre. Gestiegen ist auch die Zahl der Anzeigen wegen Vergewaltigung auf 977.
„Im Vergleich zu den Delikten Einbruch und Diebstahl zeigt sich jedoch ein anderes Täterprofil“, erklärt Lang. Bei den Tatverdächtigen handelt es sich bei über 73 Prozent um Inländer. In 52,6 Prozent der Verbrechen gibt es ein Verhältnis zwischen Täter und Opfer. „Bei den rund 30.000 Beziehungstaten in Österreich im Jahr 2011 hatte fast jedes dritte Opfer denselben Wohnort wie der Täter“, so General Lang.
Bei der Bekämpfung der Gewalt will auch Ministerin Mikl-Leitner ansetzen: „Es ist entscheidend, die Hintergründe zu erforschen, die zu Gewalt führen.“ Das „Bündnis gegen Gewalt“ unter der Leitung von Gewaltforscherin Rotraud Perner vernetzt Einrichtungen zur Gewaltprävention. „Es gibt kaum Vorbilder, wie man sich ohne Gewalt verhält“, kritisiert Perner, dass etwa in Filmen viele Figuren gezeigt werden, die kriminell werden, um zu bekommen, was sie wollen. Eine Aufgabe sei es, den Menschen alternative Verhaltensweise in Krisensituationen aufzuzeigen.
Vor neue Herausforderungen stellt die Polizei das Medium Internet, durch die Zunahme von Delikten im Bereich des Hacking und Phishing stieg die Zahl der angezeigten Fälle 2011 auf 5100. Auch der Betrug mit Kreditkarten (1117 Anzeigen im Jahr 2011, 667 im Jahr 2010) und Betrug mit dem Mobiltelefon (1152 Anzeigen im Jahr 2011, 790 im Jahr 2010) wurde häufiger.





