05.02.2012
Tirol

Kälterekorde in Tiroler Orten

Es wird ein Winter der Superlative: Mit minus 28,3 Grad war Seefeld gestern Österreichs kältester Ort, Innsbruck eine der frostigsten Landeshauptstädte.

Innsbruck – Mehr als ein Dutzend Messstellen der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik registrierten in der Nacht auf Samstag Temperaturen von minus 25 Grad oder noch weniger. Am kältesten war es mit minus 28,6 Grad am Sonnblick in 3100 Metern Seehöhe und mit minus 28,3 Grad in Seefeld. Der auf 1180 Metern gelegene Ort war bereits in der Nacht auf Freitag mit minus 22,9 Grad Rekordhalter unter den bewohnten Orten gewesen. Die kältesten Landeshauptstädte waren Innsbruck und Salzburg: Dort wurden jeweils minus 16,8 Grad registriert.

Der Pannendienst des ÖAMTC ist derzeit im Dauereinsatz. Pannenfahrer Markus Obojes spricht von einem „Ausnahmezustand“. Während an normalen Tagen durchschnittlich 15 Einsätze zu bewältigen seien, müssten die Helfer derzeit etwa doppelt so oft ausrücken – am häufigsten wegen leerer Batterien, eingefrorener Türschlüssel oder Problemen mit der Motorelektronik und Dieselfahrzeugen. Der ÖAMTC-Pannendienst ist mit allen zur Verfügung stehenden Fahrzeugen im ganzen Land im Einsatz, trotzdem müssen betroffene Autofahrer unter Umständen drei Stunden und länger auf Hilfe warten.

Die Mahnungen der Gesundheitsexperten, angesichts der bitteren Kälte Vorsorge zu treffen, scheinen zu fruchten: An der medizinischen Notaufnahme der Klinik mussten gestern laut Internistin Maria Theresia Kasseroler zumindest bis zum frühen Nachmittag keine Patienten mit Unterkühlungen oder gar Erfrierungen verarztet werden. Es sei sogar eher etwas ruhiger, „weil die Leute mehr daheimbleiben“. Allerdings passe das Team derzeit sehr auf, „wenn Betrunkene zu uns gebracht werden, dass sie nicht davonlaufen“. Die ÖBB haben vorsorglich elf Gebäude in ganz Österreich für Obdachlose geöffnet, auch in Innsbruck. Bis gestern Nachmittag habe es allerdings noch keine Anfragen gegeben, so Pressesprecher Christoph Posch.

Die Kälte konserviert den Schnee, die Kosten für die Räumung explodieren. Allein in Innsbruck leisteten die 100 Mitarbeiter des Winterdienstes in den vergangenen zwei Monaten 7500 Überstunden, meldet Josef Mühlmann von den Straßenbauhöfen. 15 stadteigene Fahrzeuge und zwölf Geräteträger zur Geh­steig­räu­mung sind im Einsatz, weitere 25 Fahrzeuge und Geräte sind zugemietet.“

Bis jetzt verfrachtete der Winterdienst 150.000 Kubikmeter Schnee. Mehr als die Hälfte davon wurde in den Inn gekippt, dies ist bei maximal zwei Tage altem Schnee erlaubt. Ältere Schneemassen türmen sich längst meterhoch auf Deponieflächen. Der Streusalzverbrauch liegt 30 Prozent über dem eines durchschnittlichen Winters. Von 2300 bisher bezogenen Tonnen seien noch 300 lagernd. Für das Streusalz gab die Stadt bereits 395.000 Euro aus – weit mehr als im ganzen vorgen Winter (300.000 Euro). (ms, miho, er)

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom So, 05.02.2012
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