Suche nach Kriegsverbrecher
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Soldaten der bosnischen Serben werden mehrerer Kriegsverbrechen beschuldigt. Einer der Verdächtigen soll in Innsbruck wohnen.Symbolfoto: APA/EPA
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Von Marco Witting und Thomas Hörmann
Innsbruck – Ein älteres Haus im Innsbrucker Stadtteil Hötting am Dienstagnachmittag: kein Schild an der Klingel mit diesem Namen; keines am Postfach; die Handynummer, die im Internet leicht zu finden war, funktioniert nicht mehr. Die Festnetznummer? Nur monotones Läuten, niemand hebt ab. Auch sonst kann oder will niemand Auskunft geben. Dann fährt ein schwarzes Auto vor, zwei Männer in dunklen Jacken steigen aus, betreten das Wohnhaus. Nach knapp 25 Minuten kehren sie zurück. Es sind Beamte der Sicherheitsdirektion, die hier nach einem mutmaßlichen Kriegsverbrecher aus Serbien suchen.
Am Dienstag veröffentlichte die größte bosnische Zeitung Dnevni Avaz die Wohnadressen von elf mutmaßlichen serbischen Kriegsverbrechern. „Wir verraten die Adressen der Mitglieder des VRS-Spähtrupps“, heißt es in der bosnischen Zeitung. Die Männer sollen, so berichtet die Zeitung, die sich auf den Verband früherer muslimischer Soldaten beruft, für die Ermordung von rund 300 Menschen verantwortlich sein und unbehelligt in Serbien und im serbischen Landesteil Bosniens leben – einer auch in Innsbruck.
Die Beschuldigten seien Angehörige der so genannten 15. Bihac-Brigade gewesen und 1992 für Massaker und Misshandlungen in der Region Ljutocka Dolina nahe der Stadt Bihac im Nordwesten des Landes verantwortlich sein. Zu dem in Innsbruck lebenden Serben nennt das Blatt auch die Wohnadresse in der Landeshauptstadt. Belastet werden die elf Männer in dem Bericht durch verschiedene Zeugenaussagen. So soll einer der Männer gegenüber seiner Ex-Frau erzählt haben, eigenhändig 25 Menschen getötet zu haben.
„Der Bundesverfassungsschutz prüft den Fall“, bestätigt Karl-Heinz Grundböck, Sprecher des Innenministeriums. In den Ermittlerkreisen sorgt allerdings für Verwunderung, dass der Aufenthaltsort des Serben von einer bosnischen Zeitung aufgedeckt wurde. „Wir hätten uns eigentlich erwartet, dass wir von den bosnischen Behörden in Kenntnis gesetzt werden“, sagt ein Beamter.
Bei der Innsbrucker Sicherheitsdirektion wird momentan „die Faktenlage geprüft“. Dabei werde man auch internationale Kontakte spielen lassen, um die Zuverlässigkeit des Zeitungsberichts aus Bosnien zu überprüfen. Dass der Mann wirklich an Kriegsverbrechen beteiligt war, lasse sich natürlich noch nicht bestätigen.
Angetroffen werden konnte der Mann bis gestern Abend jedenfalls nicht. Ob der Serbe, er soll um die 60 Jahre alt sein, überhaupt noch in Innsbruck wohnt, ist nicht geklärt. In dem Haus in Hötting wohnen viele Landsleute. Von Seiten der Polizei fragt man sich deshalb auch, inwieweit der Mann nach Bekanntwerden der Affäre gedeckt wird.
Erst im vergangenen Jahr hatte ein Gericht in Bihac fünf Serben wegen insgesamt 25 Morden zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt. Der Bosnien-Krieg (1992–95) war der blutigste der Konflikte beim Zerfall des Vielvölkerstaates Jugoslawien. Nach unterschiedlichen Angaben kamen bis zu 200.000 Menschen ums Leben.





