09.02.2012
Landeck

Prutz wartet auf Unterführung

An Samstagen muss die Reschenstraße bis zu 30.000 Fahrzeuge „schlucken“. Die Bevölkerung leidet unter den Staus. Die Gemeinde drängt auf den Bau einer Unterflurtrasse.

Von Helmut Wenzel

Prutz – Rund 26.000 Fahrzeuge hat die Gemeinde Prutz auf der Reschenstraße an einem Samstag im Jänner gezählt. „Das ist aber noch nicht ganz der Spitzenwert“, schränkt BM Walter Gaim ein. „Rekordwerte erwarten wir bei der An- und Abreise im Februar und März. Die Reschenstraße muss bis zu 30.000 Fahrzeuge schlucken.“

An den Samstagen würden die Grenzen der Belastbarkeit für die Bevölkerung im Raum Prutz klar überschritten. „Die Staus sind so extrem, dass einige Schlauköpfe meinen, dem Blechwurm auf dem Schleichweg über die Pontlatzbrücke und die alte Reschenstraße zu entkommen“, ärgern sich Anrainer im Ortsteil Entbruck. „Die Misere müssen auch wir ausbaden, weil der Weg zu den Lebensmittelmärkten verstopft ist.“

Schon in den 90er-Jahren drängten die Prutzer auf den Bau einer Unterflurtrasse im Bereich Innbrücke. Damals wurden die Kosten mit 35 Mio. Schilling (2,54 Mio. Euro) beziffert. Doch die Verkehrspolitik hatte das Projekt unter Hinweis auf die hohen Kosten stets abgelehnt. Die Prutzer hatten auch vergeblich argumentiert, dass der 400 Meter lange Abschnitt der Reschenstraße ein hohes Sicherheitsrisiko darstellt – es gab wiederholt Verletzte und Tote bei Verkehrsunfällen.

Erst seit Mitte 2011 dürfen Prutz, das Obergricht, Kaunertal und die Tourismusregion Serfaus-Fiss-Ladis auf das Umfahrungsprojekt hoffen. LHStv. Anton Steixner hat, so Gaim, den Bau fix zugesagt. „Eine Geländeaufnahme ist bereits gemacht“, weiß Günther Heppke, Leiter des Baubezirksamtes in Imst, „es ist ein schwieriges Projekt, weil die Trasse zum Teil niedriger liegt als der Wasserspiegel des Inn.“ Man erwarte auch eine schwierige Bauphase.

Eine Vorentscheidung zur Realisierung des Projekts soll am 23. Februar 2012 fallen, wenn Steixner das aktuelle Straßenbauprogramm des Landes präsentiert. Die Kosten dürften sich gegenüber den 90er-Jahren allerdings vervierfacht haben.

Positiv aufgefallen ist den Touristikern, dass die Ampelregelung an der Prutzer Kreuzung inzwischen optimiert ist, wie Sprecher Hans Kröll aus Nauders feststellt: „Auch der Polizei ist zu danken, die für bestmöglichen Verkehrsfluss an den An- und Abreisetagen sorgt.“ Gaim befürchtet jedoch weiterhin steigendes Verkehrsaufkommen: „In der Region werden jedes Jahr 1000 neue Betten gebaut.“

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Do, 09.02.2012
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