09.02.2012
Innsbruck

Solidarität unter Ärzten, Misstrauen gegen Uni-Spitze

Misstrauensvotum: Für die wirtschaftliche Situation an der Medizin-Uni machen die Ärzte Unirat und Rektorat mitverantwortlich.
Betriebsratsvorsitzender Martin Tiefenthaler appellierte an die Solidarität der Ärzte, die Mediziner unterstützten den Vorschlag des Betriebsrats.Foto: Böhm
Foto: TT / Thomas Boehm
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Von Peter Nindler

Innsbruck – Leicht fiel es den 240 Bundesärzten nicht, sich den Vorschlägen von Unirat, Rektorat, Senat und Betriebsrat anzuschließen. Schließlich wird durch die Streichung der Bereitschaftsdienste nicht nur die Patientenversorgung an den Wochenenden lahmgelegt, sondern es bedeutet auch einen empfindlichen Einkommensverlust. Und schwer wiegt zudem, dass die Ärzte damit jene Uni-Führung unterstützen, der sie bei der gestrigen Betriebsversammlung das Misstrauen ausgesprochen haben. Gleichzeitig wurde gefordert, dass das Ministerium die Medizin-Uni unter Finanzaufsicht stellt. Dies hatte Betriebsratsvorsitzender Martin Tiefenthaler bereits im Juni 2011 vorgeschlagen.

Letztlich folgten die Ärzte jedoch dem Solidaritätsappell von Tiefenthaler. Denn die Alternative wären Kündigungen von 40 Ärzten, Landesprimariate statt Uni-Kliniken sowie 104 Stellenstreichungen an der Medizin-Uni gewesen. Außerdem hofft Tiefenthaler, dass durch „die angekündigten Kampfmaßnahmen endlich die Finanzierung der Medizin-Uni sichergestellt wird und es eine politische Lösung gibt“. Wobei bei der Betriebsversammlung eines ganz deutlich wurde: Der Frust über die eigene Uni-Führung ist ebenfalls groß, da geht es um einen aufgeblähten Verwaltungsapparat im Allgemeinen und das Rektorat und den Unirat im Speziellen. Für den Senatsvorsitzenden Martin Krismer ist „Medizinrektor Herbert Lochs nach dem Misstraues­votum der Ärzte sicherlich geschwächt“.

Rund 5,4 Mio. Euro fehlen im Budget für 2012, die Streichung der Nacht- und Wochenenddienste würde das Budget entlasten. Wobei seit Mittwoch bereits ein interner Sparvorschlag für die Verwaltung vorliegt. 500.000 Euro sollen dort eingespart werden. Die Landesärzte haben sich ebenfalls solidarisch erklärt. Sollte es nicht zu der von Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle angekündigten Finanzlösung am Dienstag kommen, droht ab April ein Engpass in der Patiententenversorgung. Denn 16 der 18 Klinikvorstände betonten, dass sie ohne die Bundesärzte die Bereitschaftsdienste nicht aufrechterhalten können. „Weder das Organ-Transplantationsprogramm noch der akute Herzinfarktdienst können ohne Einsatz von Uni-Fachärzte länger als für ein paar Tage bestritten werden“, so Tiefenthaler.

Die Uni-Ärzte erklärten, dass sie selbstverständlich Nacht- und Wochenenddienste leisten wollen. Doch ihr Anteil an der Krankenversorgung beträgt 85 statt 70 Prozent, „die 15 Prozent an Personalkosten müssen der Universität endlich ersetzt werden“. Die Ärzte gehen sogar noch einen Schritt weiter: Offen spekulieren sie in einer noch zu treffenden Absprache mit den Studenten über eine Einstellung des Lehrbetriebs an der Uni, sollte sich die Finanzsituation nicht verbessern. Die längst überfällige Lösung für den Klinischen Mehraufwand – die Uni muss jährlich mehr als 60 Mio. Euro an Infrastrukturabgeltung für Lehre und Forschung an der Klinik an das Land bezahlen – wird ebenfalls von den Medizinern eingefordert.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Do, 09.02.2012
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