09.02.2012
Kufstein

1,4 Mio. Schulden am Fohlenhof

Zwei Tage vor der Generalversammlung hat der Haflingerzuchtverband die angeschlagene Haflinger Im- und Export um rund 785.000 Euro übernommen.
Mit einem Zukunftsprojekt und harten Sanierungsmaßnahmen soll die Schuldenlast am Fohlenhof in Ebbs abgebaut werden.Foto: Osterauer
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Von Peter Nindler

Ebbs – Eigentlich stand bei der gestrigen Klausurtagung des Tiroler Haflingerzuchtverbandes in Ebbs die künftige Strategie des Verbandes im Vordergrund. Es geht um mögliche touristische Chancen am Fohlenhof, dem im November eine finanzielle Rosskur verordnet wurde. Die Landwirtschaftskammer hat sich von Zuchtleiter Johannes Schweisgut getrennt, der auch Geschäftsführer des Haflingerzuchtverbandes und Eigentümer der Haflinger Im- und Exportgesellschaft IMEX war. Diese Verflechtungen wie auch die Schulden des Verbandes sorgten für Diskussionen. Gestern kam bei der Zukunftsdiskussion erneut die Vergangenheit zur Sprache.

Seit 28. Jänner amtiert ein neuer Vorstand beim Haflingerzuchtverband unter Führung des Ötztalers Lukas Scheiber. Zwei Tage zuvor kam es noch unter den alten Vorstandsmitgliedern Oswald Hochfilzer und Romed Posch sowie Johannes Schweisgut zum Kauf der IMEX. 2010 hat der Haflingerzuchtverband für Schweisgut ein Darlehen von 725.000 Euro aufgenommen. Begründet wurde diese Vorgehensweise mit besseren Zinskonditionen, schließlich wies die IMEX 2009 ein negatives Eigenkapital von rund 638.000 Euro aus. Im Sanierungskonzept forderte die Kammer eine vermögensrechtliche Entflechtung vor der Übernahme der IMEX durch den Verband.

Im der TT vorliegenden Kaufvertrag vom 26. Jänner wurde exakt aufgelistet, was der Haflingerzuchtverband erwirbt – darunter zwölf Stuten, die Museumseinrichtung, Kutschen, Geschirre, Ausrüstungsmaterial, Vorräte sowie einen Lkw-Anhänger. Nicht angeführt wurde die Bewertung des übernommenen Vermögens bzw. die Kaufsumme. „Die Zahlen sind seit dem Herbst bekannt, in den Gegenwert ist auch der Einsatz von Schweisgut berechnet“, betont Lukas Scheiber. Die Summe von 785.000 Euro wurde dann mit dem aushaftenden Darlehen von 725.000 Euro gegenverrechnet. Somit konnte Schweisgut, der neben seinem Kammergehalt von monatlich 3000 Euro netto noch gemeinsam mit seiner Frau jährlich 108.000 Euro brutto vom Verband erhielt, sein Darlehen beim Zuchtverband zurückzahlen.

Welche Auswirkungen hat nun die Übernahme der IMEX durch den Haflingerzuchtverband? Der Schuldenstand beträgt 1,45 Millionen Euro, die jährliche Schuldentilgungsrate rund 100.000 Euro. Für Scheiber ist das zwar nicht wenig, aber „mit Zukunftsmaßnahmen, über die wir gestern beraten haben, werden wir versuchen, das Defizit abzubauen“. Auch Kammerpräsident Josef Hechenberger glaubt, „dass trotz der Altlasten die neue Verbandsführung die Zukunft am Fohlenhof meistern wird“.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Do, 09.02.2012
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