12.02.2012
Tirol

Brennerbasistunnel wird um 450 Millionen Euro abgespeckt

Für Basistunnelchef Bergmeister ist Tunnelprojekt auch mit Einsparungen machbar, Gurgiser kritisiert EU-Koordinator Pat Cox.
Der Brennertunnel wird weitergebaut, Baumaßnahmen werden um 360 Mio. Euro verschoben.Foto: Böhm

Von Peter Nindler

Innsbruck – Zuletzt stand eine Verschiebung der Bauarbeiten für den Hauptstollen des 55 Kilometer langen Brennerbasistunnels im Raum. Demnach wäre die Erkundungsphase bis 2020 ausgedehnt worden. Das hätte wohl den Todesstoß für das 9,7-Milliarden-Euro-Projekt bedeutet, denn jedes Jahr Verzögerung kostet rund 350 Mio. Euro. Seit Freitag ist es aber fix: Der Tunnel soll wie geplant bis 2025 fertig gestellt werden und ein Jahr später dann in Betrieb gehen. Doch Brennerbasistunnelchef Konrad Bergmeister muss 450 Millionen Euro beim Bau einsparen.

Für Bergmeister sind diese Einsparungen machbar. „Bei der Sicherheit wird natürlich nicht gespart.“ Schon einmal hat Bergmeister das Vorhaben abgespeckt, jetzt muss er erneut Abstriche vornehmen. In welchen Bereichen möchte der Brennertunnelchef jetzt sparen? Interne Verschiebungen heißt die Lösung. „Maßnahmen, die ursprünglich von 2010 bis 2016 geplant waren, werden jetzt nach hinten verschoben. Das bringt in etwa 360 Millionen Euro“, sagt Bergmeister.

In den Bau sollen schließlich 90 Millionen weniger investiert werden. Zum einen wird die Überholstelle in St. Jodok gestrichen, andererseits will Bergmeister auf ein bis zwei Querverbindungen zwischen den beiden Haupttunnelröhren verzichten. „Und wo es die Geologie zulässt, werden wir beim Erkundungs­stollen auf die Tunnelschale aus Beton verzichten“, fügt Bergmeister hinzu. Das Einsparungspotenzial beträgt hier rund 65 Millionen Euro. Weitere 25 muss die Tunnelgesellschaft noch aufbringen. Ursprünglich war daran gedacht worden, auf einen Zusammenschluss der Erkundungsstollen am Brenner zu verzichten. „Da hätten wir 125 Mio. Euro gespart, aber die Geologie ist dort sensibel. Wir benötigen hier gesicherte Daten, ansonsten könnte es beim Haupttunnel teure Überraschungen geben.“

Bergmeister hofft, dass die Zeit der Irritationen endlich vorbei ist und der Tunnel nicht in Frage gestellt wird. Verwundert ist man in Tirol allerdings über die Aufteilung der Einsparungen bei den drei großen Infrastrukturvorhaben Kor­alm-, Brenner- und Semmeringtunnel. Während beim Brennertunnel 450 Mio. Euro gestrichen werden, sind es beim Koralm 260 Mio. Euro und beim Semmeringbasistunnel gar nur 40 Millionen.

Kritik am Brennerbasistunnel übte einmal mehr Transitforumchef LA Fritz Gurgiser. In einem Schreiben an EU-Tunnelkoordinator Pat Cox bezeichnete er dessen immer wieder geäußerte Aussage zur EU-Förderung „If you don‘t use it, you lose it“ als Kommentar eines „arroganten, schnöselhaften EU-Koordinators auf der einen Seite und als „strikt abzulehnenden Erpressungs- bzw. Nötigungsversuch an der Republik Österreich“. Statt eine rasche Bau- und Finanzierungsentscheidung zu fordern, empfahl Gurgiser: „If you want this tunnel, pay it or lose it-“

Der Transitforumchef forderte eine Änderung der europäischen Verkehrspolitik, weil der Milliarden-Tunnel keine Lösung des Transitproblems sei.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom So, 12.02.2012
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