Kosten verdoppelt – Auswege aus der Heizkosten-Falle
Energiespartipps
Nähere Informationen zu Förderaktionen unter:www.tirol.gv.at/wohnbaufoerderung
www.umweltfoerderung.at
Informationen über Energieeffizienzmaßnahmen:
kostenlose telefonische Erstauskunft von Energie Tirol: 0512/589913 oder bei den Energieservicestellen. Standorte und Telefonnummern zu finden unter:
www.energie-tirol.at
Von Michaela Spirk-Paulmichl
Innsbruck – Wir verheizen unser Geld: Zu diesem Schluss kommt die Beratungseinrichtung „Energie Tirol“ nach einer Untersuchung der Heizkosten der Tiroler Haushalte. Sie haben sich seit Beginn der Aufzeichnungen vor nur acht Jahren nahezu verdoppelt. Die ungewöhnlich lang anhaltende und heftige Kältewelle der vergangenen Tage tut ihr Übriges, Diskussionen über dringend anstehende Sanierungen von Gebäuden oder die Förderung alternativer Energieträger zu befeuern.
Wer sich noch nicht zu einer Haus- und Heizungserneuerung bzw. -sanierung entschlossen hat, sollte angesichts der Entwicklungen beides dringend in Erwägung ziehen, sagt Bruno Oberhuber, Geschäftsführer von „Energie Tirol“. Laut den aktuellsten verfügbaren Daten von Statistik Austria heizen in Tirol immer noch vier von zehn Haushalten mit Heizöl. Doch gerade die Ausgaben dafür hätten sich innerhalb der vergangenen Jahre um mehr als das Eineinhalbfache verteuert, errechneten die Experten von „Energie Tirol“. Im gewichteten Durchschnitt hätten sich die Heizkosten der Tiroler Haushalte dadurch im vergangenen Jahr gegenüber 2003 um 95 Prozent und alleine gegenüber 2010 um 8 Prozent erhöht. Und die Preise werden wohl weiter anziehen. Oberhuber: „Sobald sich die Weltwirtschaft wieder erholt, steigt der Energiebedarf sofort wieder an und mit ihm auch die Ausgaben für Öl und Gas.“ Derzeit koste ein Liter Heizöl etwa einen Euro. Der nicht von den globalen Entwicklungen abhängige Holzpreis zum Beispiel sei dagegen stabil und steige vergleichsweise langsam.
„Energie Tirol“ (ET) ist die Beratungseinrichtung des Landes Tirol zur Förderung eines umwelt- und ressourcenschonenden Energieeinsatzes. Seit 20 Jahren informiert sie Tirols Haushalte über Auswege aus der Heizkosten-Falle. Oberhuber: „Entscheidend ist die Wahl des richtigen Heizträgers. Ein Umstieg auf heimische, erneuerbare Energien und die dafür nötigen Gebäudesanierungen schonen nicht nur die Umwelt, sondern langfristig auch die Geldbörse.“ Wie sich thermische Sanierungen konkret auf ein Haushaltsbudget auswirken können, veranschaulichen jüngste Berechnungen von „Energie Tirol“: So betragen die Heizkosten für ein unsaniertes Einfamilienhaus mit 150 Quadratmetern Wohnfläche bei der Verwendung von Heizöl pro Jahr 2641 Euro. Ist das Haus saniert, fallen 880 Euro an, was nur noch einem Drittel entspricht. Die Einsparung beträgt 1761 Euro (siehe auch Grafik links).
Bei Scheitholz können jährlich 786 Euro eingespart werden, bei Pellets 882, bei Erdgas 1053 und bei Strom sogar 2325 Euro. Auch die Umwelt wird geschont: So werden in einem 150-Quadratmeter-Haus etwa bei einer Umstellung auf Pellets 5000 Tonnen CO2 pro Jahr weniger ausgestoßen.
„Bei älteren Gebäuden ist durch die Sanierung eine Senkung der Energiekosten um mehr als 60 Prozent möglich“, betont Energielandesrat LHStv. Anton Steixner in einer Aussendung. So bilde die Forcierung von Gebäudesanierungen derzeit auch einen Schwerpunkt in der Strategie des Landes zur Erreichung der Energieautonomie. „Der Wille und das Potenzial, den Energieverbrauch zu senken, sind groß.“ Er werde sich auch weiterhin vehement für die Förderung von Energieeffizienz-Maßnahmen einsetzen. Steixner: „Das sind wir den nächsten Generationen schuldig.“
ET-Geschäftsführer Oberhuber spricht allerdings von einer „latenten Gefahr“, was mögliche Kürzungen von Förderungen betrifft – besonders in einer Zeit, in der Sparmaßnahmen gesetzt werden müssten. Doch armutsgefährdete Menschen sind ohnehin bereits betroffen: So können mehr als 300.000 Menschen in Österreich ihre Wohnungen nicht mehr angemessen warm halten, wie die Volkshilfe zuletzt aufmerksam machte. Sparmaßnahmen dürften diese Gruppe nicht noch weiter belasten.
Was den „Problemfall öffentliche Gebäude“ betreffe, so stünden laut Oberhuber viele Renovierungen an. Betroffen seien vor allem „eine ganze Reihe von Schul- und Gemeindebauten aus den 1970er-Jahren, die energetisch in einem sehr schlechten Zustand sind“. Für ihn geht es bei den anstehenden Sanierungen auch darum, dass diese vorausblickend durchgeführt werden: „Das muss dann wieder für die nächsten Jahrzehnte halten.“
Das Land Tirol unterstützt thermische Sanierungen und Heizungstausch laufend durch gezielte Förderaktionen in der Wohnbauförderung. Wie „Energie Tirol“ informiert, gibt es darüber hinaus aktuell staatliche Fördermaßnahmen zur Sanierung für Privatgebäude, die älter als 20 Jahre sind. Die Aktion startete Anfang Februar und ist österreichweit mit 70 Millionen Euro dotiert. Ab Montag können Privatpersonen Förderanträge bei den Bausparkassen einreichen. Der Staat übernimmt für die thermische Sanierung bis zu 20 Prozent der Investitionen, höchstens aber 5000 Euro.





