23.02.2012, 12:52  Aktualisiert: 24.02.2012, 07:17 
Tirol

AK Tirol sieht „Abzocke“ bei privater Pensionsvorsorge

Die Konsumentenschützer der AK und des Vereins für Konsumenteninformation erachten eine private Pensionsversicherung als „nicht sinnvoll“: Die Anbieter profitieren, nicht die Versicherten, so die Kritik.
Pensionsversicherungsprodukte versprechen oft viel mehr, als sie tatsächlich halten können, wie eine Studie der AK aufzeigt.
Foto: TT / Thomas Boehm

Von Beate Troger

Innsbruck – Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat im Auftrag der Arbeiterkammern von Tirol und Wien bei acht Anbietern die Produkte für eine private Pensionsvorsorge unter die Lupe genommen. Das Ergebnis ist für den Tiroler AK-Präsidenten „erschütternd und haarsträubend“. Bei den meisten Pensionsprodukten könnte die Rendite nicht einmal die Inflation abdecken.

Fünf Testpersonen haben bei acht Anbietern 40 Verträge abgeschlossen und jeweils kurz nach Erhalt der Polizzen wieder gekündigt. Bewertet wurden von den Konsumentenschützern jeweils u. a. die Dauer des Beratungsgespräches, die Produktinformation und die Kosten für die diversen Versicherungsmodelle. Das Fazit: „Sämtliche Produkte sind intransparent, unflexibel und vor allem so teuer, dass meist keine Rendite mehr bleibt“, fasst VKI-Geschäftsführer Josef Kubitschek die Ergebnisse zusammen. Er rät klar vom Abschluss solcher Fertigprodukte zur Altersvorsorge ab. „Es profitieren nur die Anbieter, aber nicht die Konsumenten“, kritisiert AK-Präsident Zangerl.

„Die angebotenen Produkte haben zu viele Schwächen, aber keine Stärken“, erklärt Studienautor Walter Hager. „Im Durchschnitt dauerte ein Beratungsgespräch rund 40 Minuten“, so Hager, „für ein Produkt, das man meist ein Leben lang hat.“ Über die tatsächlichen Kosten, wie etwa die Verwaltungskosten, werden die Kunden unzureichend aufgeklärt, es werde stets nur von den Prämien gesprochen, kritisiert Hager. Die Beratung habe stark einem Verkaufsgespräch geähnelt. „Der Vermittler bekommt Provision und hat kein Interesse daran, den Kunden länger zu betreuen“, berichtet er. In den meisten Fällen sei auch keine individuelle Bedarfsanalyse durchgeführt worden, das heißt, es wurde nicht erhoben, ob der Kunde das angefragte Pensionsprodukt überhaupt braucht. Zudem herrsche bei den Produktbezeichnungen der Anbieter oft Unklarheit: „Viele wissen nicht, was für ein Produkt sie besitzen“, sagt Hager.

Wie VKI-Geschäftsführer Kubitschek erläutert, sei vor allem die staatlich geförderte Zukunftsvorsorge „nicht dazu geeignet, für die Zukunft vorzusorgen“. Dass im Zuge des Sparpakets die staatliche Prämie von 8,5 Prozent künftig halbiert werde, ist für Andreas Oberlechner vom Konsumentenschutz der AK Tirol „ein überfallsartiger Eingriff in bestehende Verträge“.

Die Studie zielt auf Neuverträge ab, der VKI rät daher, bestehende Versicherungen „keinesfalls“ zu kündigen. „Zum Verlust aus dem alten Vertrag kommen noch hohe Kosten für ein neues Produkt“, sagt Oberlechner.

Als Alternative rät Studienautor Walter Hager, im Zuge der staatlichen Pensionsversicherung eine freiwillige Höherversicherung abzuschließen, die eine Rendite von bis zu vier Prozent bieten kann. (TT)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Do, 23.02.2012  12:52
aktualisiert: Fr, 24.02.2012  07:17
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