Im Wohnbau droht Kostenexplosion
Von Max Strozzi
Innsbruck – Im geförderten Wohnbau wird der Graben zwischen Preisen und Baukosten immer größer, kritisiert die Baubranche. „Für die ausführenden Firmen wird es immer schwieriger, kostendeckend zu arbeiten“, warnt Bau-Innungsmeister Anton Rieder: „Das Land lässt für geförderte Bauten nur eine Maximalsumme an Kosten zu, gleichzeitig aber werden die Anforderungen an die Bauten immer höher, etwa bei Aufzügen Energieeffizienz, Austattungsstandards oder Architekturwettbewerben“, so Rieder. So seien im Zeitraum von 2005 bis 2010 die Baukosten um 20 Prozent gestiegen, während die Wohnbauförderung um 10 Prozent erhöht wurde. „Diese Schere bringt uns unter Druck“, warnt Porr-Tirol-Chef Herbert Gigler.
Aus seiner Sicht könnten die Kosten um 15 % gesenkt werden. Er spricht in diesem Zusammenhang von „überzogenen Baustandards“, die zurückgenommen werden sollten. Eine Arbeitsgruppe hat nun Vorschläge erarbeitet, um Kosten im geförderten Wohnbau zu reduzieren. Insgesamt liege das Einsparungspotenzial demnach zwischen 200 bis 550 Euro pro Quadratmeter. Derzeit betragen die Baukosten je nach Bau (Eigenheim, Mehrfamilienhäuser, Wohnungsanlagen) etwas weniger als 2000 Euro pro Quadratmeter. Die Baubranche fordert etwa, die Zahl der vorgeschriebenen Stellplätze zu reduzieren. Auch Aufzüge sollten nach Vorbild des Vorarlberger Modells erst ab vier Geschoßen und mehr als 10 Wohneinheiten nötig sein, nicht schon ab drei Etagen. Auch kritisiert die Branche die Anforderungen an wasserrechtliche Gutachten, sowie die Vorgaben an die Energieeffizienz – dickere Dämmungen oder 3-Scheiben-Verglasungen würden die Kosten massiv steigern. Zudem sollten sich Kredite zur Finanzierung über eine längeren Zeitraum erstrecken.
Tirols Wohnungslandesrat und LHStv. Hannes Gschwentner findet es grundsätzlich „gut, wenn sich Leute Gedanken machen, um Wohnen leistbar zu machen“. Die Frage der Stellplätze soll heuer angegangen werden. „Drei Stellplätze pro Wohnung, wie in manchen Fällen, sind übertrieben.“ Er werde mit den Bürgermeistern reden und mit dem designierten neuen Raumordnungs-LR Tratter, um die Bauordnung in dieser Hinsicht zu deregulieren. In anderen Fragen sieht er wenig Spielraum, etwa bei der Energieeffizienz. „Wir haben Klimaschutzziele zu verfolgen. Natürlich kann ich sagen, wir bauen Papierwände wie in den USA. Aber wir sind eine Region mit hohen Temperaturschwankungen und hohem Energieverbrauch“, so Gschwentner. Ähnlich verhält es sich in der Frage der Aufzüge. „Alle, die sich für barrierefreies Wohnen starkgemacht haben, wären wieder benachteiligt, viele können ohne Lift die Wohnung nicht benutzen“, so Gschwentner. Aufgeschlossen sei er gegenüber einer längeren Finanzierung. „Auch ich würde mir einen längeren Finanzierungszeitraum von etwa 35 Jahren wünschen. Dann ist aber auch die Rentabilität solcher Anlagen bei Weitem schlechter. Dass dieser Vorschlag ausgerechnet seitens der Wirtschaftskammer kommt, ist deshalb sehr interessant.“





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