Zähes Ringen um Sellrain-Kraftwerk
Von Nikolaus Paumgartten
Innsbruck – Eine Region, ein Kraftwerk und sieben beteiligte Gemeinden. Geht es nach dem Land Tirol, dann lässt sich das geplante Kraftwerk Sellrain an der Melach so in wenigen Worten auf den Punkt bringen. Offiziell wurde das Projekt bis dato noch nicht der Bevölkerung präsentiert, meist fanden Diskussionen dazu in den Gemeindegremien unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Und Gründe zur Diskussion gab es in den vergangenen Monaten zu Genüge. Denn auch wenn es sich offiziell um ein Gemeinschaftskraftwerk handelt, sind sich die Gemeinden St. Sigmund, Gries, Sellrain, Oberperfuss, Unterperfuss, Kematen und Grinzens selten darüber einig gewesen, in welcher Form das Vorhaben umgesetzt werden soll.
Bereits die Anfänge im Sommer des vergangenen Jahres standen unter keinem guten Stern. Damals verweigerte Oberperfuss zunächst seine Beteiligung am Entwicklungsprozess. Der Grund: Die Gemeinde hatte zu diesem Zeitpunkt bereits ein eigenes Kraftwerksprojekt auf Oberperfer Gemeindegebiet eingereicht und zeigte sich von einem gemeinsamen Großprojekt zunächst wenig begeistert. Noch zu klären war damals und ist noch bis heute die Einbindung des von der Gemeinde Sellrain und einem privaten Betreiber geplanten Kraftwerks Fotscherbach. Die Gemeinde Kematen hatte außerdem ebenfalls ein Melach-Projekt in Planung und stellte dieses letztendlich zurück, um sich an dem Gemeinschaftsprojekt zu beteiligen.
Im Herbst des Vorjahres fanden sich schließlich doch noch die Vertreter aller betroffenen Gemeinden am Verhandlungstisch ein und diskutierten die Möglichkeiten der Realisierung des Kraftwerks. Dabei ging es unter anderem darum, wie das Projekt finanziert werden kann und die Gemeinden daran beteiligt sein werden. Ein zentraler Punkt, an dem sich bis heute die Geister scheiden. In Summe geht es dabei um voraussichtliche Investitionskosten in der Höhe von rund 50 Millionen Euro.
Die Gemeinde Kematen macht sich für eine Umsetzung gemeinsam mit Energieversorgungsunternehmen – konkret den Innsbrucker Kommunalbetrieben (IKB) und dem E-Werk Kematen – stark. Demnach sollen sich die IKB und das E-Werk mit 65 Prozent und die sieben Gemeinden nach einem Verteilungsschlüssel mit 35 Prozent beteiligen. Anders, so die Auffassung Kematens, sei ein Projekt dieser Größenordnung nicht ohne erhebliches Risiko zu finanzieren. Der Vorschlag stößt jedoch bei anderen Gemeinden, etwa bei Oberperfuss oder Grinzens, auf Ablehnung. Sie wollen bei der Umsetzung des Vorhabens möglichst ohne strategischen Partner auskommen und lehnen die Variante eines Minderheitsmodells für die Gemeinden kategorisch ab.
Vergangene Woche sollte nun in Gries im Sellrain eine klärende Gesprächsrunde mit allen betroffenen Gemeinden über mögliche Beteiligungs- und Realisierungsmodelle stattfinden. Ein Termin, der seitens der Gemeinde Kematen nicht wahrgenommen wurde. Man wolle den anderen Gemeinden nicht mehr im Weg stehen und ihnen die ungehinderte Ausarbeitung des Aufteilungsschlüssels ermöglichen, hieß es dazu aus Kematen.
Für morgen Donnerstag haben jedenfalls Vertreter des Landes – allen voran LHStv. Anton Steixner – alle Beteiligten ins Landhaus gelanden. Nachdem sich die sieben Gemeinden nicht auf einen Beteiligungsschlüssel einigen konnten, soll diesen nun das Land vorgeben.





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