23.03.2012
Goldbarren-Mordfall

Goldmord: Polizist verletzte Kollegen

Dem nicht geständigen Mordverdächtigen wurde ein Pflichtverteidiger zugewiesen.
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Mord-Chronologie

Donnerstag, 15.3.: Die 49-jährige Filialleiterin verlässt um 17.30 mit acht Kilogramm Gold, verteilt auf zwei Taschen, die Raika-Filiale in Strass. Um 21.30 Uhr macht sie sich zum späteren Tatort auf.

Freitag, 16.3.: Der Polizei wird gemeldet, dass ein abgestelltes Auto eine Gemeindestraße in Wiesing behindert. Eine Polizeistreife entdeckt in dem Wagen eine leblose Frau. Der Innenraum des Autos ist mit Ruß bedeckt.

Montag, 19.3.: Die Öffentlichkeit wird informiert und ein 51-jähriger Polizist als Hauptverdächtiger festgenommen. Bei einer Einvernahme am Abend versucht er zu flüchten.

Mittwoch, 21.3.: Über den Verdächtigen wird die U-Haft verhängt.

Innsbruck –Das entscheidende Puzzleteil fehlt. Versteckt, vergraben, einem Komplizen übergeben? Mit den Goldbarren im Wert von 333.000 Euro­ könnten die Ermittler ihre Theorien zum Mord an einer 49-jährigen Bankangestellten mit Beweisen untermauern. Keine Fingerabdrücke, keine Aussagen. Der 51-jährige Polizist, der in Untersuchungshaft sitzt, hüllt sich weiter in Schweigen. Weil er sich keinen Verteidiger nehmen will, wurde ihm ein Pflichtverteidiger zugewiesen. „Die U-Haft bleibt für zwei Wochen­ aufrecht, dann muss der Haftrichter über eine Verlängerung entscheiden“, sagt die Sprecherin der Innsbrucker Staatsanwaltschaft, Karin Schiffmann. Die Ermittlungen stünden noch am Anfang, „es wird in jede Richtung ermittelt­“.

Während die Polizeibeamten des Landeskriminalamts Vorarlberg die Goldbarren suchen, um den Ablauf der Tat zu rekonstruieren, untersuchen die Kärntner den Fluchtversuch vom Montag. Gestern wurden dazu neue Details bekannt. Der Mordverdächtige soll sich im Gesicht verletzt haben. Und jener Kollege, auf den der Polizist bei der Flucht mit einer Dienstwaffe gezielt haben soll, hat sich bei dem Handgemenge ebenfalls Verletzungen zugezogen. „Es sind aber keine schweren Verletzungen, er kann seinen Dienst versehen“, sagt Landespolizeikommandant Helmut Tomac. Dem Polizisten wurde außerdem eine psychologische Betreuung angeboten, die er vorerst abgelehnt hat. „Selbstverständlich war er betroffen von diesem Ereignis. Im Kollegenkreis hat es natürlich Gespräche gegeben“, sagt der Landespolizeikommandant, der auch posttraumatische Folgen nicht ausschließen kann. Wenn ein Polizist mit einer Waffe auf einen Kollegen zielt, „ist das ein Ereignis, das einen zeichnet“.

Doch nicht nur der betroffene Kollege, auch die gesamte­ Kollegenschaft sei berührt, sagt Tomac: „Obwohl intern jeder weiß, dass so etwas die absolute Ausnahme und ein Einzelfall ist, der mit einer Person zu tun hat und nicht mit der Institution.“ (chris)

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Fr, 23.03.2012
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