10.05.2012
Tirol

Irokese, auf Messers Schneide

Kein gutes Haar ließ der Direktor einer Villacher Schule an der Irokesenfrisur eines 16-Jährigen und stellte ihn vom Unterricht frei. In Tirol sei man „nicht so kleinlich“.
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Schulordnungen – Kein Iro, keine gefärbten Haare, keine Piercings

Villa Blanka. Von allen Schülern wird ein gepflegtes Äußeres verlangt: saubere Fingernägel, ordentlicher Haarschnitt, geputzte Schuhe, wenig Schmuck – Knaben keine Ohrringe, Mädchen keinen Nasenschmuck, kein Piercing. Schlechtes, unzumutbares Benehmen kann (...) den Ausschluss zur Folge haben.

Zillertaler Tourismusschulen. Auffällig gefärbte Haare und Frisuren (z.B. Rastalocken, Irokesenschnitt usw.) sind nicht erlaubt. Bei Verstößen gegen die Hausordnung kommen (...) Erziehungsmittel (z.B. Ordnungsstunden) zur Anwendung.

Tourismusschulen Am Wilden Kaiser. Gepflegter Haarschnitt für alle (Kurzhaarschnitt bei Knaben); keine auffällige Färbung. Alle sichtbaren Piercings sind verboten. Für Mädchen sind maximal 2 nicht auffällige Ringe/Ohr erlaubt. Bei weiteren und schwerwiegenden Verstößen kann die Schulkonferenz (...) einen Antrag auf Ausschluss des Schülers stellen.

Von Katharina Zierl und Matthias Christler

Innsbruck, Villach – Ein klarer Schnitt: Für seine neue Irokesenfrisur musste ein 16-Jähriger kürzlich in der Tourismusschule Villach mit der Freistellung vom Unterricht büßen. Haarspalterei? Für Tirols Landesschulratspräsidenten Hans Lintner durchaus. „So kleinlich sind wir in Tirol sicher nicht. Der Junge hätte in unseren Tourismusschulen mit dieser Frisur keine Konsequenzen fürchten müssen.“ Die in Villach von der Schulführung bekrittelte Frisur ähnelte lediglich einem Irokesen – zu viel für den Direktor. Ein ordentlicher Haarschnitt sei eben nötig, lautete die Begründung. Und auch wenn der Schüler den Unterricht inzwischen wieder besuchen darf. Der umstrittene Teilzeit-Rauswurf wird sogar in Tirol diskutiert. „Natürlich ist es wichtig, dass in Tourismusschulen das äußere Erscheinungsbild stimmt. Die Schüler müssen wissen, was am Markt gefordert ist, und dass sie mit einem gewissen Auftreten bessere Berufschancen haben“, sagt Lintner.

In puncto Haarschnitt lasse man den Tiroler Tourismusschülern jedoch weitestgehend freie Hand. „Es ist ja nicht mehr so wie vor 40 Jahren, als beispielsweise lange Haare ein Problem waren“, erklärt der Landesschulratspräsident. Einschränkungen gebe es bei der holden Haarpracht aber trotzdem: „Lässt sich jemand ein Nazi-Symbol oder einen Totenkopf scheren, müssen wir natürlich die Notbremse ziehen. Ein aggressives Menschenbild ist auf jeden Fall abzulehnen“, betont Lintner.

Diverse Vorschriften werden zunächst von dem Schulgemeinschaftsausschuss beschlossen. Dann segnet sie der Landesschulrat ab. „Und eben weil die Schüler beim Beschluss der Verordnungen, die auch das äußere Erscheinungsbild betreffen, mitentscheiden, sollte man von ihnen schon verlangen können, dass sie eben diese Beschlüsse dann auch einhalten“, sagt Bildungslandesrätin Beate Palfrader, die vor ihrer Tätigkeit in der Landesregierung als Direktorin der Tourismusschule St. Johann tätig war. „Natürlich gab‘s auch da Ausreißer. Mädchen, die ihre Zungenpiercings beim Servieren drin hatten, oder Ähnliches. In der Freizeit ist das alles in Ordnung, aber in Tourismusschulen gelten eben bestimmte Regeln“, sagt Palfrader. In erster Linie gehe es darum, „die Schüler schon während der Ausbildung auf das Berufsbild etwa eines Kellners oder Kochs vorzubereiten.“ Zu kleinlich, fügt die Landesrätin hinzu, solle man dabei aber nicht sein.

Die Schulordnungen der Tourismusschulen lassen beim Aussehen wenig Spielraum. Abgesehen vom Haarschnitt und der Haarfarbe gelten weitere Verbote – wenn diese nicht beachtet bzw. wiederholt übertreten werden, folgen Konsequenzen. „Ermahnen wir einen Schüler und er ist weiterhin nicht bereit, sein Aussehen und Auftreten anzupassen, kann das Verfahren in einem Schulausschluss enden“, sagt der Direktor der Villa Blanka, Peter Kreinig. Bei einem Haarschnitt wie von jenem Schüler aus Kärnten würde man jedoch nicht so streng reagieren, „aber wenn jemand plötzlich mit grünen Haaren auftaucht, ist das ein Problem. Im Rahmen der Ausbildung arbeiten die Schüler auswärts, etwa in der Hofburg oder im Congresshaus. Da braucht es ein dem Beruf entsprechendes Auftreten“, erklärt Kreinig. Man müsse die Schulordnung im Sinne der Ausbildung für einen Beruf sehen. Jemand mit gefärbten Haaren oder Piercings könne so auch nicht in einer Bank arbeiten.

Im Fall des Schülers mit seinem nur angedeuteten Irokesen appellierte der Kärntner Landesschulrat an den Direktor der Tourismusschule Villach, sich mehr auf die Persönlichkeit der Schüler denn auf ihr Äußeres zu konzentrieren. Er forderte ein „wertschätzendes Aufeinanderzugehen“ ein. Für Mittwochnachmittag war jedenfalls eine Schüler-Demonstration vor dem Kärntner Landesschulrat angekündigt worden.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Do, 10.05.2012
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