Auf die Eitelkeit des Ichs verzichtet
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Helmut Kutin im SOS-Kinderdorf in Jakarta. Er ist inzwischen Großvater und Urgroßvater, doch fühlt sich selbst nach wie vor wie ein SOS-Kinderdorf-Kind.Foto: SOS-Kinderdorf/Gabriel
Foto: SOS
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Innsbruck – Hermann Gmeiner höchstpersönlich hat ihn zum Nachfolger gemacht. Ein Jahr vor seinem Tod betraute der SOS-Kinderdorf-Gründer im Jahr 1985 seinen Asien-Repräsentanten Helmut Kutin zum Präsidenten des Dachverbands SOS-Kinderdorf International. Seit damals steht der gebürtige Südtiroler an der Spitze des weltweit tätigen Sozialwerks. Über ein Vierteljahrhundert trug er die Letztverantwortung für SOS-Kinderdörfer in 133 Ländern der Welt mit rund 40.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.
„Red‘s nit, tuats was!“ Den Leitsatz von Hermann Gmeiner hatte Helmut Kutin schon lange zuvor verinnerlicht. Er baute 1967 das erste vietnamesische SOS-Kinderdorf im heutigen Ho-tschi-Minh-Stadt auf. Binnen weniger Jahre entstanden in Asien über 100 SOS-Kinderdorf-Einrichtungen. Bezeichnend für ihn: Als er nach dem Kriegsende 1976 Vietnam verlassen musste, war das eine seiner größten persönlichen Niederlagen, doch er gab nicht auf. 1987 wurde die SOS-Arbeit in Vietnam wieder aufgenommen.
Zu Beginn seiner Präsidentschaft gab es 233 Kinderdörfer und knapp 400 angeschlossene Einrichtungen in 85 Ländern. Heute hilft SOS-Kinderdorf in 518 Kinderdörfern und über 1800 Einrichtungen über zwei Millionen Not leidenden Kindern und Familien. 80.000 junge Menschen haben derzeit in den Kinderdörfern und Jugendhäusern ein neues Zuhause gefunden. Jetzt legt Kutin die Verantwortung für den Dachverband in jüngere Hände. Ein Abschied wird es dennoch nicht. „Ich werde als Großvater in dieser Kinderdorf-Welt bleiben, ohne den Jungen dreinzupfuschen“, meinte er vor kurzem in einem TT-Interview. Und: Kutin bleibt noch zwei Jahre Präsident von Österreich.
Aber auch wenn Kutin nicht mehr 250 Tage im Jahr in der Welt unterwegs ist und dabei 250.000 Flugkilometer zurücklegt. Seine Botschaft wird durch SOS-Kinderdorf längst in die ganze Welt gettragen: „Teilen im Kleinen wie im Großen ist der einzige Weg, um die Herausforderungen unserer globalisierten und gleichzeitig stark individualisierten Welt zu bewältigen. Das WIR vor das ICH stellen, mehr Miteinander und Füreinander statt Nebeneinander und Gegeneinander“.
Es war Kutins eigene Jugend, die ihn sein Leben den Kindern widmen ließ. Als Zwölfjähriger kam er 1953 ins SOS-Kinderdorf nach Imst – seine Mutter war gestorben, die Familie auseinandergerissen worden. Die Jahre in Imst haben ihn geprägt und niemals mehr losgelassen. „Inzwischen bin ich Großvater und Urgroßvater, aber irgendwie bin ich auch immer noch die Waise aus dem SOS-Kinderdorf.“ Nach seinem Studium zum Volkswirt hat es deshalb nicht lange gedauert, bis ihn Hermann Gmeiner für seine Idee gewinnen konnte.
Und für diese wird er auch weiter tätig sein – durchaus auch kämpferisch. So schrieb Kutin in einem „Brief an Tirol“ für die TT, dass er „zuweilen auch zornige Gedanken“ verspüre: „Kein einziges Kind war an der Finanzkrise beteiligt, aber viele, sehr viele Kinder spüren die Folgen mit aller Härte. Parallel zu milliardenschweren Sanierungspakten für die Wirtschaft braucht es dringend soziale und humanitäre Sanierungspakete gegen Kinderelend und familiäre Not.“ (sta)






