Cross Border: Tiwag muss erneut Geld nachschießen
Von Peter Nindler
Innsbruck – Erneut wirkt sich die Herabstufung einer Bank negativ auf die vom Landesenergieversorger Tiwag von 2001 bis 2003 abgeschlossenen Cross-Border-Verträge aus. Für die Besicherung ihrer Rückmietdepots muss die Tiwag tiefer in die Tasche greifen und zusätzlich rund eine Million Dollar aufwenden, wie Tiwag-Vorstandsvorsitzender Bruno Wallnöfer gegenüber der Tiroler Tageszeitung bestätigt. Betroffen ist diesmal die Deutsche Bank. Ihre Bonität wurde von der Ratingagentur Moody’s um zwei Stufen schlechter bewertet.
Die Tiwag hat 14 Kraftwerke auf mehr als 90 Jahre verleast und dann zurückgemietet (Rückmietverträge). Nach amerikanischem Recht werden die Cross-Border-Verträge als Kauf bzw. Besitz gewertet. Das Cross-Border-Volumen der Tiwag beträgt rund drei Milliarden Dollar. Die Investmentfonds leisteten Gesamtmietvorauszahlungen, das Geld für die Rückmietzahlungen hat die Tiwag dann auf so genannten Depotbanken hinterlegt. Als Sicherheit gegenüber den US-Investoren mussten die Depotbanken der Tiwag jedoch beste Bonität aufweisen. Durch die Finanz- und Wirtschaftskrise geriet die Bankenwelt ab 2008 allerdings gehörig ins Wanken. Auch einige Depotbanken der Tiwag wie die Schweizer UBS fielen unter das vereinbarte Mindestrating. Die Tiwag hatte zusätzliche Sicherheiten beizubringen, um ihre Depots ausreichend zu besichern. Das erfolgte u. a. durch „Letters of Credit“ der Deutschen Bank.
Doch jetzt erwischte es gleichsam den Besicherer der Depots, die Deutsche Bank. „Das ist nicht erfreulich, weil wir Adaptierungen vornehmen müssen. Die Letters of Credit sind aber ohnehin immer auf ein Jahr abgeschlossen“, betont Tiwag-Chef Wallnöfer. Die zusätzlichen Aufwendungen würden sich im Rahmen bewegen, Wallnöfer beziffert sie mit rund einer Million Dollar. Für die notwendigen Sicherheitsleistungen der Depotbanken wendet der Tiroler Energieversorger derzeit jährlich drei bis vier Millionen Dollar auf, künftig kommt eine Million dazu.
Doch das ist nicht alles: Aus der Beibringung der Letters of Credit entstanden für die Tiwag Eventualverbindlichkeiten. Von 2010 auf 2011 stiegen diese Haftungen von 307 Mio. Euro auf 334 Mio. Euro. „Auch heuer werden sie wieder höher, weil die Depots für die Rückmiete wegen der Verzinsung anwachsen“, so Wallnöfer. Gleichzeitig musste die Tiwag als Bedingung für die Depotabsicherung bei der Deutschen Bank eine Einlage von 210 Mio. Dollar tätigen. Wallnöfer: „Das ist eine Sicherheit für die Bank.“ In der Tiwag-Bilanz ist diese Festgeldveranlagung in Dollar als Haftung ausgewiesen.






