10.07.2012
Innsbruck

Kokain und Waffen sichergestellt

Ein führendes Mitglied der Hells Angels gesteht, 2,5 Kilo Suchtgift verkauft zu haben.

Innsbruck – Die Hells Angels­ – ein Motorradklub, der in Tirol­ bisher kaum negativ in Erscheinung trat. Nach der Festnahme des Kopfs der Tiroler­ Höllenengel-Filiale hat sich das Bild geändert: Wie die monatelangen Ermittlungen der Innsbrucker Polizei ergaben­, ist die Marke „Hells Angels“ auch im Land der Berge eng mit Drogenhandel, illegalem Waffenbesitz und brutalen Methoden beim Eintreiben von Schulden verbunden. Dieses Bild zeichneten zumindest Innsbrucks Stadtpolizeikommandant Martin Kirchler und Ermittlungsleiter­ Georg Happ (Fachbereich 3, Drogenkriminalität) bei einer Bilanzpressekonferenz am Montag.

Seit Mitte Februar ermitteln Happ und seine Mitarbeiter gegen einen mutmaßlichen Kokain-Dealer aus Schönberg. „Wir sind dann auf dessen türkischstämmigen Lieferanten gestoßen, der nahezu jede Nacht zwischen Innsbrucker und dem Außerfern pendelte und so Reutte mit Suchtgift versorgte“, so der Ermittlungsleiter.

Mitte März tauchte erstmals der Name eines führenden Hells Angels (Position im Klub: Sergeant at Arms, Sicherheitschef) in den Akten auf. Und zwar als mutmaßlicher Lieferant für den türkischstämmigen Verdächtigen.

Die folgenden Ermittlungen ergaben, dass der Sicherheitschef der Tiroler Hells Angels einen weiteren mutmaßlichen Dealer mit Kokain beliefert haben soll. Die Folge: Ab Anfang Mai konzentrierten sich die Kriminalisten auf den im Großraum Innsbruck wohnhaften Sergeant at Arms.

Mit Erfolg – bald hatten die Beamten ausreichend Beweise gesammelt, um den Drogen­ring zu sprengen.

Am vergangenen Montag und Dienstag war‘s so weit – mit Unterstützung der Antiterroreinheit Cobra, Landeskriminalamt etc. „haben wir in Innsbruck und Reutte zwölf Verdächtige festgenommen und elf Hausdurchsuchungen­ durchgeführt“, schildert Happ die Großrazzia (die TT berichtete­ bereits).

Das Ergebnis: zwei geladene Schusswaffen samt Unmengen Munition sichergestellt, Kokain im Dekagramm-Bereich und 9000 Euro beschlagnahmt, zwölf Festnahmen.

Sieben Verdächtige, darunter­ auch die Frau des Rockerchefs, sind wieder auf freiem Fuß, der Hells Angel und vier weitere mutmaßliche Dealer sitzen in Untersuchungshaft, ein Drogenhändler konnte flüchten.

Der Sergeant at Arms gilt für die Ermittler als Kopf des Suchtgiftrings. „Er hat ein Teilgeständnis abgelegt und den Handel mit etwa 2,5 Kilo­ Kokain zugegeben“, sagt Kirchler­.

Beim Eintreiben der Suchtgiftschulden soll der Hauptverdächtige Unterstützung von Südtiroler Hells Angels erhalten haben: „Die Männer gingen dabei äußerst brutal vor“, schildert Happ.

Quasi als Nebenprodukt der Ermittlungen konnten die Beamten auch die Umstände­ rund um den Tod eines Suchtgiftkonsumenten klären, dessen Leiche auf offener Straße gefunden worden war. „Der Mann kollabierte in der Wohnung des noch flüchtigen Dealers. Der duschte seinen Gast ab. Als das nichts nützte, legte er ihn vor seinem Wohnhaus ab“, sagt Happ. (tom)

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Di, 10.07.2012
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