Preiskampf ums tägliche Brot wird immer härter
Bäcker in Tirol
149 gewerbliche Bäcker mit 1700 Mitarbeitern waren im ersten Quartal 2012 laut Wirtschaftskammer Tirol registriert, 16 mit ruhendem Gewerbeschein. Ein Jahr zuvor waren es 151, davon 17 ruhende. In Österreich wurde der Branchenumsatz 2011 auf knapp 2 Mrd. Euro geschätzt.
Baguette als größter Backbetrieb des Landes bringt es nach einer intensiven Expansion in den vergangenen Jahren auf 140 Standorte in Tirol mit über 1000 Mitarbeitern.
Der Bäcker Ruetz betreibt in Tirol knapp 70 Bäckereien und beschäftigt mehr als 700 Mitarbeiter.
Von Beate Troger
Innsbruck – Jetzt tut es auch Hofer: Ab dieser Woche bäckt der größte Diskontsupermarkt in vier seiner 34 Tiroler Geschäfte Brot auf. Für Hofer war es offenbar nur ein logischer Schritt, schließlich hatte Mitbewerber Lidl schon vor knapp einem Jahr 13 Tiroler Filialen mit Brotöfen ausgestattet. Hofer will sich zu seinen Plänen nicht äußern, der Bäckerinnung stoßen die Backvorhaben des mächtigen Giganten aber sauer auf: „Was der Handel in großem Stil betreibt, hat mit Brotbacken nichts zu tun“, kritisiert der Tiroler Innungsmeister Max Wurm. Für den Kunden seien weder die Zusammensetzung noch die Herkunft der Zutaten nachvollziehbar. „Die tiefgekühlten Teiglinge werden aus dem Ausland angeliefert und oft bis zu acht Monate gelagert“, weiß der Bäckermeister, „dieses Brot als frisch zu bewerben, ist eine Lüge.“
Laut der jüngsten Erhebung des Marktforschungsinstitutes GfK decken die Supermärkte bereits 75 Prozent des gesamten Brotbedarfs in Österreich ab. Nur jeder zweite Bürger kaufe zumindest einmal pro Jahr bei einem traditionellen Bäcker Brot ein, berichtet der Standard. Knapp ein Viertel der 2800 befragten Haushalte würde kleine Bäckereien nicht vermissen. Laut GfK seien auch die Umsätze der Bäcker in den vergangenen vier Jahren um 15 Prozent gesunken, nur etwa ein Drittel könne konstant schwarze Zahlen schreiben. „Es wird nicht einfacher“, sagt auch Tirols Innungschef Wurm, „wir müssen eben mit regionaler Qualität, Kundennähe und Service punkten.“
In Tirol gibt es derzeit inklusive der beiden Großbäckereien Baguette und Ruetz 149 gewerbliche Backbetriebe, die etwa 1700 Mitarbeiter beschäftigen. Obwohl zuletzt vor allem im urbanen Bereich mehrere kleine Spezialitätenbäcker Fuß fassen konnten, werden die Betriebe immer weniger. Mehr als jeder zehnte Bäcker in Tirol hat sein Gewerbe bereits ruhend gestellt.
Mit der Fertigstellung der neuen Bäckerei in Völs dürfte Baguette zum größten Bäcker Tirols aufsteigen, sagt MPreis-Sprecherin Ingrid Heinz. Die beiden großen lokalen Betriebe setzen wie der Einzelhandel teilweise auf Teiglinge – mit dem Unterschied, dass die Tiefkühlware in Tirol hergestellt und nach kurzen Lieferwegen ausgeliefert werde. Supermärkte, Tankstellen und Backfilialisten sind nicht die einzigen Herausforderer der Bäcker: Auch die deutsche Selbstbedienungskette Backwerk will in Tirol sesshaft werden: „Wir suchen geeignete Flächen und sind in Gesprächen mit den Eigentümern“, sagt Österreich-Geschäftsführerin Ingrid Dubowy. Dem Preisdruck der Diskonter zum Trotz: Die Branche erwartet, dass wegen steigender Energiepreise Brot heuer ca. fünf Prozent teurer werden dürfte.






