15.07.2012
Tirol

Mordverdächtiger als Opfer

Der Rumäne, der eine Höttingerin (87) geschändet und getötet haben soll, wurde selbst zum Opfer. Mithäftlinge verprügelten den Mann.

Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Zahlreiche Prellungen und Blutergüsse, drei Rissquetschwunden am Kopf, die sogar genäht werden mussten: Der 25-jährige Rumäne, der Mitte Juni eine 87-jährige Frau im Innsbrucker Stadtteil Hötting sexuell missbraucht und ermordet haben soll, wurde selbst Opfer von Gewalttätern. Und zwar in der Innsbrucker Justiz­ansalt: „Wir ermitteln in dieser Sache“, bestätigt Walter Pupp vom Landeskriminalamt.

Die Vorgeschichte: Es war in der Nacht zum 11. Juni, als ein zunächst unbekannter Einbrecher in ein Haus in Hötting eindrang. In einem Schlafzimmer stieß der Täter auf eine 87-jährige Frau. Eine Begegnung, die die pensionierte Lehrerin mit ihrem Leben bezahlte. Wie Obduktion und Ermittlungen ergaben, wurde die Frau sexuell missbraucht und mit einem ihrer Kleidungsstücke erstickt.

Dass der Tod der kranken Frau keine natürliche Ursache hatte, wurde erst am nächsten Morgen entdeckt. Das Landeskriminalamt nahm Ermittlungen auf.

Vermutlich auf der Suche nach Bargeld kehrte der Einbrecher in den folgenden Nächten noch zwei Mal zum Tatort zurück. Ein Fehler – in der Nacht zum 15. Juni wurde er bereits von der Polizei erwartet.

Der 25-jährige Rumäne hat die Tat ohne Wenn und Aber gestanden. Seither sitzt der nur etwa 1,60 Meter große Verdächtige als Untersuchungshäftling im Ziegelstadl – und zwar mit mehreren Russen in einer Zelle. Dem Vernehmen nach soll der Mordverdächtige seinen Mitbewohnern die Höttinger Gewalttat geschildert haben. Möglicherweise auch den sexuellen Missbrauch. Ein Delikt, das im Knast nicht sehr gut ankommt.

Jedenfalls soll der Rumäne auf seinem Bett überfallen und verprügelt worden sein. Beamte der Justizwache brachten den 25-Jährigen in die Innsbrucker Klinik. Dort wurden die Verletzungen ambulant versorgt und die Rissquetschwunden am Kopf genäht.

Ein längerer Krankenaufenthalt war nicht nötig, die Wachebeamten brachten den Mann sofort wieder in die Zelle.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom So, 15.07.2012
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