05.08.2012
Streit um Professorin

„Verbale Gewalt an der Uni geduldet“

Studenten fühlen sich erniedrigt und gemobbt. Am Institut für Erziehungswissenschaft brodelt es seit Langem. Ein Gespräch mit dem Rektor steht an.

Von Brigitte Warenski

Innsbruck – „Wir fühlen uns gedemütigt, erniedrigt und bei jeder Gelegenheit schlechtgemacht“, klagt eine große Gruppe von Studenten ihr Leid. Wer sich auflehne oder Kritik übe, „dem wird das Leben am Institut schwergemacht“. Bereits seit Jahren brodelt es kräftig am Institut für Erziehungswissenschaft an der Universität Innsbruck. Grund sind die permanenten Auseinandersetzungen zwischen einer langgedienten Professorin und einem Teil der Studentenschaft.

„Es gab schon viele Versuche – unter anderem Gespräche mit der Uniführung – von unserer Seite, damit diese Situation ein Ende hat. Aber wir haben den Eindruck, dass verbale Gewalt vom System Uni einfach geduldet wird. Statt rigid vorzugehen, hat sich eine Kultur des Schweigens breitgemacht“, kritisieren die Studenten, die anonym bleiben wollen. Damit es nicht heißt, dass sich die Studenten die Demütigungen nur einbilden, wurden Wortmeldungen der Professorin in Vorlesungen und Seminaren akribisch mitgeschrieben. Beispiel: „Es ist eine Zumutung für mich und die Seminarteilnehmer, diese Scheiße anhören zu müssen.“ Oder: „Sie sind völlig unfähig!“ Besonders diskriminiert werden laut Studenten „die Mütter. Man hat den Eindruck, dass sie einfach gehasst werden“, sagt eine Studentin. Das habe mit dem Bereich der feministischen Pädagogik zu tun, dem die Professorin vorsteht, und in dem die Familie kritisch gesehen wird.

Nicht verständlich ist der Studentenschaft auch, wie es angehen kann, dass eine Professorin ihre Uni und Tirol in aller Öffentlichkeit „schlechtmacht“. In einem Vortrag 2010 in Salzburg soll die Professorin Innsbruck als „extrem bildungs- und wissenschaftsfeindliches Örtchen“ bezeichnet haben, den Westen Österreichs soll sie scheinbar „verödete, verwahrloste und völlig irrelevante Region“, die Menschen in Tirol „dumm und bäurisch“ genannt haben.

Für Roland Psenner, Vizerektor für Lehre und Studierende, sind diese tirolkritischen Aussagen Teil der „Freiheit der Lehre und in der Verfassung garantiert“. Um den Streit, „und so kann man den Konflikt tatsächlich nennen“, zu beenden, habe man aber nun „eine Parallelveranstaltung eingerichtet. Studenten, die mit der Professorin nicht klarkommen, müssen bei ihr keine Prüfung mehr machen und keine Vorlesung besuchen“, sagt Psenner. Das sei keine „optimale Lösung, weil das für die Uni natürlich eine zusätzliche Belastung darstellt und wir damit an unsere finanziellen Grenzen kommen. Aber wir haben den Eindruck, dass sich die Situation, die ich als menschliche Inkompatibilität bezeichnen würde, damit beruhigt hat.“ Dass die Lage am Institut für Erziehungswissenschaft (gehört zur Fakultät für Bildungswissenschaften) eine besonders prekäre sei, will Psenner so nicht sagen. „Es gibt an jeder Fakultät Probleme, was ja bei 28.000 Studenten und 4000 Lehrenden nicht überrascht“. Dennoch werde man genau schauen, wie sich die Situation weiterentwickle. Im August soll ein Gespräch zwischen Rektor, Professorin und Psenner stattfinden.

Die Studenten sind damit nicht zufrieden. „Die Ausweichmöglichkeit gibt es nur für das Bachelorstudium. Die Masterstudenten sind immer noch vom Wohlwollen der Professorin abhängig. Das ist für uns nicht tolerierbar.“

Die Professorin selbst will sich übrigens trotz zweimaliger Anfrage der Tiroler Tageszeitung nicht zum Streit äußern.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom So, 05.08.2012
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