Südtirol will keine „Tiroler“ Haflinger
Von Brigitte Warenski
Innsbruck, Bozen – Die ursprüngliche Heimat des Haflingers ist das heutige Südtirol, und dabei soll es auch bleiben. Der Obmann des Südtiroler Zuchtverbandes, Walter Oberhofer, erteilt damit den Plänen der Zuchtkollegen aus dem Bundesland Tirol bereits vorab eine klare Absage. Dass man – wie die TT am vergangenen Sonntag berichtete – in Zukunft die Pferde beider Ursprungsgebiete unter der Dachmarke „Tirol“ verkaufen wird, „ist für uns unvorstellbar“, sagt Oberhofer.
Würde man die Südtiroler Ursprungsbezeichnung aufgeben, „droht die Gefahr, dass wir an Bedeutung verlieren. Ich wundere mich, dass die neue Führung in Tirol da so über uns drüberfahren möchte. Außerdem gehört Südtirol halt zu Italien. Wir würden damit dem italienischen Dachverband in den Rücken fallen.“
Der Obmann des Tiroler Haflingerzuchtverbandes, Lukas Scheiber, hält dennoch an seinem Wunsch fest. „Wir arbeiten für das gleiche Pferd, und das ist für mich das Wichtigste. Ich verstehe schon die Bedenken der Südtiroler, die vom damaligen Geschäftsführer unseres Verbandes, Johannes Schweisgut, in die Ecke gedrängt wurden. Aber sie müssen auf der anderen Seite auch anerkennen, dass der Haflinger von Nordtirol aus seinen Siegeszug um die Welt angetreten hat.“
Einen gemeinsamen Weg „etwa bei Auktionen, Ausstellungen oder Hengstkörungen“ kann sich Oberhofer sehr wohl vorstellen. „Wir begrüßen alle gemeinsamen Bestrebungen.“ Gemeinsame Veranstaltungen würden laut Oberhofer für beide Verbände Einsparungen bedeuten „und die Zucht verbessern“. Für Scheiber ist das noch „Zukunftsmusik, weil dafür die Voraussetzungen erst geschaffen werden müssen“.
Heftig verstimmt zeigt sich Scheiber über die Kommentare der Südtiroler zur Tiroler Zuchtpolitik. „Der Verband hat bisher die Preise gestützt und die Bauern haben so logischerweise Masse gezüchtet. Das ist für mich eine Fleischzucht“, hatte Oberhofer kritisiert. Scheiber kontert: „Die Südtiroler sollen zuerst vor ihrer eigenen Haustüre kehren und nicht in der Öffentlichkeit Schmutzwäsche waschen. In Südtirol wurde immer das Drei- bis Fünffache wie bei uns geschlachtet.“
Ziel des Tiroler Verbandes ist es laut Scheiber, „dass im ersten Jahr die Zahl der Fohlen – bisher rund 80 –, die keinen Absatz gefunden haben, halbiert wird“. Garantierte Absatzpreise für Fohlen soll es trotz der Zurufe vom Südtiroler Nachbarn wie bisher geben. Scheiber: „Wir werden unseren Züchtern als Verband finanziell behilflich sein.“
Weit auseinander gehen auch die Meinungen über den Dachverband. Die Südtiroler, die Mitglied des Europaverbandes sind, wünschen sich einen internationalen Verband, dem künftig Züchter aus beiden Landesteilen angehören. „Der Verband soll aber nach den Regeln und Richtlinien des Europaverbandes arbeiten. Der sieht nämlich unter anderem einen Aufsichtsrat und Bilanzen vor, die veröffentlicht werden. Der Weltverband, den Schweisgut gegründet hat, hatte ja kaum Kontrolle. So etwas wollen wir sicher nicht“, so Oberhofer.
Prinzipiell kann sich Scheiber das vorstellen. „Wir müssen aber zuerst mit den Rechtsexperten sprechen, was ein solcher Schritt für uns bedeuten würde. Mit dem Beitritt zum Europaverband oder dessen Richtlinien würden wir automatisch das Ursprungszuchtgebiet Südtirol anerkennen.“






