19.08.2012
Tirol

„Großer Bedarf“: Postler an Schulen willkommen

Postbeamte für die Schulen? Nur herbei, wir brauchen dringend Unterstützung, so der Tenor in Tirol. Zumindest die Probleme mit dem Verwaltungsaufwand könnten so gelindert werden.

Von Michaela Spirk-Paulmichl

Innsbruck – „Jede personelle Unterstützung kann uns helfen und macht uns stärker.“ Der Bedarf an Unterstützung für administrative Tätigkeiten an den Tiroler Schulen ist offensichtlich sehr groß, dementsprechend eindeutig fällt die Reaktion von Landesschulratspräsident Hans Lintner aus. Der Vorschlag von Beamtenministerin Gabriele Heinisch-Hosek, Beamte von Post und Telekom Austria nicht nur bei Polizei und Gericht, sondern nun auch in Schulen einzusetzen, war zuvor schon von Unterrichtsministerin Claudia Schmied gutgeheißen worden.

Lintner spricht von „großen Defiziten: Wegen des Sparpakets gibt es einen Aufnahmestopp im Verwaltungsbereich der Schulen, durch die personelle Unterstützung der Post- und Telekom-Beamten könnte zumindest der dringendste Bedarf abgedeckt werden.“ Betroffen davon seien alle Bundesschulen. Derzeit seien keine Neueinstellungen möglich. Die Pflichtschulen müssen teilweise überhaupt ohne Sekretariate auskommen.

Die Entlastung von Verwaltungsaufgaben würde für Schuldirektoren bedeuten, dass sie sich mehr mit pädagogischen Fragen auseinandersetzen könnten, so Lintner. Den Lehrern stünde mehr Zeit für einen qualitätsvollen Unterricht zur Verfügung, was wiederum direkt den Schülern zugute kommen würde. Lintner schätzt, dass derzeit etwa 20 bis 30 Prozent der Arbeitszeit eines Lehrers für Administratives verlorengehen.

„Das Problem ist, dass sich der Bund weigert, Refundierungsleistungen für administrative Funktionen zu übernehmen.“ Derzeit werden die Kosten für die Lehrer vom Bund nach einem bestimmten Schlüssel refundiert, nicht aber jene für Verwaltungspersonal und -leistungen.

Landesschulratspräsident Lintner kann sich sogar vorstellen, dass Post- und Telekom-Beamte für die im Ausbau befindliche Schulsozialarbeit in Frage kommen könnten – allerdings erst nach einer entsprechenden Umschulung beim Arbeitsmarktservice.

Auch bei den Schülervertretungen kommt der Vorstoß der Regierung an: So spricht Christina Kaiser, Landesvorsitzende der Aktion Kritischer Schüler, von einer „prinzipiell guten Idee“. Allerdings müsste gesichert sein, dass die Entlastung der Lehrer positive Auswirkungen für die Schüler hat. Lehrer sollten die gewonnene Zeit entweder für pädagogische Fortbildungen nützen oder sich an der Schule verstärkt pädagogischen Aufgaben widmen.

Auch Patrick Arnold, Landesobmann der Schülerunion, befürwortet die Maßnahme, allerdings sollten die gesparten Verwaltungskosten den Schülern zugute kommen und nicht von den Schulen abgezogen werden. Bei den Bildungseinrichtungen werde ohnehin ständig gespart: „Da kann es passieren, dass wegen undichter Fenster die Schüler im Winter mit Jacken in der Klasse sitzen. Oder das Dach undicht ist“, berichtet Arnold. Wer nach der technischen Berufsschule in einem Betrieb arbeitet, dem könne es unter Umständen passieren, dass er dort die modernen Maschinen nicht bedienen kann. An den Schulen seien nämlich oft nur 30 Jahre alte Geräte vorhanden. Die völlig veraltete technische Ausstattung mancher Schulen sei ohnehin ein großes Problem, meint Arnold. Ansuchen ans Ministerium für dementsprechende Sonderbudgets würden häufig über Jahre hinausgezögert.

Für die Postbeamten selbst spricht Ulrike Ernstbrunner, stellvertretende Landesvorsitzende bei der Postgewerkschafter, von einer Möglichkeit, wieder im öffentlichen Dienst unterzukommen. „Alles, was sich an neuen Herausforderungen auftut, können wir nur befürworten.“

Besonders dramatisch sei die Arbeitsplatzsituation außerhalb der Ballungszentren, vor allem aber in Osttirol. Dort stehe als Nächstes bereits im September die Schließung der Postfiliale Matrei an, drei Mitarbeiter seien davon betroffen. „Das schmerzt schon sehr, denn wir alle wissen, dass es nicht leicht ist, dort wieder Arbeit zu finden.“ In Osttirol sei ein totaler Kahlschlag geplant, am Ende soll nur Lienz als einzige Filiale übrigbleiben. Die Möglichkeit, an Schulen zu arbeiten, sei zumindest eine „kleine Hoffnung“ für die Gewerkschaft, wieder Kollegen unterzubringen. Immerhin seien die bisherigen Erfahrungen bei Wechseln zu Polizei oder Gericht positiv, „unsere Leute fühlen sich dort sehr wohl“.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom So, 19.08.2012
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