03.09.2012
Tirol

Pflanzen ausgespart: Piz Val Gronda vor Entscheidung

Gutachten sehen keine Ausschließungsgründe mehr, aber massive Beein-trächtigungen für Natur- und Lebensraum im Bereich des Piz Val Gronda.

Von Peter Nindler

Ischgl, Innsbruck – Es ist das touristische Prestigeprojekt in Tirol, an dem die Ischgler Touristiker seit nahezu 30 Jahren festhalten: die Erschließung des Piz Val Gronda mit einer Seilbahn und einer Skipiste. Nachdem die Silvretta Bergbahnen im Frühjahr mit einem abgeänderten Pistenverlauf und einer überarbeiteten Seilbahntrasse einen neuen Anlauf unternommen haben, dürfte Mitte September die endgültige Entscheidung über den Bau der Seilbahn fallen. Die Amtsgutachten liegen vor, derzeit findet das Parteiengehör statt und alles läuft auf eine Interessenabwägung der Umweltabteilung des Landes und von Naturschutzreferent LHStv. Hannes Gschwentner (SP) hinaus.

Die touristische Erweiterung durch das hintere Vesiltal und die Anschließung an das Skigebiet Ischgl stehen aber auch für einen ebenso langen Kampf von Umweltgruppen, Alpenverein und Landesumweltanwaltschaft für die Bewahrung eines bisher unberührten Natur- und Lebensraums. War einst die Wilde Krimml im Zillertal das Symbol für das Tauziehen zwischen Umweltschutz und Skigebietserweiterungen in sensiblen Gebieten, so wird dies heute vom 2812 Meter hohen Piz Val Gronda verkörpert.

Seit 1985 haben die Ischg-ler Seilbahner drei Anläufe unternommen, die jeweils gescheitert sind. Zuletzt im November 2010. Damals bezeichnete Umweltreferent Gschwentner das Vorhaben als nicht genehmigungsfähig, weil die 1,3 Kilometer lange Skipiste den Lebensraum von zwei höchst schützenswerten Pflanzen, des Pacher‘schen Löwenzahns und des Mähnen-Pippaus, massiv beeinträchtigen würde.

Eine Änderung des Lawinenschutzerlasses machte es jedoch möglich: Es benötigt jetzt keine stationären Sicherungsmaßnahmen mehr, sondern lediglich einen temporären Lawinenschutz mit vorübergehenden Sperren oder Sprengungen. Mit der alternativen Pistenvariante werden die beiden Pflanzenarten jetzt sozusagen umfahren. Der Amtsgutachter kommt deshalb zum Schluss, dass die Auswirkungen auf die beiden Pflanzenarten wesentlich entschärft wurden. Damit fällt ein wesentlicher Ausschließungsgrund nach dem Naturschutzgesetz weg.

Trotzdem: Die Auswirkungen bleiben, das zieht sich wie ein roter Faden durch die botanischen, ornithologischen und pflanzentechnischen Gutachten. Einzig das sportfachliche und geologische Gutachten bewerten die Skigebietserschließung als unproblematisch. Allerdings wird in einem Gutachten des Alpenvereins auf bestehende geomorphologische Besonderheiten aufgrund von Gipsvorkommen (Gipsdolinen) hingewiesen.

Durch den Winterbetrieb könnte es vor allem zur Störung des Lebensraums von Steinhuhn, Steinadler, Alpenschneehuhn oder Bartgeier kommen. Letztlich würden auch das Landschaftsbild sowie der Natur- und Lebensraum nachhaltig beeinträchtigt werden, die Unberührtheit ginge für immer verloren.

In einem Gutachten der Silv­retta Bergbahnen wird die Machbarkeit untermauert. Mehr als elf Millionen Euro wollen die Ischgler in die Erweiterung des Skigebiets investieren. Möglicherweise steht für Gschwentner wenige Wochen vor seinem Ausscheiden aus der Landesregierung eine der schwierigsten Interessenabwägungen bevor.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Mo, 03.09.2012
sperrstunde
Parship
Jobs
Unterkunftssuche
Panoramabilder
Panoramabilder
Panoramablick
Events · Kino · TV · Motor · Multimedia · Musik · Stars · Leben ·
AGB Kontakt Impressum