31.08.2012, 15:14  Aktualisiert: 01.09.2012, 15:34 
Temperatursturz

Muren und Felsstürze in Tirol, Schnee bis 1800 Meter Höhe

Die Schlechtwetterfront in Tirol sorgte für mehrere Murenabgänge. In Ellbögen wurde der Zubau eines Hauses durch einen Felssturz total zerstört.
Mehrere Felsbrocken schlugen bei Familie Tanzer in Ellbögen eine Garage ein. In Schwendau verlegte eine Mure eine Straße (Bild 4, 5), in Hopfgarten ging ein Hangrutsch auf die L41 ab (Bild 6, 7). Schnee fiel bis 1800 Meter Höhe. Die Mitarbeiter der Wedelhütte im Zillertal starteten Freitagnachmittag kurzerhand ein Schneeballturnier „Mandl gegen Weibl“. (Bild 11)
Foto: ZOOM-TIROL

Innsbruck – Schneeballschlacht statt Badespaß: Am Freitag fiel die Schneefallgrenze in ganz Tirol auf 2000 Meter. In Teilen sogar noch tiefer, wie Michael Winkler von der ZAMG (Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik) erklärt: „Im Zillertal gab es in rund 1800 Metern Höhe Schnee.“ Die Temperaturen kamen nicht über 12 Grad hinaus.

In Tösens im Bereich des Weiler Eggele löste sich am Samstag auf 1470 Meter Höhe in steilem, unwegsamen Gelände ein rund 5000 Kubikmeter umfassender Felsturm. Dieser prallte auf eine Kuppe und teilte sich in zwei Bahnen. Das Material bahnte sich seinen Weg durch den Wald, überquerte eine 300 Meter unterhalb liegende Straße auf 70 bis 80 Metern Länge und bewegte sich weiter durch den Wald in Richtung eines Wanderweges, berichtet Landesgeologin Petra Nittel nach einem Lokalaugenschein. Die Straße, die zu einem Hof führt, und der Wanderweg bleiben gesperrt. Oberhalb der gesperrten Straße befinden sich noch größere Felsblöcke, die gesprengt werden müssen. Auch die Rinne muss abgeräumt werden. Die Arbeiten werden einige Tage in Anspruch nehmen.

Fels schlug in Garage ein

Im Wipptal zerstörten am Nachmittag abgegangene Felsbrocken bei Ellbögen den Zubau eines Hauses. Die Garage sei total zerstört, Personen wurden nicht verletzt, teilte Landesgeologe Gunther Heißel in einer Aussendung mit.

Die Felsen gingen im Ortsteil Mühltal oberhalb von zwei Wohnhäusern ab. Die beiden Wohnhäuser können weiter bewohnt werden. Auch die direkt darunter liegende Landesstraße am Eingang des Wipptales sei mit einer kleinen Einengung befahrbar. Die Begutachtung durch eine Spezialfirma hat ergeben, dass derzeit keine weitere Gefahr besteht..

Muren in Schwendau, Hopfgarten, Jerzens und Virgen

Ein weiterer Mitarbeiter der Landesgeologie war am Nachmittag im Unterland unterwegs. Im Gemeindegebiet von Hopfgarten war eine Mure auf die Landesstraße L 41 abgegangen. Die Verbindung zwischen Hopfgarten und Wildschönau musste gesperrt werden, die Aufräumarbeiten laufen. Bevor die Straße wieder freigegeben wird, werden zur Sicherheit Betontrennwände aufgestellt.

Weiter in Bewegung ist der Rutschhang in Jerzens im Pitztal. Taleinwärts kommt es laut Landesgeologen immer wieder zu kleineren Abbrüchen. Ein größerer Felsblock stürzte in die Pitze, das Wasser kann aber vorbeifließen. Daher bestehe derzeit keine erhöhte Gefahr. Der Hang werde regelmäßig kontrolliert.

Die Wolfsklamm in Stans wurde vorläufig gesperrt. Gegen 7.30 Uhr beobachteten am Samstag Wanderer einen Hangrutsch, der Wanderweg ist auf einer Länge von zehn Metern abgerutscht.

In Tux gingen am Vormittag zwei Bäche über. Dabei wurde die Tuxer Landesstraße vermurt. Die Verbindung war aber bald darauf wieder frei passierbar.

In Schwendau trat der Horbergbach gegen Mittag über die Ufer und schwemmte tonnenweise Geröll auf die Straße am Kleinschwendberg. Ein Weiler wurde dadurch von der Außenwelt abgeschnitten. Die Straße bleibt über das Wochenende gesperrt, der Strom für mehrere Häuser musste aus Sicherheitsgründen abgeschaltet werden.

Zwei Häuser in Virgen evakuiert

Auch aus Virgen in Osttirol wurde am Abend ein Erdrutsch gemeldet. Zwei Häuser wurden evakuiert, ein Objekt wurde teilweise verschüttet, Personen wurden nicht verletzt. Die Landesstraße wurde die ganze Nacht beobachet. „Weitere Nachbrüche sind nicht ausgeschlossen“, so die Einschätzung von Landesgeologen Hans Schroll bei einem Lokalaugenschein. Auf einer Länge von 15 Metern ist das Erdreich unterhalb der Landesstraße weggerutscht und hat die Landesstraße talseitig auf einer Breite von zwei Metern unterhöhlt. Die L24 ist derzeit einspurig befahrbar.

Steinschlag auf Sellraintalstraße

Im Sellraintal (Bezirk Innsbruck-Land) haben sich kurz vor Sellrain drei Blöcke aus einem Hang gelöst. Ein Block blieb im Steinschlagnetz hängen, die beiden anderen übersprangen das Netz.

Einer der beiden Felsblöcke blieb noch hangseitig liegen, der andere kam über der Sellraintalstraße auf der Bachseite zum Stillstand. Mit Ausnahme von Schäden im Asphalt ist nichts passiert. Die Straßenmeisterei Zirl hat die Blöcke entfernt. Die Straße ist wieder frei und bis auf Weiteres offen.

Wetterbesserung am Sonntag

Am Samstag soll der Regen bereits in den Morgenstunden langsam abklingen. Auf Sonne wartet man weiterhin vergeblich. Die Temperaturen sollen laut Prognose der ZAMG auf 15 Grad ansteigen. Am Sonntag dürfte sich der Dauerregen dann ganz verabschieden. „Auch die Sonne könnte in einigen Teilen Tirols rauskommen“, prognostiziert Winkler. (tt.com)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Fr, 31.08.2012  15:14
aktualisiert: Sa, 01.09.2012  15:34
sperrstunde
Parship
Jobs
Unterkunftssuche
Panoramabilder
Panoramabilder
Panoramablick
Events · Kino · TV · Motor · Multimedia · Musik · Stars · Leben ·
AGB Kontakt Impressum