Ehe für Priester bleibt Wunsch
Von Helmut Wenzel
Innsbruck, Stams, Zams – Dreieinhalb Jahre hat sich der aus dem Zillertal stammende Kooperator Andreas Geisler in der Pfarre Zams engagiert. Sein offenes Bekenntnis im Sonntagsgottesdienst, dass er eine Frau liebt (die TT berichtete), hat selbst den Bürgermeister überrascht. „Ich habe nur gewusst, dass er sich am Sonntag verabschiedet. Aber nicht, dass er eine Freundin hat“, schilderte BM Siggi Geiger. „Der Andreas ringt uns großen Respekt ab. Er hat mit Mut und Offenheit über seine Liebe gesprochen.“
Nach dem Gottesdienst habe sich die Bevölkerung mit minutenlangem Applaus beim scheidenden Seelsorger bedankt, sagte Geiger. Und: „Bei der anschließenden Agape waren so viele Leute dabei wie schon lange nicht mehr. Die Worte von Andreas haben uns alle sehr bewegt, wir haben seine Offenheit positiv aufgenommen.“ Die Liebe des Kooperators sei top secret gewesen. Nur Kirchendiener, die eng mit ihm zusammengearbeitet hatten, wollen bemerkt haben, „dass er sich irgendwie verändert hat“.
Im Zammer Pfarrwidum war gestern zu erfahren, dass der Kooperator in die Schweiz abgereist ist. Dort soll er sich in einem Jesuitenkloster eine Auszeit bzw. Nachdenkzeit nehmen. Für die TT bleibt der Priester nicht erreichbar.
Sollen katholische Priester heiraten dürfen wie ihre Kollegen von der evangelischen Kirche? German Erd, der Abt von Stift Stams, gilt als Verfechter einer Liberalisierung des Zölibats. Am Dienstag brachte er seine Überzeugung so auf den Punkt: „Ja, Weltpriester sollen heiraten dürfen. Aber wahrscheinlich bleibt das in den nächsten Jahren nur ein frommer Wunsch.“ Das habe er schon früher gesagt und dem sei nichts mehr hinzuzufügen. Für Ordenspriester hingegen solle weiterhin der Zölibat gelten. „Es nützt ja nichts, wenn ich für die Liberalisierung des Zölibats bin“, schränkt er ein, „die Meinung, die ich vertrete, teilen viele mit mir. Nur bewegt sich nichts in Rom. Ich sehe weit und breit kein Signal für eine Veränderung.“
Auch die restriktive Haltung des Vatikan gegenüber verheirateten Ex-Priestern kann er keinesfalls begrüßen: „Ihnen bleibt die Rückkehr in das Priesteramt verwehrt.“ Für den Zammer Kooperator, den er persönlich kennt, könne er sich eine Rückkehr in die Seelsorge in Tirol nur wünschen.
Zur Erklärung der Diözese Innsbruck (siehe Stellungnahme), wonach es keinen Zusammenhang zwischen Zölibat und Priestermangel in Tirol gebe, stellt der Abt fest: „Die Diözese will lieber überzeugte Priester haben, die den Zölibat auf sich nehmen. Dafür nimmt man unbesetzte Seelsorgestellen in Kauf. Es wird auch argumentiert, dass die Zahl der Männer, die sich für den Priesterberuf entscheiden, weltweit steigt.“
Schärfere Töne schlägt der Obmann des Zammer Pfarrgemeinderates, Klaus Antretter, gegenüber der Kirche bzw. den Dogmatikern in Rom an. „Ich habe mich öfters gefragt, wie viel Blut von fähigen und guten Priestern noch fließen muss, bis die Amtskirche endlich erkennt, dass sich die Berufung zum Priesteramt und die Sehnsucht nach Familie und Partnerschaft nicht ausschließen dürfen“, sagte der ehrenamtlich tätige Funktionär beim denkwürdigen Abschiedsgottesdienst am Sonntag in Zams.






