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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 14.12.2012

Skandal im Aldranser Heim weitet sich aus

698.000 € hat der Buchhalter im Altenheim veruntreut. Jetzt wurde bekannt, dass in seiner Heimwoh­nung auch sein Vater gemeldet war.

Von Peter Nindler

Innsbruck – Die Versammlung des Altenheimverbands Südöstliches Mittelgebirge am 27. Dezember birgt Zündstoff. Schließlich konnte der ehemalige Buchhalter Christoph Zoller vor den Augen des Heimleiters, des Verbandsobmannes und des Überprüfungsausschusses mit 97 getürkten Barbehebungen rund 698.200 Euro veruntreuen. Doch das ist nicht alles. Auch Vater Erich Zoller nützte die massiven Kontrolllücken im Altenheim St. Martin aus. Vater und Sohn waren jedoch beileibe keine Unbekannten: Beide wurden vor fünf Jahren wegen eines Immobilien-betrugs in Millionenhöhe zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Der Vater des Buchhalters lebte sich sprichwörtlich im Altenheim ein, wo er für kleinere Tätigkeiten 9175 Euro erhielt. Denn Erich Zoller war bis 26. September in der Dienstwohnung seines Sohnes amtlich gemeldet. Das Honorar wurde aber nicht auf ein Konto von Erich Zoller überwiesen, sondern auf eines in Bayern von Zollers Ehefrau Heidi. Die Schlussfolgerung des externen Prüfungsteams unter Führung des ehemaligen Direktors des Landesrechnungshofs ist eindeutig: „Es besteht der Verdacht der betrügerischen Krida, da Entgeltzahlungen den Gläubigern gegenüber verheimlicht wurden.“ Schließlich ist gegenüber Zoller ein Schuldenregulierungsverfahren anhängig. Und es sei unrechtmäßig, so die Prüfer weiter, dass der Heimleiter im Wissen darum derartige Zahlungen und Abrechnungen mitträgt.

Doch zurück zum Großbetrug des ehemaligen Buchhalters: Unabhängig von der kriminellen Energie von Christoph Zoller, der Anfang August einen Schlaganfall erlitt und seither in einer Klinik in Bayern liegt: Dem Heimleiter und den Kontrollorganen hätte bei der Buchhaltung längst auffallen müssen, dass etwas nicht passt. Zum einen manipulierte Zoller seit 2009 die Rechnungsabschlüsse. Andererseits – und das hätte sprichwörtlich ins Auge springen müssen – waren die anfänglichen Kassenbestände ab dem Budgetjahr 2009 mit „0“ Euro ausgewiesen. Kommentar der Prüfer: „Dies widerspricht elementaren Buchungsgrundsätzen und es ist darüber hinaus in der Realität auszuschließen, dass die Summe der anfänglichen Kassenbestände eines Betriebes, welcher seit nahezu 20 Jahren geführt wird, null Euro betragen kann.“

Dass der Betrug mit 97 Barbehebungen ohne Vollmacht bei ein und derselben Bank erfolgen konnte, bewerten die Experten in ihrem Prüfbericht mit einer groben Verletzung der Sorgfaltspflichten des Heimleiters. „Barabhebungen stellen auf Grund der einschlägigen Gebarungsvorschriften die Ausnahme dar und unterliegen einer besonderen Sorgfalt. Der Heimleiter hat diesbezüglich nicht dafür gesorgt, dass das Einlangen der beauftragten Barabhebungen ordnungsgemäß in der Buchhaltung überprüft wurde.“

Teils mit unbearbeiteten, nachbearbeiteten oder gar mit vom Heimleiter unterfertigten Blanko- Barbehebungsquittungen wurden die 688.200 Euro behoben. 10.000 Euro verschwanden einen Tag vor seinem Schlaganfall.