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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 14.12.2012

Auf der neuen Trasse ist noch nicht alles auf Schiene

Eine Woche nach dem Fahrplanwechsel sind die Erfahrungen auf der neuen Unter-inntalbahn geteilt. Für Anrainer wird es nur langsam leiser, Züge hatten Verspätung.

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Innsbruck – Locker mit 220 km/h durchs Unterland brausen, durch die modernste Strecke des Landes, um innerhalb von 4 Stunden und 15 Minuten von Innsbruck nach Wien zu kommen. Schöne neue Bahnwelt. Doch aller Anfang ist schwer. Das haben in der ersten Woche der neuen Unterinntaltrasse nicht nur ÖBB-Mitarbeiter und -Fahrgäste lernen müssen, sondern auch die Anrainer.

Denn noch merke man nicht viel von der neuen Untertunnelung, erklärte ein Anrainer aus Baumkirchen. „Eine Verbesserung ist noch weniger als erhofft zu spüren.“ Zu viele Züge fahren derzeit noch auf der bisherigen Strecke. Dies liegt einerseits an der Problematik rund um das Sicherungssystem, das nur viele ÖBB-Züge haben (die TT berichtete). Andererseits kamen Kinderkrankheiten und der Wintereinbruch hinzu. So kam es, dass von knapp 20 Railjets, die in knapp über vier Stunden von Innsbruck nach Wien bzw. die entgegengesetzte Strecke pro Tag fahren sollten, teilweise nicht einmal die Hälfte diese Zeitvorgabe schafften. Zwischen „positiv“ und „durchwachsen“ fällt daher auch die Bilanz bei der Bundesbahn aus. Wobei die Strecke in Tirol wesentlich weniger Probleme macht wie der ebenfalls eröffnete neue Abschnitt im Tullnerfeld.

Dort wurde ein zwischenzeitliches Tempolimit von 160 km/h mittlerweile wieder aufgehoben. Zuvor hatten Eisklumpen zwei Railjets beschädigt. Zuletzt gab es durchschnittlich Verspätungen von bis zu 15 Minuten. „Aber die Zahlen werden jeden Tag besser“, sagt Silvia Kaupa, die Fernverkehrschefin der Bahn.

Die ersten paar Wochen dürfe man sich nicht aus der Ruhe bringen lassen, erklärt Kaupa. Die Kunden hätten das neue Angebot jedenfalls sehr positiv aufgenommen. „Natürlich sind die Maßnahmen im Unterinntal und bei Wien ein Meilenstein bei der Fahrzeitverkürzung.“

Kaupa: „Egal, mit wem man in den ersten Tagen in den Zügen gesprochen hat, alle hätten nur von der neuen Geschwindigkeit von bis zu 230 km/h gesprochen.“ Damit sei die Bahn eine echte Alternative zum Auto und auch zum Flugzeug.

Wie viele Bahnkunden mehr aus Tirol in Richtung Wien man sich erwarte, das wollte Kaupa nicht beziffern. Es gebe aber natürlich die Erwartung, dass es zu steigenden Fahrgastzahlen komme. Genau beziffern lassen sich die nach der ersten Woche im Betrieb allerdings noch nicht. Die Bahn rechnet nur monatsweise ab.

Dass in Tirol ein stetiges Spannungsfeld zwischen schnellem Reisen nach Wien und mehr Halten im eigenen Land bestehe, kommentierte Kaupa diplomatisch. „Wir müssen hier die richtige Abstimmung und das richtige Maß für unsere Kunden finden.“ Für den Weihnachtsverkehr hoffe man aber, dass ein Großteil der Probleme behoben sei. (mw)

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