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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 09.01.2013

Rote Karte für Schwarzfahrer

Mehr als 14.000 Schwarzfahrer – so viele wie nie zuvor – wurden 2012 von den Innsbrucker Verkehrsbetrieben aufgegriffen. Auch bei den ÖBB trugen die Kontrollen Früchte.

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Von Katharina Zierl

Innsbruck – Wer in Tirol ohne Ticket mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, hat schlechte Karten. Auch wenn Fahrgäste um keine Ausrede verlegen sind, wie Kurt Schmarl von den Innsbrucker Verkehrsbetrieben (IVB) erklärt: „Da kommt so einiges. Manche sagen, sie hätten ihre Jahreskarte vergessen. Oder in einer anderen Manteltasche. Andere erzählen, sie hätten keine Zeit mehr gehabt, ein Ticket zu lösen.“

Insgesamt wurden von den IVB im Jahr 2012 mehr als 14.000 Schwarzfahrer erwischt. „Bislang lag die Zahl meist bei rund 12.000. Die Steigerung liegt zum Teil aber sicher auch daran, dass es eine Takterweiterung gab und zusätzliche Linien installiert wurden“, sagt Schmarl. Generell könne man sagen, dass rund vier Prozent der kontrollieren Fahrgäste ohne Ticket unterwegs seien. Die Palette reiche bei den Schwarzfahrern von Schülern über Hausfrauen bis zu Angestellten. „Früher waren die meisten Jugendliche. Auf Grund des besseren Ticketangebots ist diese Zahl aber zurückgegangen“, sagt Schmarl.

55 Euro sind fällig, wenn Fahrgäste bei den IVB ohne Karte unterwegs sind. Entweder wird gleich bar oder im Nachhinein per Erlagschein bezahlt. Kann sich jemand nicht ausweisen, wird die Person fotografiert. „Das wurde genehmigt. Es geht einfach darum, dass die Hemmschwelle, falsche Daten anzugeben, bei den Leuten dann viel höher ist“, erklärt Schmarl. Seit rund eineinhalb Jahren würden Fotos gemacht: „Seither geben viel weniger einen falschen Namen an.“

Dass die Moral bei den Fahrgästen der ÖBB „recht gut“ sei, betont indes ÖBB-Pressesprecher Rene Zumtobel: „2012 haben wir rund 3100 Fahrgäste ohne Ticket aufgegriffen. Das entspricht im Verhältnis zur Gesamtzahl nur 0,5 Prozent.“ Neben sechs hauptberuflichen Kontrolleuren würden auch Zugbegleiter regelmäßig Kontroll­dienste übernehmen. Nicht immer seien die Fahrgäste den Mitarbeitern positiv gesinnt, sagt Zumtobel: „Es kommt immer wieder vor, dass sie angepöbelt oder angefeindet werden. Auch körperliche Angriffe gab es schon. Dabei machen sie nur ihren Job.“

Dass die Ausreden der Fahrgäste ohne Ticket vielfältig sind, bestätigt Zumtobel: „Ein oft gebrauchtes Argument ist, dass der Fahrkartenautomat nicht funktioniert hat.“ Mit wenig Erfolg, erklärt der ÖBB-Presssprecher: „Im Normalfall wird der Kontrolleur via SMS über den Ausfall von Geräten informiert.“ Sollte sich im Nachhinein trotz Strafe doch herausstellen, dass Fahrkartenautomaten wirklich außer Betrieb gewesen seien, „bekommt der Fahrgast sein Geld rückerstattet“, sagt Zumtobel. 65 Euro müssen Schwarzfahrer bei den ÖBB berappen – zumindest wenn sie die Summe gleich bar bezahlen. Sonst sind per Erlagschein 95 Euro fällig. „Immer wieder meinen Fahrgäste, dass wir den Strafen nicht nachgehen und zahlen das Geld daher nicht ein. Es bleibt aber nichts liegen. Wenn nicht bezahlt wird, schalten wir ein Inkassobüro ein“, erklärt der ÖBB-Pressesprecher.

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